Ariadne sieht Wasserstoff in Industrieclustern

Der Ausbau der Wasserstoff-Verteilnetze startet vor allem in industriestarken Regionen mit Anschluss an das Kernnetz, während andere Gebiete vorerst zurückhaltend bleiben

Quelle: E&M powernews

15.07.2026

Forschende des Projekts Ariadne befragten Netzbetreiber zum H2-Hochlauf. Demnach entstehen Wasserstoff-Verteilnetze zunächst rund um Industriestandorte und Anschlüsse an das Kernnetz.

Während das Wasserstoffkernnetz schrittweise aufgebaut wird, dürfte sich die Entwicklung H2-Hochlauf, Wasserstoff, von Wasserstoff-Verteilnetzen regional sehr unterschiedlich vollziehen. Zu diesem Ergebnis kommt das Kopernikus-Projekt Ariadne, ein vom Bund gefördertes Forschungsprojekt zur Transformation des Energiesystems. Laut einer Studie vom 14. Juli werden sich Wasserstoff-Verteilnetze zunächst vor allem in Clustern mit industriellen Großverbrauchern und einem Anschluss an das Wasserstoffkernnetz entwickeln.

Grundlage der Untersuchung ist eine Befragung von Gasverteilnetzbetreibern, die das Forschungsteam im Sommer 2024 durchgeführt hat. Von 727 angeschriebenen Unternehmen beteiligten sich 121 vollständig an der Erhebung. Nach Angaben der Autoren handelt es sich um die erste unabhängige wissenschaftliche Vollerhebung zu den Strategien deutscher Gasverteilnetzbetreiber beim Wasserstoffhochlauf.

Die Studie zeigt, dass die Unternehmen Investitionen in Wasserstoffnetze derzeit vor allem dort vorbereiten, wo sich eine verlässliche Nachfrage abzeichnet. Besonders Verteilnetzbetreiber in Ballungsräumen mit energieintensiver Industrie und einer Perspektive auf einen Anschluss an das Wasserstoffkernnetz beschäftigen sich demnach mit konkreten Planungen. In Regionen ohne industrielle Ankerkunden oder ohne absehbare Anbindung an das Kernnetz sei die Bereitschaft zu Investitionen dagegen deutlich geringer.

Nach Einschätzung der Forschenden ist diese Zurückhaltung kein Zeichen fehlender Ambitionen. Vielmehr reagierten die Unternehmen auf die derzeit bestehenden Unsicherheiten. Dazu zählten offene Fragen zur Regulierung, fehlende Finanzierungsmodelle und unklare Perspektiven für die künftige Wasserstoffnachfrage.

Kleinere Unternehmen im Nachteil

Die Analyse macht zudem Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen von Verteilnetzbetreibern deutlich. Mithilfe einer Clusteranalyse unterscheiden die Autoren zwischen kleinen lokalen Netzbetreibern, regional-ländlichen Unternehmen und urbanen Verteilnetzbetreibern. Vor allem Betreiber großer Stadtnetze seien eng in die Planungen der Bundesnetzagentur und der Fernleitungsnetzbetreiber eingebunden. Kleinere Unternehmen müssten dagegen häufiger auf informelle Netzwerke zurückgreifen, um Informationen zum Wasserstoffhochlauf zu erhalten.

Nach Angaben der Autoren erschwert diese ungleiche Einbindung die Vorbereitung von Investitionen. Über alle untersuchten Gruppen hinweg bestehe ein hoher Bedarf an Informationen zu regulatorischen Vorgaben, technischen Anforderungen und Finanzierungsmöglichkeiten. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen würden viele Unternehmen Investitionsentscheidungen aufschieben.

Hilfe der Politik gefordert

Die Forschenden leiten daraus mehrere Handlungsempfehlungen für Politik und Regulierung ab. Der Staat solle den Ausbau der Verteilnetze nicht unmittelbar steuern, sondern vor allem die Rahmenbedingungen verbessern. Dazu gehörten ein besserer Informationsfluss zwischen den beteiligten Akteuren, mehr Planungs- und Finanzierungssicherheit sowie eine frühzeitige Einbindung aller Verteilnetzbetreiber in übergeordnete Planungsprozesse.

Der Aufbau einer Wasserstoff-Verteilinfrastruktur gewinnt nach Einschätzung der Autoren an Bedeutung, weil das Wasserstoffkernnetz allein die Versorgung künftiger Verbraucher nicht sicherstellen könne. Zwar genehmigte die Bundesnetzagentur im Oktober 2024 ein rund 9.040 Kilometer langes Wasserstoffkernnetz, dessen erste Abschnitte bereits in Betrieb sind. Eine öffentlich zugängliche Wasserstoff-Verteilinfrastruktur existiert bislang jedoch nicht. Sie wird nach Einschätzung der Ariadne-Forschenden vor allem dort entstehen, wo Industrieunternehmen als erste Abnehmer auftreten und eine Anbindung an das Kernnetz wirtschaftlich möglich ist.

Die Ariadne-Analyse zum Wasserstoffverteilnetz steht als PDF zum Download bereit.

Autorin: Susanne Harmsen

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