Schwarz Gruppe plant riesiges Rechenzentrum bei Rostock
In Mecklenburg-Vorpommern entsteht ein Rechenzentrum für Cloud- und KI-Anwendungen, das mit erneuerbaren Energien betrieben und perspektivisch in die regionale Wärmeversorgung eingebunden werden soll.
28.08.2026
Quelle: E & M powernews
Mecklenburg-Vorpommern und die Schwarz Gruppe planen in Dummerstorf bei Rostock ein Rechenzentrum mit 240 MW. Bis 2033 sollen dafür 5,6 Milliarden Euro fließen.
Die Unternehmen der Schwarz Gruppe und die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern haben eine Partnerschaft für den Ausbau digitaler Infrastruktur vereinbart. Im Mittelpunkt stehen ein geplantes Rechenzentrum in Dummerstorf bei Rostock und die gemeinsame Entwicklung digitaler Lösungen für die öffentliche Verwaltung. Das teilten Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) und Gerd Chrzanowski, Komplementär der Schwarz Gruppe, am 27.August 2026 in Schwerin mit.
Für das Rechenzentrum veranschlagen die Unternehmen der Schwarz Gruppe Investitionen von rund 5,6 Milliarden Euro bis 2033. Die Anlage soll zunächst eine Kapazität von 240 MW erreichen. Langfristig sehen die Partner die Möglichkeit, die Anschlussleistung bis 2045 auf 1.000 MW auszubauen. Voraussetzung für die Umsetzung sind die üblichen Genehmigungen. Das Projekt befindet sich nach Angaben der Beteiligten noch in einem frühen Stadium.
Die Kapazität soll sowohl für das eigene Ökosystem der Schwarz Gruppe als auch für die Entwicklung und Skalierung von Cloud- und Lösungen auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI) zur Verfügung stehen. Schwarz will sich als europäische Alternative zu Anbietern wie Amazon Web Services (AWS) und Microsoftaufstellen.
Gebündelt werden die entsprechenden Aktivitäten bei Schwarz Digits, der IT- und Digitalsparte der Schwarz Gruppe. Ziel der Partnerschaft ist laut den Beteiligten, digitale Anwendungen und Infrastruktur nach deutschem Recht bereitzustellen und damit die digitale Souveränität in Deutschland und Europa zu stärken.
Anschluss an Höchstspannungsnetz geplant
Als Standort ist ein Grundstück im Gewerbegebiet der Gemeinde Dummerstorf vorgesehen. Nach Angaben der Projektpartner bietet die Region gute Voraussetzungen für die Versorgung des Rechenzentrums mit erneuerbarem Strom. In Norddeutschland stehen unter anderem Strommengen aus Onshore- und Offshore-Windenergie zur Verfügung.
Am geplanten Standort besteht zudem die Möglichkeit, das Rechenzentrum an das 380-kV-Höchstspannungsnetz anzuschließen. Nach Angaben der Unternehmen ermöglicht die hohe Spannungsebene den effizienten Transport großer Strommengen und kann die Netzentgelte gegenüber niedrigeren Spannungsebenen reduzieren.
Auch bei der Kühlung setzen die Planungen auf die Standortbedingungen. Das Klima in Mecklenburg-Vorpommern soll eine effiziente freie Kühlung mit Umgebungsluft ermöglichen. Im regulären Betrieb soll das Rechenzentrum ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien nutzen.
Abwärmenutzung einbezogen
Zudem planen die Partner eine Nutzung der entstehenden Abwärme. Nach Angaben der Projektbeteiligten liegt bereits eine Absichtserklärung mit den Stadtwerken Rostock zur Abnahme der Wärme vor. Die Stadtwerke Rostock wollen die Abwärme für die regionale Fernwärmeversorgung nutzen.
Die konkreten technischen Anforderungen stehen noch nicht vollständig fest. Dazu zählt unter anderem die genaue Zusammensetzung der für Cloud- und KI-Anwendungen benötigten Chips. Das geplante Investitionsvolumen von rund 5,6 Milliarden Euro bezieht sich auf die zunächst vorgesehene Kapazität von 240 MW.
Gerd Chrzanowski, Komplementär der Schwarz Gruppe, erklärte, digitale Souveränität entstehe durch Infrastruktur und praxistaugliche Anwendungen. Die Schwarz Gruppe wolle dabei unternehmerische Verantwortung übernehmen und in die digitale Infrastruktur Deutschlands investieren.
Zusammenarbeit mit der Politik
Ministerpräsidentin Schwesig sieht in dem Vorhaben nach eigenen Angaben einen Beitrag zu einer größeren Unabhängigkeit von ausländischen Rechenzentrums-, Cloud- und KI-Anbietern. „Mecklenburg-Vorpommern kann zugleich wirtschaftlich und infrastrukturell von der Investition profitieren“, sagte sie vor Journalisten. Mecklenburg-Vorpommern deckt aktuell bereits mehr als die Hälfte seines Stromverbrauchs aus Windenergie. Rein rechnerisch produziert das Land sogar deutlich mehr Windenergie als es selbst an Strom verbraucht.
Die Partner wollen die entwickelten Lösungen auch über Mecklenburg-Vorpommern hinaus nutzbar machen. Die Vorhaben sollen nach ihren Angaben als übertragbare Modelle für die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Deutschland dienen.
Neben dem Rechenzentrum umfasst die Partnerschaft die Digitalisierung der Landesverwaltung.
Noch 2026 wollen die Landesregierung und Schwarz Digits nach eigenen Angaben erste Anwendungen umsetzen. Dazu gehört eine digitale Baugenehmigung auf der souveränen Cloud-Plattform Stackit. Außerdem soll die Software OpenDesk eingeführt werden, zunächst mit vollständig verwalteten und abgesicherten Arbeitsplätzen für Lehrkräfte.
Autorin: Susanne Harmsen