Stadtwerke München testen Einbrunnen-System

20.07.2026

Quelle: E & M Powernews

In München-Pasing entsteht eine Pilotanlage für ein Einbrunnen-System, das Grundwasserwärmepumpen auf kleinen Grundstücken ermöglichen und Investitionskosten senken soll.

In München-Pasing errichten die Technische Universität München (TU München), die Stadtwerke München (SWM), die Landeshauptstadt München und das Unternehmen Baugrund Süd eine Pilotanlage für ein Einbrunnen-System für Grundwasserwärmepumpen. Die Anlage soll zeigen, ob sich das System als Alternative zu herkömmlichen Lösungen mit zwei Brunnen eignet.

Als Standort dient das Haus für Kinder in der Oselstraße, das täglich rund hundert Kinder betreut. Dort wurden bereits Grundwassermessstellen errichtet und Pumpversuche durchgeführt. Derzeit entstehen zwei unterschiedlich aufgebaute Einbrunnen-Systeme, die im Rahmen des Pilotprojekts miteinander verglichen werden.

Hintergrund des Projekts ist der begrenzte Platz auf vielen Grundstücken. Nach Angaben der Projektpartner ist rund ein Drittel der städtischen und privaten Grundstücke in München zu klein, um die für Grundwasserwärmepumpen üblichen zwei Brunnen mit dem erforderlichen Abstand zu errichten. Das neue System benötigt dagegen nur einen Brunnenstandort.

Bei konventionellen Grundwasserwärmepumpen wird das Wasser über einen Brunnen entnommen und über einen zweiten wieder in den Untergrund eingeleitet. Das Einbrunnen-System kombiniert beide Funktionen in einer Bohrung. Eine innenliegende Abdichtung soll verhindern, dass das abgekühlte Wasser unmittelbar wieder in die Entnahme gelangt.

Deutlich geringere Kosten

Kai Zosseder vom Lehrstuhl für Hydrogeologie der TU München erklärt: „Die Besonderheit unseres Systems liegt darin, dass Entnahme und Wiedereinleitung des Grundwassers über einen einzigen Brunnen erfolgen. Eine innenliegende Abdichtung verhindert, dass gekühltes Wasser im Brunnen direkt wieder in die Entnahmezone zurückströmt.“ Die relativ hohe natürliche Fließgeschwindigkeit im Grundwasser verhindere, dass das auch nicht großräumiger im Grundwasserleiter passiere, so der Wissenschaftler.

Das Einbrunnen-System ist nach Angaben der Projektpartner insgesamt rund ein Drittel günstiger als ein System mit zwei Brunnen.

Die SWM sehen das Projekt als Ergänzung ihrer Wärmewendestrategie. „Mit dem Einbrunnen-System eröffnen wir die Chance, Grundwasserwärmepumpen für einen deutlich größeren Kreis umsetzbar und finanzierbar zu machen – und damit die Wärmewende als Ganzes spürbar zu beschleunigen“, wird Karin Thelen, Geschäftsführerin „Regionale Energiewende“ der SWM, in einer gemeinsamen Mitteilung zitiert.

Zwei Varianten im Vergleich

Im Pilotprojekt werden zwei technische Varianten untersucht. Eine Ausführung nutzt zwei parallel angeordnete Rohre innerhalb der Bohrung für Wasserentnahme und -einleitung. Die zweite Variante setzt auf ein Rohr-in-Rohr-System, das mit kleineren Bohrdurchmessern auskommt.

„Die Bohrungen sind innerhalb etwa einer Woche abgeschlossen“, erläutert Manuel Gossler, Projektleiter bei den SWM. Im Rahmen des Pilotprojekts werde ermittelt, welche Bauweise besser geeignet und in der Praxis einfacher umzusetzen ist.

Die Erprobung wird wissenschaftlich begleitet. Geplant sind unter anderem Temperatur- und Wasserstandsmessungen sowie Tracertests zur Untersuchung der Strömungsverhältnisse im Grundwasser. Die Tracertests sollen im Laufe des Jahres 2026 erfolgen. Die Inbetriebnahme des Gesamtsystems ist nach Abschluss der Umstellung des Heizungssystems im Jahr 2027 vorgesehen. Anschließend soll die Anlage bis 2029 wissenschaftlich untersucht werden.

Autor: Manfred Fischer