Reiche präsentiert Umbau der Energiewende

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche setzt auf mehr Systemverantwortung, weniger Förderabhängigkeit und einen gezielteren Ausbau der erneuerbaren Energien.

30.07.2026

Quelle: E & M powernews

Das Kabinett hat die EEG-Novelle beschlossen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche spricht von einem Paradigmenwechsel – und hat bereits das parlamentarische Verfahren im Blick.

Das Bundeswirtschaftsministerium sieht das „nächste Kapitel der Energiewende“ aufgeschlagen. Ein Kapitel, an dessen Anfang zwei Gesetzentwürfe stehen, auf die die Branche lange warten musste. Bei ihrem Amtsantritt im Mai vergangenen Jahres betonte Katherina Reiche (CDU), dass es gelte, die Systemkosten bei der Energiewende in den Griff zu bekommen. Jetzt hat die Bundeswirtschaftsministerin die vom Kabinett beschlossenen Entwürfe für das neue Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und das Netzanschlusspaket (siehe separaten Bericht) vorgestellt. Entwürfe, die einen Schnitt bedeuten.

„Wir nehmen damit einen Paradigmenwechsel vor“, sagte Reiche über die EEG-Novelle. „Wir beenden, dass Anlagen gefördert werden, die so hohe Renditen erzielen, dass sie ohnehin installiert würden. Wir beenden das EEG als Rundum-Sorglos-Paket“, erklärte die Ministerin am 29. Juli vor der Presse. Reiche nahm bei der Gelegenheit auch alle schwarz-roten Kollegen im Parlament in die Pflicht. „Im parlamentarischen Verfahren wird es sicher darauf ankommen, die Kosten nicht aus dem Blick zu verlieren und das politische Wünschenswerte mit dem Kern der Novelle zu verbinden, nämlich den Ausbau der erneuerbaren Energien kosten- und systemeffizient auszugestalten.“

Reiche wies auf mehrere aus ihrer Sicht zentrale Punkte der Novelle hin. So etwa im Hinblick auf den Ausbau der Windkraft. „Mit der Einigung vom 25. März zum Klimaschutzprogramm haben wir vereinbart, noch einmal zusätzlich 12 Gigawatt Windleistung auszubauen.“ Die Windkraft müsse mit einer wirksamen regionalen Steuerung verbunden werden und sich netz- und systemdienlich verhalten.

Deckel für Flächenpachten

Ein Referenzertragsmodell für Ausschreibungen soll dafür sorgen, dass der Windkraftausbau im Süden der Republik besser voranschreitet. Neue Projekte will die Regierung dort hinlenken, „wo in Windvorranggebieten Platz im Netz ist und wo bestehende Netzengpässe in Starkwindphasen nicht zusätzlich belastet werden“, erläuterte die Ministerin. 
Zudem werde zur weiteren Steigerung der Kosteneffizienz, so Reiche weiter, die zulässige Höhe von Flächenpachten begrenzt. „Geförderte ausschreibungspflichtige Windanlagen, die sich jetzt um Fläche bewerben, müssen in Zukunft mit einem Deckel rechnen von 3,5 Prozent der Ertragsmenge, das sind ungefähr 35.000 Euro pro Windstandort.“

Offshore-Projektierern eröffne das neue EEG die Möglichkeit, Offshore-Kooperationen mit Staaten der Europäischen Freihandelsassoziation einzugehen, erläuterte Reiche. 

Flexibilitätsbonus für Bioenergie

Was die neuen Regelungen zur Bioenergie betrifft, sprach Reiche von einem „tragfähigen Kompromiss“. Die Politikerin sagte weiter: „Uns war es wichtig, dass Bioenergie auch eine Zukunft hat im Stromsystem. Deswegen heben wir die Ausschreibungsmenge im Förderzeitraum 2027 bis 2032 leicht an auf insgesamt 4.500 Megawatt und ermöglichen kleinen Anlagen durch einen Flexibilitätsbonus sich steuerbar aufzustellen und somit ebenfalls zur Systemverantwortung beizutragen.“ 

Einen starken Kurswechsel bringt die Novelle für die PV-Branche. „Im Bereich der Photovoltaik legen wir den Förderschwerpunkt in Zukunft auf kostengünstigere Varianten und das sind insbesondere PV-Anlagen in der Fläche“, betonte Reiche. Die unterschiedlichen Boni für die Förderung von Photovoltaikanlagen sollen auf 6,2 Cent je Kilowattstunde vereinheitlicht werden.

Die Einspeiseleistung von kleinen und mittleren Dachanlagen werde auf 50 Prozent begrenzt, „um Mittagsspitzen im Einspeiseprofil zu glätten und damit Netzausbau zu sparen.“ Einen Schlussstrich will die schwarz-rote Koalition bei der Einspeisevergütung. „Die Zeit der festen Einspeisevergütung läuft aus. Mit Ausnahme der ertüchtigten kleinen Wasserkraftanlagen unter 25 Kilowatt wird es jedenfalls nicht mehr so sein, dass dauerhaft auf Kosten des Steuerzahlers gefördert wird“, erklärte Reiche. Ziel sei, dass Anlagen mit Steuerungseinrichtungen ausgestattet werden, um systemdienlich auszuspeisen.

Anlagenkomponenten made in Europe

Um die erneuerbaren Energien stärker an Markt und Wettbewerb heranzuführen, führe man das „Grundprinzip der Direktvermarktung“ ein. Das Marktprämiensystem werde ergänzt um einen Mechanismus zur Rückzahlung in Hochpreisphasen – sogenannte Contracts for Difference.

Neu ins EEG kommen soll eine Regelung für „Resilienzausschreibungen“. Bei Ausschreibungen im Windsegment sei nachzuweisen, dass die Anlagenkomponenten aus europäischer Herstellung stammen. So soll „unsere industrielle Basis“ abgesichert werden, sagte Reiche.

Autor: Manfred Fischer