Strukturelle Hürden behindern Energiesparen

PwC-Studie zeigt: Fehlende Anreize und interne Strukturen bremsen Energieeffizienz in Unternehmen

06.02.2026

Quelle: E & M powernews

Eine PWC-Studie im Auftrag der Deneff zeigt, dass Unternehmen Energieeffizienzpotenziale nicht erschließen. Demnach bremsen sie fehlende Anreize, Unsicherheit und interne Strukturen.

 

Energie effizient zu nutzen, gilt in vielen Industrieunternehmen als wirtschaftlich sinnvoll. Dennoch bleiben große Einsparpotenziale ungenutzt. Laut einer Kurzstudie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PWC) im Auftrag der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff), liegen die Ursachen dafür weniger in der Technik als in unternehmensinternen und politischen Rahmenbedingungen.

Die Analyse zeige, dass selbst wirtschaftlich rentable Effizienzmaßnahmen häufig an kurzfristigen Investitionskriterien scheitern. Unklare Zuständigkeiten in den Unternehmen und fehlende Planungssicherheit erschweren zusätzlich Entscheidungen. Hinzu kommt laut PWC ein ungünstiges Strom-Gas-Preisgefüge, das insbesondere die Elektrifizierung von Prozesswärme behindert. Unsicherheiten über die künftige Energiepreisentwicklung sowie regulatorische Vorgaben erhöhen aus Sicht vieler Unternehmen das Investitionsrisiko.

Ein weiteres Hemmnis sieht die Studie in organisatorischen Strukturen. Oft entscheiden andere Stellen über Investitionen, als die, die später von geringeren Energiekosten profitieren. Dadurch fehlten Anreize, Maßnahmen umzusetzen, auch wenn sie sich betriebswirtschaftlich rechnen. Deneff-Vorstand Christian Noll spricht von einem systematischen Problem. „Energie effizienter zu nutzen, ist wirtschaftlich sinnvoll, wird aber durch bestehende Entscheidungslogiken gebremst“, so Noll.

Fünf Handlungsfelder benannt

PWC identifiziert fünf Handlungsfelder, in denen besonders viele wirtschaftliche Potenziale ungenutzt bleiben. Dazu zählt der Einsatz industrieller Wärmepumpen, die Abwärme auf ein für Produktionsprozesse geeignetes Temperaturniveau anheben können. In der Praxis verhindern laut der Studie jedoch hohe Stromkosten und fehlende Netzanschlüsse eine breite Anwendung.

Auch Hochtemperatur-Wärmespeicher könnten Unternehmen helfen, Prozesswärme flexibler bereitzustellen. Sie ermöglichen es, Energie bei günstigen Preisen aufzunehmen und zeitversetzt zu nutzen. Regulatorische Hürden und bestehende Preisstrukturen mindern jedoch ihre Wirtschaftlichkeit, wie PWC feststellt.

Ein weiteres Feld ist die systematische Nutzung von Abwärme. In vielen Betrieben gehe Wärme verloren, weil innerbetriebliche Netze fehlen oder nur Einzelmaßnahmen gefördert werden. Laut der Studie könnten integrierte Wärmenetze erhebliche Einsparungen ermöglichen, würden bislang aber kaum umgesetzt.

Schnelle Maßnahmen möglich

Als vergleichsweise einfach und schnell wirksam beschreibt PWC Maßnahmen im Energiemanagement und beim Nutzerverhalten. Monitoring, intelligente Steuerung und geschulte Beschäftigte könnten den Energieverbrauch deutlich senken. Dennoch fehlten im Betriebsalltag oft klare Zuständigkeiten und Aufmerksamkeit. Die im Energieeffizienzgesetz vorgesehenen Energiemanagementsysteme bildeten dafür die Grundlage, würden aber nicht überall konsequent genutzt.

Schließlich verweist die Studie auf die Bedeutung technischer Isolierung. Maßnahmen wie die Dämmung von Rohrleitungen gelten als ausgereift und kostengünstig, würden intern jedoch häufig als nachrangig behandelt. Dadurch blieben vermeidbare Wärmeverluste bestehen.

Besonders deutlich zeige sich das Umsetzungsdefizit laut PWC bei einfachen Maßnahmen mit kurzen Amortisationszeiten. Dazu zählen die Abwärmerückführung oder ein konsequentes Energiemanagement. Obwohl sie geringe Investitionen erfordern, setzten viele Unternehmen sie nicht um.

Effizienz in den Vordergrund rücken

Die Autoren der Studie betonen daher das Prinzip „Energy Efficiency First“. Unternehmen sollten ihren Energiebedarf senken, bevor sie neue Erzeugungs- oder Versorgungslösungen aufbauen. Jede eingesparte kWh reduziere Kosten und Risiken und erleichtere den Umbau industrieller Prozesse. Voraussetzung seien verlässliche politische Rahmenbedingungen und transparente Energiemanagementsysteme.

Die Deneff warnt dabei vor einer Abschwächung des Energieeffizienzgesetzes. Ein Ende des vergangenen Jahres bekannt gewordener Entwurf habe bereits für Verunsicherung gesorgt und Investitionen gebremst, so Noll. „Wer etablierte Standards und Anforderungen verwässert, verzögert Investitionen – und schwächt den Standort“, mahnt er.

Die PWC-Studie zu Energiesparhindernissen steht als PDF zum Download bereit.

Autorin: Susanne Harmsen