ZSW skaliert Kathodenmaterial
Die Pilot-Linie „Powder-Up!“ ermöglicht die Skalierung von Kathodenmaterialien vom Labor- in den industrienahen Maßstab und unterstützt damit die Entwicklung von Batterien für Elektromobilität und stationäre Energiespeicher.
28.10.2026
Quelle: E & M powernews
Eine Pilotlinie in Ulm soll neue Batteriematerialien aus dem Labor in die industrielle Anwendung bringen. Davon könnten Hersteller von Elektroautos und Großspeichern profitieren.
Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) hat in Ulm die Pilot-Linie „Powder-Up!“ in den Vollbetrieb überführt. Mit ihr können neue Kathodenmaterialien in Mengen hergestellt werden, die für die Entwicklung großer Batteriezellen nötig sind. Das ZSW spricht von der ersten unabhängigen Anlage dieser Art in Deutschland. Sie steht Industrie und Forschung für Kooperationen offen.
Kathodenmaterialien beeinflussen Energiedichte, Lebensdauer, Sicherheit und Kosten einer Batteriezelle. Neue Zusammensetzungen werden im Labor zunächst grammweise untersucht. Für industrienahe Zelltests sind größere Chargen erforderlich. Die Pilot-Linie ist für bis zu 100 Kilogramm ausgelegt. Erste Muster hat das ZSW bereits von wenigen Gramm auf rund 15 Kilogramm hochskaliert.
Das ZSW untersucht Nickel-Mangan-Kobalt-Kathoden (NMC) mit hoher Energiedichte, die etwa für reichweitenstarke Elektrofahrzeuge relevant sind. Der aktuelle Schwerpunkt liegt auf Lithium-Eisen-Phosphat (LFP). Diese Zellchemie kommt ohne Nickel und Kobalt aus, gilt als vergleichsweise kostengünstig, langlebig und thermisch stabil. Sie eignet sich insbesondere für stationäre Großspeicher, wird aber auch in Elektroautos eingesetzt.
Die Internationale Energieagentur (IEA) beziffert den Anteil von LFP an der 2025 weltweit neu installierten stationären Batteriespeicherkapazität auf mehr als 90 Prozent. Bei den in Elektrofahrzeugen eingesetzten Batterien waren es über 55 Prozent. Das ZSW fertigt LFP-Material bereits im Kilogrammmaßstab. Daneben befasst es sich mit Kathodenmaterialien für Natrium-Ionen-Batterien, die künftig ebenfalls für stationäre Speicher infrage kommen.
Auf rund 2.400 Quadratmetern stehen mehr als 135 Anlagen und Geräte für Synthese, Wärmebehandlung bei 600 bis 1.000 Grad Celsius, Analyse und Qualitätssicherung. Die Prozessdaten werden digital erfasst und sollen auch für KI-gestützte Entwicklungen genutzt werden. Das ZSW verfügt zudem über Einrichtungen zur Zellfertigung und Batterieprüfung.
Bund und Land förderten das Projekt mit rund 34 Millionen Euro. Davon flossen 24 Millionen Euro des Bundes in Technik und Infrastruktur und zehn Millionen Euro des Landes in das Gebäude. Eingeweiht wurde die Anlage 2024, im März 2025 begann die Inbetriebnahme.
Auch für Europas Lieferketten ist das Vorhaben relevant: Laut IEA wurden 2025 rund 85 Prozent der weltweiten Kathodenaktivmaterialien für Elektrofahrzeugbatterien in China produziert. Die Ulmer Anlage erleichtert die Erprobung eigener Herstellungsverfahren.
Autor: Fritz Wilhelm