Siemens Energy will vom Energiehunger der USA profitieren

Milliardeninvestition und 1.500 neue Jobs sollen Fertigung und Netzinfrastruktur in den USA stärken

04.02.2026

Quelle: E & M powernews

Siemens Energy will in den nächsten Jahren eine Milliarde US-Dollar in den Ausbau seiner Fertigungskapazitäten in den USA investieren. 1.500 Mitarbeitende sollen neu eingestellt werden.

Siemens Energy investiert eine Milliarde Euro in den USA. Hintergrund der Investitionsoffensive von Siemens Energy ist der Umstand, dass die USA aktuell einen beispiellosen Anstieg des Strombedarfs verzeichnen.

Der schnelle Ausbau von Rechenzentren und KI-Infrastruktur sowie die zunehmende Elektrifizierung der Industrie lassen den Verbrauch stark ansteigen. Um diesen Bedarf zu decken, muss das Land zum einen seine Netzinfrastruktur modernisieren und ausbauen sowie gleichzeitig zusätzliche Erzeugungskapazitäten schaffen. In beiden Bereichen mischt der deutsche Hersteller von Energie- und Kraftwerkstechnik auch weltweit vorne mit. 

Die jetzt angekündigten Maßnahmen umfassen vor allem die Erweiterung bestehender Fabriken. Dabei handelt es sich um zusätzliche Kapazitäten für Produktion und Wartung von Transformatoren sowie die lokale Fertigung einiger großer Gasturbinen. Die Hauptproduktion in diesem Bereich soll aber in Berlin bleiben. Darüber hinaus ist im Bundesstaat Mississippi ein neues Werk geplant, das zentrale Komponenten für das Stromnetz herstellt. 

1.500 neue Arbeitsplätze geplant

„Alle Investitionen sind auf einen effizienten und marktgerechten Kapazitätsausbau ausgerichtet, um langfristig Überkapazitäten zu vermeiden“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Danach plant Siemens Energy, in den kommenden Jahren rund 1.500 neue Mitarbeitende an seinen US-Standorten einzustellen – vor allem in den Bereichen Produktion, Betrieb und Engineering. Schwerpunkt seien dabei Aus- und Weiterbildungsprogramme nach deutschem Vorbild. 

„Siemens Energy produziert seit mehr als einem Jahrhundert in den Vereinigten Staaten – und wir erleben derzeit ein außergewöhnliches Wachstum, wie es nur selten vorkommt. Der Aufschwung der US-Industrie und das rasante Wachstum im Bereich Künstlicher Intelligenz treiben diese Entwicklung maßgeblich voran“, kommentierte Christian Bruch, Vorstandsvorsitzender von Siemens Energy, die Investitionsentscheidung.

„Die US-Regierung setzt klare Prioritäten bei Energiesicherheit, einem zuverlässigen und widerstandsfähigen Stromnetz sowie beim Ausbau industrieller Arbeitsplätze. Dadurch steigt der Energiebedarf deutlich und es entstehen neue Investitionen im gesamten Energiesektor. Von dieser Dynamik wollen wir profitieren – denn letztlich kommen die daraus resultierenden Aufträge und Investitionen auch unseren deutschen Werken zugute.“ 

Seit mehr als 100 Jahren in den USA aktiv 

Die USA zählen zu den wichtigsten Märkten von Siemens Energy. Im vergangenen Geschäftsjahr erhielt Siemens Energy nach eigenen Angaben 29 Prozent seiner Aufträge aus den USA. Das Unternehmen ist bereits seit 1887 in den Vereinigten Staaten aktiv: Damals wurde ein erster Produktionsstandort in Pittsburgh eröffnet. Heute beschäftigt Siemens Energy mehr als 12.000 Mitarbeitende an 25 Standorten in den USA, darunter acht Fertigungsstätten. Rund ein Viertel der US-Stromerzeugung, so das Unternehmen, basiere auf Technik von Siemens Energy.

Die einzelnen Investitionen:

  • In Mississippi errichtet Siemens Energy ein neues Werk für Hochspannungsschaltanlagen. Bis zu 300 neue Mitarbeitende sollen dort eingestellt werden. Im Werk wird zudem ein modernes Trainingszentrum zur gezielten Qualifizierung von Fachkräften aufgebaut. 
  • In North Carolina erweitert Siemens Energy drei Standorte. In Charlotte werden die Fertigungs- und Servicekapazitäten für Großtransformatoren ausgebaut und die Produktion großer Gasturbinen in kleinerem Umfang wieder aufgenommen.
  • In Winston-Salem wird die Fertigung von Gasturbinenkomponenten erweitert, während in Raleigh der Ausbau von Projektabwicklung, Konstruktion, Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung im Bereich Netztechnologien im Mittelpunkt stehen. 
  • In Florida wird das Werk in Tampa für die Herstellung von Gasturbinen-Schaufeln und Leitschaufeln ausgebaut – zentralen Komponenten in der Lieferkette, mit der zum Beispiel auch das Berliner Werk beliefert wird. Am Standort Orlando erweitert Siemens Energy seine Forschungs- und Entwicklungskapazitäten im Innovationszentrum des Unternehmens, darunter ein neues Labor für digitale Netztechnologien mit künstlicher Intelligenz. 
  • Am Standort Fort Payne in Alabama erweitert Siemens Energy die Produktion von Kupfer- und Isolationskomponenten für Generatoren. 
  • In Painted Post (New York) und Houston (Texas) modernisiert Siemens Energy seine Standorte für die Fertigung und Wartung von Verdichteranlagen, die in Pipelinesystemen zum Einsatz kommen.


Autor: Günter Drewnitzky