Transformation der Netze weitergeplant

Branche bereitet Umstellung der Gasverteilnetze auf Wasserstoff vor und fordert klare gesetzliche Rahmenbedingungen

26.03.2026

Quelle: E & M powernews

Die Initiative „H2vorOrt“ hat die neue Version des Gasnetzgebietstransformationsplans (GTP) vorgelegt. Seit 2020 plant die Branche den Umbau von Gasnetzen für den Wasserstofftransport.

Seit 2020 treibt die Initiative H2 vor Ort die branchenweite Planung zur Transformation der deutschen Gasverteilnetze hin zur Klimaneutralität voran. Seit der ersten Vorstellung des Gasnetzgebietstransformationsplans (GTP) im Jahr 2022 sei die Teilnahme an dem dazugehörigen Prozess stark gewachsen, stellt sie am 25. März fest.

In den vergangenen Jahren umfasste der Prozess rund 450.000 Kilometer und damit etwa 80 Prozent der deutschen Gasverteilnetzkilometer. Der GTP wurde laut der Initiative kontinuierlich weiterentwickelt. Nun gelte es, ihn mit den kommenden rechtlichen Anforderungen zusammenzuführen.

Das Europäische Parlament hatte 2024 mit den Artikeln 56 und 57 der EU‑Gasbinnenmarktrichtlinie 2024/1788 den offiziellen Rahmen für einen Transformationsplanungs- und Genehmigungsprozess für Gas- und Wasserstoffverteilnetze geschaffen. Seine Umsetzung in deutsches Recht muss bis August 2026 erfolgen, erinnert H2 vor Ort. Ein entsprechender Referentenentwurf zur Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) liegt inzwischen vor und sieht die Einführung dieses Prozesses unter dem Namen Verteilernetzentwicklungsplan (VNEP) vor.

Weichenstellung für die Zukunft

Angesichts der aktuellen Entwicklungen sei es an der Zeit, die brancheninternen Planungsprozesse des GTP mit den neuen gesetzlichen Vorgaben des VNEP zusammenzuführen. „Im GTP 2025 wurden die Anforderungen aus der EU-Richtlinie bereits weitgehend in die Branchenplanung integriert und zudem die Prognosemethodik des GTP über die sogenannte Langfristprognose auf die Prozesse des Netzentwicklungsplans Gas und Wasserstoff nach EnWG abgestimmt“, schreibt die Initiative. 
Nächster Schritt im Transformationsprozess werde die Einreichung erster VNEPs und Leitfaden für die VNEP-Erstellung. Dies stehe für das kommende Jahr im Rahmen des GTP-Prozesses an. Erste Transformationspläne einiger Verteilnetzbetreiber würden bei den Regulierungsbehörden 2026 eingereicht. „Viele andere werden diesen Schritt jedoch frühestens zum dann nächsten durch den Netzentwicklungsplan-Zyklus möglichen Zeitpunkt im Jahr 2028 oder später umsetzen können“, so H2 vor Ort.

Leitfaden wird entwickelt

Die Initiative hat daher begonnen einen Leitfaden zur Erstellung eines VNEP zu entwickeln, der dabei helfen soll. Er umfasst alle drei im Rahmen eines VNEPs möglichen Entwicklungspfade: den Neubau von Wasserstoffverteilnetzleitungen, die Umwidmung bestehender Gasverteilnetzleitungen für Wasserstoff oder die Stilllegung von Gasleitungen.

Sofern es der endgültige Gesetzestext zulässt, werde der Leitfaden auch die Möglichkeit einer gemeinsamen regionalen Planung durch mehrere Unternehmen berücksichtigen. Neben den konkreten Genehmigungssachverhalten der VNEPs umfasst er weiterhin die strategische Transformationsplanung der Verteilnetzbetreiber – einschließlich der perspektivischen Versorgung mit klimaneutralem Methan wie etwa Biomethan.

Da der Gesetzgebungsprozess noch nicht abgeschlossen ist und wesentliche Fragen – darunter die Finanzierung – weiterhin offen sind, lasse sich aktuell nicht abschätzen, wann der VNEP-Leitfaden finalisiert wird. Aufgrund der veränderten Struktur werde es im Jahr 2026 im Gegensatz zu den vergangenen Jahren keine Rückmeldung der Netzbetreiber an H2 vor Ort zur Erstellung eines Branchenberichts geben. Die Initiative empfiehlt allen Unternehmen, die bislang nicht am GTP-Prozess teilgenommen haben, eine interne Planung auf Basis der bestehenden Leitfäden vorzunehmen.

Politik am Zug

Für den Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) sagte der Vorstandsvorsitzende Gerald Linke: „Netzplanung und Technik gehören untrennbar zusammen – deshalb ist der GTP konsequent im DVGW-Regelwerk verankert“. Aus Sicht der Kommunalen Unternehmen berichtete VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing: „Die Zukunft der Gasnetze und die Umstellung auf klimaneutrale Gase sind zentrale Themen für kommunale Unternehmen und deren Kunden, die Bürger und die Industrie.“

In vielen Kommunen werden klimaneutrale Gase künftig eine Rolle spielen, etwa für Stromerzeugung, Wärmenetze oder industrielle Anwendungen. Gleichzeitig planen andere Kommunen, Gasverteilnetze teilweise oder vollständig stillzulegen. „Der Neubau von Wasserstoffleitungen, die Transformation und die Stilllegungen bestehender Netze müssen gesetzlich geregelt werden“, forderte Liebing von der Politik. Es sei gut, dass die Branche mit der Planung in Vorleitung gegangen ist.

Der Ergebnisbericht 2025 zum Gasnetzgebietstransformationsplan steht im Internet bereit.

Autorin: Susanne Harmsen