Studie benennt Hürden für Wasserstoffmarkt

Eine DIHK-Studie zeigt, warum der Wasserstoffhochlauf stockt und welche politischen Maßnahmen Angebot, Nachfrage und Infrastruktur schneller zusammenbringen könnten

09.07.2026

Quelle: E & M powernews

Eine Studie der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) macht Vorschläge, wie der Wasserstoffhochlauf in Deutschland Tempo gewinnen könnte. 

Die Marktentwicklung von Wasserstoff bleibt nach Einschätzung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hinter den politischen Erwartungen zurück. Eine im Auftrag der DIHK vom Beratungsunternehmen R2B Energy Consulting GmbH erstellte Studie identifiziert als Ursachen ein Zusammenspiel aus hohen Kosten, regulatorischen Unsicherheiten, fehlender Infrastruktur, unklarer Nachfrage und mangelnder Investitionssicherheit. Die Untersuchung mit dem Titel „Meilensteine für einen erfolgreichen Wasserstoffhochlauf bis 2040“ wurde am 8. Juli in Berlin vorgestellt. 

Nach Angaben der DIHK reichen einzelne Maßnahmen nicht aus, um den Markt in Gang zu bringen. Stattdessen müssten Angebot, Nachfrage, Infrastruktur und Regulierung besser aufeinander abgestimmt werden. Grundlage der Studie sind neben Analysen der gesamten Wertschöpfungskette auch Interviews mit Unternehmen aus verschiedenen Marktsegmenten.

Schwer kalkulierbare Kosten sind zentrales Hemmnis

Sebastian Bolay, Bereichsleiter Energie, Umwelt und Industrie bei der DIHK, erklärte, Wasserstoff bleibe für die klimaneutrale Transformation von Industrie und Energiesystem unverzichtbar. „Viele Unternehmen sind grundsätzlich investitionsbereit, benötigten dafür jedoch verlässliche Rahmenbedingungen“, sagte er. Deutschland und die Europäische Union stünden mit der Überarbeitung der Nationalen Wasserstoffstrategie sowie der europäischen Vorgaben für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (RFNBO) vor wichtigen Entscheidungen. Diese böten laut Bolay die Möglichkeit, die Regulierung stärker an den Bedürfnissen der Unternehmen auszurichten.

Als zentrales Hemmnis nennt die Studie vor allem die derzeit schwer kalkulierbaren Kosten. Hohe Strompreise sowie regulatorische Unsicherheiten, etwa bei Netzentgelten für Elektrolyseure, erschwerten Investitionen. Gleichzeitig fehle außerhalb des geplanten Wasserstoff-Kernnetzes vielfach die notwendige Infrastruktur. Dadurch bleibe auch die Absatzperspektive für Produzenten unsicher.

Nach Angaben von Lukas Strickling, Manager Quantitative Analyse bei R2B und Mitautor der Studie, verlangen potenzielle Abnehmer vor allem verlässliche Preise und eine sichere Versorgung. Da langfristige Lieferverträge bislang häufig nicht finanzierbar seien, warteten Anbieter und Nachfrager gleichermaßen ab.

Wasserstoff sollte aus Sicht der Autoren zunächst vor allem in Industriebereichen eingesetzt werden, die sich nicht oder nur schwer elektrifizieren lassen, etwa in der Chemie- sowie der Stahl- und Grundstoffindustrie. Langfristig könne Wasserstoff außerdem als Energiespeicher für Zeiten geringer Wind- und Solarstromerzeugung dienen.

Kurzfristig empfiehlt die Studie, die bereits angestoßene Projekt- und Marktdynamik bis 2030 zu sichern. Dazu zählen aus Sicht der Autoren pragmatischere RFNBO-Regeln, ein verlässlicher Rahmen für Netzentgelte, eine praktikable Book-and-Claim-Lösung für Herkunftsnachweise sowie die frühzeitige Absicherung von Wasserstoffspeichern als strategische Infrastruktur.

Bis 2035 müsse der Übergang zu einem wachsenden Markt gelingen. Dafür seien ein beschleunigter Ausbau regionaler Wasserstoff-Verteilnetze, eine bessere Risikoabsicherung und mehr Investitionssicherheit erforderlich. Bis 2040 schlagen die Autoren ein langfristiges Zielbild für die Rolle von Wasserstoff im Energiesystem vor. Eine transparente Roadmap und ein unabhängiges Monitoring sollten festlegen, in welchen Anwendungen Wasserstoff vorrangig eingesetzt wird und wie sich der Markt schrittweise ohne dauerhafte Förderung entwickeln kann.

Pragmatische Lösungen gefordert

Strickling sprach sich zudem für einen pragmatischeren Umgang mit den Vorgaben für grünen Wasserstoff aus. Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien sollten seiner Ansicht nach nicht ausschließlich an einzelne Elektrolyseure gebunden werden. Stattdessen könnten Herkunftsnachweise sicherstellen, dass der eingesetzte Strom aus erneuerbaren Quellen stammt. Auch regionale oder zeitliche Differenzierungen seien denkbar, um Elektrolyseure stärker in Phasen hoher Wind- und Solarstromerzeugung zu betreiben.

Vor einem Scheitern des Markthochlaufs warnte Strickling ausdrücklich. „Bleibt Wasserstoff dauerhaft eine Nischenanwendung, droht entweder das Verfehlen der Klimaschutzziele oder Wettbewerbsnachteile für die Industrie mit entsprechenden Folgen für Wirtschaftskraft und Versorgungssicherheit“, sagte er. (sh)

Die DIHK Studie zum H2-Hochlauf steht als PDF zum Download bereit.

Autorin: Susanne Harmsen