Transfer braucht Begegnung im Dialog

Wissenstransfer: Wie Ideen die Seiten wechseln

21.07.2026

Für Innovationen müssen Wissen und Technologien ihren Weg aus Forschungseinrichtungen in die Praxis finden und umgekehrt. Entscheidend ist dabei, dass Menschen in einen Dialog treten. Wenn Forschung und Anwendung im Austausch stehen, Fragen gemeinsam weiterentwickeln und Erfahrungen miteinander teilen, entsteht der Weg zu neuen Erkenntnissen.

Inspiriert von bewährten Methoden – weitergedacht für den Technologietransfer

Als Team Innovationsmanagement sind wir immer auf der Suche nach neuer Methodik, die zu innovativen Lösungen durch Wissenstransfer führt. Vor diesem Hintergrund haben wir die Bedarfe im Transfer aufgegriffen und nach passenden Ansätzen gescoutet. Zwei Formate haben sich dabei als besonders vielversprechend erwiesen.

Hierbei ist die Rede von den strukturierten, sozial eingebetteten Lern- und Reflexionsformaten Working Out Loud (WOL) und Kollegiale Fallberatung (KFB) Beide Ansätze fördern Perspektivenvielfalt, Reflexion und vertreten die Überzeugung, dass Menschen voneinander lernen können, wenn sie ihre Erfahrungen offen teilen und einander aktiv unterstützen. In der Kombination beider Methoden entsteht ein Raum, in dem Wissen ausgetauscht, Perspektiven verbunden und Transfer gezielt gestärkt wird.

Zwei Methoden, die Transfer möglich machen

WORKING OUT LOUD

Working Out Loud fördert Beziehungen, Offenheit und Sichtbarkeit. Grundlegende Voraussetzungen dafür, dass Wissen überhaupt geteilt und aufgegriffen werden kann.

Working Out Loud ist ein strukturiertes Format des sozialen Lernens. Typischerweise arbeiten drei bis fünf Personen an selbst gewählten Zielen und treffen sich wöchentlich etwa eine Stunde entlang eines Leitfadens. Es geht dabei nicht nur um „öffentliches Teilen“ von Arbeit. Die Methode wird als Ansatz verstanden, mit den Teilnehmenden Beziehungen aufzubauen, die ihnen beim Erreichen eines Ziels, beim Lernen neuer Fähigkeiten oder bei beruflicher Entwicklung helfen können. In einem geschützten Raum findet gegenseitige Unterstützung, Netzwerkerweiterung und Lernen am Modell statt.
WOL wird auch als Form persönlicher Weiterentwicklung beschrieben, da die Methode Selbstwirksamkeit, Vernetzung und kollaboratives Lernen stärkt. All das sind Faktoren, die auch im Technologietransfer entscheidend sind.

Kennzeichen der Struktur

  1. selbst gewähltes persönliches Ziel
  2. kleine Peer‑Gruppe
  3. feste zeitliche Struktur
  4. gegenseitige Unterstützung in einem geschützten Raum
  5. zielgerichteter Netzwerkaufbau
  6. Teilen von Wissen, Erfahrungen und Beiträgen
  7. Förderung von Selbstwirksamkeit und Reflexion

KOLLEGIALE FALLBERATUNG

Kollegiale Fallberatung schafft einen geschützten und strukturierten Raum, um konkrete Herausforderungen gemeinsam zu reflektieren und neue Lösungswege zu entwickeln.

Kollegiale Fallberatung setzt an einem konkreten beruflichen Anliegen an. Sie ist eine strukturierte, lösungs- und ressourcenorientierte Methode. Eine Person bringt einen Fall, reale berufliche Herausforderungen, Konflikte oder Entscheidungssituationen ein. Die Gruppe hört zu, fragt nach, wechselt Perspektiven und entwickelt gemeinsam neue Handlungsansätze. Die Methode zielt auf die Integration von Erfahrungswissen aus organisationaler Praxis in konkrete Lösungsmöglichkeiten ab. Anhand eines formalisierten Ablauf mit klaren Rollen und Phasen arbeitet die Gruppe selbstgesteuert. Komplexe Transferfragen, für die es keine Standardlösung gibt, werden durch die klare Struktur der Methode bearbeitbar. Methodisch geht es weniger um allgemeines Lernen über längere Zeiträume als um die fokussierte gemeinsame Bearbeitung eines einzelnen Falls.

Kennzeichen der Struktur

  1. Vorstellung des Falls durch die ratsuchende Person
  2. Klärungsfragen der Gruppe
  3. Bearbeitung mit Perspektivwechsel (Reflexion durch die Beratenden)
  4. Entwicklung von Lösungsideen
  5. Rückmeldung der fallgebenden Person

Warum diese Ansätze so gut zum Technologietransfer passen

Technologietransfer wird oft technisch gedacht: als Übertragung von Forschungsergebnissen, Verfahren oder Innovationen in die Praxis. In der Realität ist er jedoch vor allem ein sozialer Übersetzungsprozess. Wissen muss verstanden, eingeordnet, angepasst und in neue Kontexte übertragen werden.

Dafür braucht es Formate, die nicht nur Informationen vermitteln, sondern Menschen über einen längeren Zeitraum miteinander in Austausch bringen. Denn Transfer entsteht selten im Kurzfristigen, sondern entwickelt sich dort, wo Beziehungen wachsen, Vertrauen entsteht und Herausforderungen gemeinsam reflektiert werden. Durch den regelmäßigen Austausch werden Erfahrungen sichtbar, Perspektiven miteinander verknüpft und Wissen Schritt für Schritt weiterentwickelt. So entsteht ein Raum, in dem Ideen die Seiten wechseln und neues Wissen gemeinsam entsteht.

Wie aus zwei Ansätzen ein neues Format zur Transferförderung wurde

Die grundlegenden Prinzipien von Working Out Loud und der Kollegialen Fallberatung haben wir aufgegriffen und zielgerichtet, nutzerzentriert weiterentwickelt. Insbesondere die Verbindung von persönlicher Reflexion, strukturiertem Austausch, gegenseitiger Unterstützung und Perspektivenvielfalt hat uns inspiriert. Auf dieser Grundlage entstand mit TRANSFERleben: Die Dialogreise ein eigenes Transferformat, das diese Elemente für die Anforderungen im Technologietransfer aufgreift und weiterentwickelt.

TRANSFERleben: Die Dialogreise bringt Menschen aus Wirtschaft und Wissenschaft in einen strukturierten, lösungsorientierten Austausch. Im Zentrum der Dialogreise stehen die Menschen mit ihren beruflichen Herzensthemen. In kleinen Gruppen erkunden die Teilnehmenden Herangehensweisen für ihre beruflichen Herausforderungen. Sie teilen Erfahrungen, entdecken neue Sichtweisen und erhalten vor allem Impulse aus ihrer Gruppe. Dabei können unterschiedliche Fragestellungen eingebracht werden, wie:

  • eine Idee, die durch neue Perspektiven weiterentwickelt wird,
  • eine schwierige Projektsituation,
  • Fragen zur Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft,
  • oder persönliche Entwicklungsthemen im beruflichen Kontext.

Nach einem gemeinsamen Kick-off werden kleine Gruppen aus unterschiedlichen Organisationen gebildet. Dabei werden Personen aus Wissenschaft und Wirtschaft gematched. Ab diesem Zeitpunkt werden die Gruppen durch einen erprobten Leitfaden unterstützt, der für Struktur sorgt und Impulse gibt. In fünf bis sechs selbstorganisierten Dialogtreffen werden die einzelnen Thema von der Gruppe bearbeitet.
Die unterschiedlichen Sichtweisen haben bereits in der Vergangenheit viele neue Einsichten und Lösungswege eröffnet, die innerhalb der eigenen Organisation oft verborgen bleiben. Das Transferformat sorgt nicht nur für wertvolle Reflektionen, sondern auch für neue Kontakte und oftmals sogar langfristige Verbindungen.

"Ich habe die Dialogreise als ein wirkungsvolles Format kollegialer Fallberatung erlebt. Das Matching aus Wirtschaft und Hochschulen entspricht genau dem Bedarf an Dialog und Perspektivenvielfalt im Wissens- und Technologietransfer. In der Gruppe hatten wir einen spannenden und vertrauensvollen Austausch zu Themen, die uns umtreiben. Die Methodik hat uns unterstützt, zielgerichtet daran zu arbeiten."

Annette Funke
Referentin für Wissens- und Technologietransfer
Teilnehmerin der ersten Dialogreise

Eine Einladung zur nächsten Dialogreise

Nach den positiven Erfahrungen der vergangenen Durchgänge startet am 21. Oktober die nächste Runde von TRANSFERleben: Die Dialogreise.

Wer offen für neue Perspektiven ist, berufliche Herausforderungen reflektieren möchte und den Austausch auf Augenhöhe schätzt, ist herzlich eingeladen, Teil der nächsten Dialogreise zu werden. Denn manchmal beginnt Innovation nicht mit einer neuen Technologie. Sondern mit einem guten Gespräch.

Quellen:

Oelker, B., Meißner, A. (2023). Social Learning – Innovative Zusammenarbeit im digitalen Zeitalter gestalten mit der Methode Working Out Loud. In: Mrohs, L., Franz,
J., Herrmann, D., Lindner, K., Staake, T. (eds) Digitale Kulturen der Lehre entwickeln. Perspektiven der Hochschuldidaktik. Springer VS, Wiesbaden.

Salowski, C. (2022). Working Out Loud (WOL): Die Methode für sichtbaren Fortschritt. In: FrauenStärken – Mit Working Out Loud die berufliche und gesellschaftliche Position von Frauen fördern. Springer Gabler, Berlin, Heidelberg.

Tietze, KO. Kollegiale Beratung – einfach aus der Ferne, komplex aus der Nähe. Organisationsberat Superv Coach 26, 439–454 (2019).