Studie nennt Hebel für Dekarbonisierung
Eine KEI-Studie zeigt, welche Faktoren die Dekarbonisierung energieintensiver Industrien fördern oder ausbremsen
13.05.2026
Quelle: E & M powernews
Das Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI) hat in einer Studie Erfolgsfaktoren und Hemmnisse der Dekarbonisierung untersucht.
Das Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI) aus Cottbus (Brandenburg), hat am 12. Mai die Begleitstudie „Transformationsfaktoren für eine klimafreundliche Industrie“ veröffentlicht. Die rund 70 Seiten umfassende Analyse untersucht, welche Faktoren die Dekarbonisierung energieintensiver Industrien fördern oder bremsen und wie sich Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit gegenseitig beeinflussen.
Grundlage der Untersuchung sind laut KEI 30 qualitative Interviews mit Unternehmen aus der Grundstoffindustrie, die an Projekten des inzwischen ausgelaufenen Bundesförderprogramms „Dekarbonisierung in der Industrie“ (DDI) beteiligt waren. Befragt wurden zwischen 2024 und 2025 Vertreterinnen und Vertreter aus Leitungspositionen verschiedener Branchen der energieintensiven Industrie.
Politischer Rahmen muss stimmen
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit nicht zwangsläufig im Widerspruch stehen. Entscheidend seien stabile Standortbedingungen, damit Investitionen in klimafreundliche Produktionsverfahren wirtschaftlich tragfähig würden. Das KEI identifiziert dafür technische, wirtschaftliche, infrastrukturelle, regulatorische und gesellschaftliche Einflussfaktoren.
Jakob Flechtner, Leiter des KEI, erklärte zur Veröffentlichung der Studie in einem Webinar, die Transformation zur klimaneutralen Industrie sei „weit mehr als eine technologische Herausforderung“. Unternehmen investierten nur dort, wo Energieversorgung, Infrastruktur, Nachfrage nach klimafreundlichen Produkten, gesellschaftliche Akzeptanz und regulatorische Rahmenbedingungen zusammenpassten.
Konkrete Handlungsempfehlungen
Für die Politik formuliert die Studie mehrere Handlungsempfehlungen. Dazu zählen laut KEI wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere und einheitlichere Genehmigungsverfahren sowie der koordinierte Ausbau von Energie- und Wasserstoffinfrastruktur. Zudem empfiehlt die Analyse, Leitmärkte für klimafreundliche Produkte zu schaffen und Unternehmen während der Transformationsphase bei Betriebskosten zu entlasten.
Für die Industrie selbst sieht die Untersuchung vor allem Kooperationen und Wissensaustausch als wichtige Erfolgsfaktoren. Regionale Zusammenarbeit, gemeinsame Infrastrukturprojekte und innovative Beteiligungsmodelle könnten Investitionen erleichtern und Risiken verteilen. Zudem nennt die Studie die Qualifizierung der Beschäftigten und eine offene Kommunikation über neue Technologien als Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung.
Industrie ist auf dem Weg
Die Interviews zeigen laut KEI, dass viele Unternehmen bereits konkrete Dekarbonisierungsstrategien verfolgen. Rund 73 Prozent der befragten Unternehmen hätten klare Ziele und Zeitpläne für die Transformation formuliert. Einige strebten eine klimaneutrale Produktion bereits bis 2030 an. Als zentrale Maßnahmen nannten die Unternehmen die Elektrifizierung von Anlagen, den Wechsel auf klimafreundliche Energieträger, Prozessumstellungen, Energieeffizienzmaßnahmen sowie Ansätze der Kreislaufwirtschaft.
Nach Angaben des KEI steht für viele Unternehmen nicht mehr die Frage im Vordergrund, ob sie sich transformieren, sondern wie. Die Wirtschaftlichkeit beeinflusse vor allem die Geschwindigkeit und Priorisierung einzelner Maßnahmen. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen falle die Wirtschaftlichkeitsrechnung vieler Dekarbonisierungsprojekte zwar negativ aus. Dennoch würden zahlreiche Unternehmen die Transformation als notwendig ansehen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Förderprogramme bleiben nach Einschätzung der befragten Unternehmen ein wichtiger Faktor. Kurz- und mittelfristig dienten staatliche Förderungen dazu, wirtschaftliche Risiken zu begrenzen und Mehrkosten abzufedern, bis Märkte höhere Preise für klimafreundliche Produkte akzeptierten. Langfristig müssten sich Dekarbonisierungsmaßnahmen jedoch wirtschaftlich selbst tragen.
Die KEI-Studie zu Transformationsfaktoren steht als PDF zum Download bereit.
Autorin: Susanne Harmsen