Wachstum durch Innovation
Im Gespräch über die Erfolgsfaktoren bei iba
23.10.2026
Anfang Oktober zeichnete das Handelsblatt die iba AG als eines der wachstumsstärksten mittelständischen Unternehmen Deutschlands aus. Ein guter Anlass, um unserem Clusterpartner zu gratulieren sowie sich mit Dr. Ulrich Lettau, CEO der iba AG zu treffen und über strategische Entscheidungen, technologische Entwicklungen und Partnerschaften zu sprechen, die dieses Wachstum ermöglicht haben und darüber, was andere Industrieunternehmen hieraus mitnehmen können.
CMA (Andreas Hackner): Herzlichen Glückwunsch zu dieser verdienten Auszeichnung. Wenn Sie auf die Entwicklung von iba zurückblicken: Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Treiber dieses Erfolgs?
iba (Ulrich Lettau): Vielen Dank. Entscheidend war vor allem eine langfristige Unternehmensstrategie, die konsequent auf nachhaltigen Erfolg ausgerichtet ist. Dabei greifen drei Faktoren ineinander: Wir entwickeln unsere Produkte kontinuierlich entlang des konkreten Kundennutzens weiter, wir diversifizieren unsere Zielmärkte über unterschiedliche Industriebranchen bis hin zur elektrischen Energietechnik und wir sind international breit aufgestellt.
CMA: Damit sprechen Sie bereits das Thema Innovation an. Welche Rolle spielen technologische Neuerungen sowie kontinuierliche Forschung und Entwicklung für Ihr Wachstum?
iba: Innovation und die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Produkte sind für uns zentral. Maßstab sind die Anforderungen unserer Kunden. Gleichzeitig achten wir darauf, keine isolierten Individuallösungen zu schaffen. Unsere Kunden erwarten Lösungen, die langfristig in ihren Anlagen eingesetzt werden können und ihnen dennoch ermöglichen, kontinuierlich am technischen Fortschritt teilzuhaben.
CMA: Die Industrie steht zugleich vor großen Herausforderungen, vom Fachkräftemangel bis zu geopolitischen Unsicherheiten. Wie gelingt es iba, unter diesen Bedingungen überdurchschnittlich zu wachsen?
iba: Unser Erfolg basiert aus unserer Sicht auf vier Säulen: Kunden, Innovation, Mitarbeitende und Finanzen. Bei unseren Kunden setzen wir auf langjährige, partnerschaftliche Beziehungen, exzellente Beratung und hochwertigen Support. Zugleich bauen wir unsere weltweiten Vertriebsaktivitäten kontinuierlich aus. Im Bereich Innovation beziehen wir Kunden frühzeitig in die Ideenfindung ein, erschließen neue Technologien und überführen sie in tragfähige Geschäftsmodelle. Gleichzeitig halten wir unsere Kernprodukte über viele Jahre technologisch aktuell.
CMA: Und welche Bedeutung haben dabei die Mitarbeitenden und die finanzielle Stabilität des Unternehmens?
iba: Wir möchten unsere Mitarbeitenden befähigen und motivieren, eigenständig Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für ihre Aufgaben zu übernehmen. Dazu gehört auch, Talente zu gewinnen, langfristig zu binden und gezielt weiterzuentwickeln. Ein motivierendes Arbeitsklima im gesamten Unternehmen ist dafür eine wichtige Grundlage. Auf der finanziellen Seite schaffen wir Kostentransparenz als Basis guter Entscheidungen. Langfristige Profitabilität und nachhaltiges Wachstum sichern unsere Investitionsfähigkeit. Gleichzeitig ist es uns wichtig, die finanzielle Unabhängigkeit von Dritten zu bewahren.
CMA: iba ist stark in der Automatisierungstechnik verwurzelt. Wie haben Digitalisierung, Automatisierung und Softwarelösungen Ihre Wettbewerbsfähigkeit geprägt?
iba: Ohne diese Themen gäbe es die iba AG in ihrer heutigen Form nicht. Wir kommen aus der Automatisierungstechnik und haben uns zu einem führenden Anbieter von Systemen zur Fehlerbehebung, Prozess- und Qualitätsoptimierung sowie vorausschauenden Instandhaltung entwickelt. Darüber hinaus unterstützen wir die Digitalisierung heterogener Automatisierungsarchitekturen. Digitalisierung, Automatisierung und Software sind damit nicht nur Ergänzungen unseres Geschäfts, sondern dessen Kern.
CMA: Innovation entsteht selten allein. Welche Rolle spielen Kooperationen mit Kunden, Hochschulen und Netzwerken wie dem Cluster Mechatronik & Automation?
iba: Wir beteiligen uns seit vielen Jahren aktiv an Kooperationsprojekten mit Hochschulen. So halten wir unser Know-how aktuell und geben unseren Mitarbeitenden die Möglichkeit, mit erstklassigen Forschenden zusammenzuarbeiten. Ebenso sind wir seit Langem aktives Mitglied im Cluster Mechatronik & Automation. Das Cluster hat interessante Forschungspartnerschaften initiiert und uns durch den Austausch mit anderen Mitgliedern Orientierung gegeben, welche Innovationsthemen aktuell relevant sind und weiterverfolgt werden sollten.
CMA: Die Verbindung zum Cluster ist also über viele Jahre gewachsen?
iba: Ja. Ich war bereits Mitglied im Präsidium des CMA e.V. und habe die erfolgreiche Integration des Vereins in Bayern Innovativ begleitet. Durch diese Einbettung entstehen heute zahlreiche Querschnittsthemen und Synergien mit anderen Clustern und Netzwerken. Daraus ergibt sich ein erheblicher Mehrwert für die Partner des Clusters Mechatronik & Automation.
CMA: Wenn Sie nach vorn schauen: Welche technologischen Trends werden für den industriellen Mittelstand in den kommenden fünf Jahren besonders wichtig?
iba: Ich sehe drei zentrale Themen. Erstens die Integration agentischer KI in interne Prozesse, einschließlich der Entwicklung. Zweitens die Einbindung von KI in Softwarelösungen. Und drittens die Fähigkeit, auch Altanlagen und heterogene Systemlandschaften in moderne Lösungen zu integrieren. Gerade für mittelständische Unternehmen wird es entscheidend sein, Innovation mit bestehenden Strukturen zu verbinden.
CMA: Gab es rückblickend einen strategischen Wendepunkt oder eine mutige Entscheidung, die sich als besonders erfolgreich erwiesen hat?
iba: Ein wichtiger Wendepunkt war die Entscheidung, nicht mehr alles zu machen, sondern uns bewusst auf ausgewählte Anwendungen und Lösungen zu konzentrieren. Diese Fokussierung haben wir mit einem strategischen Personalaufbau verbunden. Dadurch konnten wir unsere Stärken gezielter ausbauen und die weitere Entwicklung des Unternehmens klarer ausrichten.
CMA: Zum Abschluss: Welchen Rat geben Sie anderen mittelständischen Industrieunternehmen, die nachhaltig wachsen und ihre Innovationskraft stärken möchten?
iba: Zunächst muss klar sein, wohin sich das Unternehmen entwickeln soll. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch das Durchhaltevermögen, diese Ziele über viele Jahre konsequent zu verfolgen. Hilfreich ist es, den Weg in Etappen zu gliedern, die jeweils bereits einen konkreten Kundennutzen und damit Markterfolg erzeugen. Finanzielle Unabhängigkeit ist dafür eine wesentliche Voraussetzung. Gleichzeitig braucht es den Mut, Ziele bei veränderten Rahmenbedingungen anzupassen, ohne die langfristige Richtung aus den Augen zu verlieren.
CMA: Vielen Dank für das Gespräch und die Einblicke in die Wachstums- und Innovationsstrategie von iba.
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Dr. Andreas Hackner,