Studie analysiert Relevanz von Förderinstrumenten

ZEW-Forschende sehen Investitionshilfen vor allem bei marktreifen grünen Technologien als wirksam, während neue CO₂-arme Verfahren stärker von Forschungsförderung profitieren.

10.08.2026

Quelle: E & M powernews

Eine ZEW-Studie zeigt, dass Investitionshilfen vor allem bei marktreifen grünen Technologien relevant sind. Bei neuen CO2-armen Verfahren geht es vor allem um Forschungszuschüsse.
 
Staatliche Förderung ist bei Umweltinnovationen je nach Vorhaben unterschiedlich relevant. Entscheidend ist nach einer Studie des ZEW Mannheim und der Hochschule Augsburg, ob Unternehmen vorhandene grüne Technologien einführen oder neue Lösungen erst entwickeln müssen.

Deshalb spielen allgemeine Investitionshilfen von Ländern und Bund vor allem für die Verbreitung verfügbarer Technologien eine wichtige Rolle. Neue Verfahren zur Dekarbonisierung, beispielsweise der Produktion, sind zunächst einmal auf Zuschüsse für Forschung und Entwicklung angewiesen.

Die Studie unterscheidet sieben Arten von Umweltprozessinnovationen und vier produktbezogene Umweltinnovationen. Für 2024 weist die Untersuchung aus, dass 26,8 Prozent der Unternehmen mindestens eine Umweltinnovation mit bedeutender Umweltwirkung eingeführt hatten.

Besonders häufig waren produktbezogene Verbesserungen bei Energieverbrauch oder CO2-Fußabdruck mit 12,5 Prozent und Prozessinnovationen zur Senkung des Energieeinsatzes mit 10,5 Prozent. 10,3 Prozent der Unternehmen ersetzten fossile Energieträger durch erneuerbare Quellen. Im Jahr 2020 waren es 6,5 Prozent.

Dieser Wechsel zu erneuerbaren Energien gilt als typischer Fall einer diffusionsorientierten Innovation. Technologien wie Solarzellen oder Windturbinen seien grundsätzlich verfügbar, müssten aber in Anlagen und Produktionsprozesse integriert werden. Solche Vorhaben erforderten häufig hohe materielle Investitionen.

Allgemeine Förderinstrumente könnten deshalb Finanzierungsengpässe abfedern. In den Modellen stehen allgemeine regionale Hilfen besonders mit Energieeffizienz und dem Ersatz fossiler Energien durch erneuerbare in Zusammenhang. Auch allgemeine Bundesförderung ist mit Energieeffizienz, CO2-Minderung und erneuerbaren Energien verknüpft.

Reputation ist ein relevanter Treiber

Bei der Entwicklung neuer Produktionsverfahren ergibt sich ein anderes Bild. Forschungszuschüsse seien vor allem dort relevant, wo Unternehmen eigene technologische Lösungen entwickeln und höhere technische Risiken tragen müssten. Einen besonders starken Zusammenhang findet die Studie zwischen Forschungsförderung des Bundes und Prozessinnovationen zur Senkung der CO2-Emissionen. Für den Ersatz fossiler Energieträger durch erneuerbare Quellen seien Zuschüsse für Forschung und Entwicklung (FUE) weniger bedeutsam, weil es sich überwiegend um die Einführung vorhandener Technik handle.

2024 nutzten 41,5 Prozent der umweltinnovativen Unternehmen mindestens eine öffentliche Förderung. FUE-Mittel des Bundes kamen mit 20,2 Prozent am häufigsten zum Einsatz. Allgemeine Bundesförderung erreichte 17,8 Prozent, allgemeine Länderförderung 12,7 Prozent. EU-Mittel spielten mit 4,1 Prozent für allgemeine Förderung und 3,5 Prozent für FUE-Zuschüsse eine deutlich kleinere Rolle. Für einzelne Umweltfelder finden die Autoren bei EU-Mitteln keine signifikante Präferenz.

Auch bei den Treibern zeigt sich eine Besonderheit des Umstiegs auf erneuerbare Energien. Öffentliche Förderung steht hier positiv mit Innovationen mit bedeutender Umweltwirkung in Zusammenhang. Reputationsinteressen und öffentlicher Druck sowie hohe Energie- und Rohstoffkosten sind weitere relevante Treiber. Für Regulierung, Umweltsteuern oder erwartete Vorschriften ergibt sich dagegen kein signifikanter Zusammenhang.

Grundlage sind drei Wellen des Mannheimer Innovationspanels für die Referenzjahre 2020, 2022 und 2024. Dabei haben die Autoren sechs Förderformen auf Länder-, Bundes- und EU-Ebene untersucht. Mit Hilfe sogenannter Panel-Probit-Modelle betrachten sie die statistischen Zusammenhänge zwischen der jeweiligen Fördervariante und der jeweiligen Umweltinnovation. Deshalb betonen die Verfasser, die Studie untersuche statistische Zusammenhänge, nicht die kausale Wirksamkeit einzelner Förderprogramme.

Die Studie mit dem Titel “Which Government Subsidies are Relevant for Eco-Innovation? Empirical Evidence from Firm Level Panel Data” steht auf der Internetseite des ZEW in englischer Sprache zum Download zur Verfügung.

Autor: Fritz Wilhelm