Rechenzentrenstrategie beschlossen
Neue Strategie soll Ausbau von Rechenzentren mit Energieeffizienz, erneuerbaren Energien und Netzintegration verbinden
19.03.2026
Quelle: E & M powernews
Die Bundesregierung hat in Berlin eine Strategie für Rechenzentren beschlossen, um Ausbau, Energieversorgung und Umweltstandards zu steuern.
Die Bundesregierung hat am 18. März in Berlin erstmals eine Strategie für Rechenzentren verabschiedet. Ziel ist es, den Ausbau digitaler Infrastruktur mit Anforderungen an Energieeffizienz, Standortwahl und Versorgung zu verbinden. Laut Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) soll die Strategie wirtschaftliche und ökologische Aspekte zusammenführen.
Schneider erklärte, Deutschland brauche leistungsfähige und effiziente Rechenzentren. Neue Anlagen sollten bevorzugt dort entstehen, wo ausreichend Wasser und erneuerbare Energien verfügbar sind. Zudem sollten Betreiber ihre Abwärme in Wärmenetze einspeisen, damit Anwohner davon profitieren können. „Die Bundesregierung will dafür geeignete Rahmenbedingungen schaffen“, erklärte Schneider. Die Ausrichtung auf Effizienz und Umweltschutz könne auch die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen stärken, etwa bei Technologien für wassersparsame Kühlung und Abwärmenutzung.
Mit der Strategie verfolgt die Bundesregierung auch das Ziel, die digitale Souveränität Deutschlands zu stärken. Rechenzentren sollen dabei eine ähnliche Rolle spielen wie die Energieversorgung, mit der sie betrieben werden. Im Vergleich zu früheren Entwürfen präzisiert die Bundesregierung, insbesondere die Anforderungen an die Stromversorgung. Offen bleibt jedoch, ob Rechenzentren künftig in die Strompreiskompensation einbezogen werden.
Verbände begrüßen die Strategie
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bewertet den Beschluss als wichtigen Schritt für die Zukunftsfähigkeit des Standorts. Die BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae erklärte, Rechenzentren seien zentral für die Digitalisierung und die effiziente Nutzung des Energiesystems.
Für einen netzdienlichen Ausbau seien jedoch Anpassungen bei der Vergabe von Netzanschlüssen notwendig. Das bisherige Prinzip der Reihenfolge der Anträge stoße an Grenzen. Stattdessen plädiert der Verband für transparente Kriterien und ein Reifegradprinzip, bei dem Projekte mit hoher Umsetzungswahrscheinlichkeit bevorzugt werden.
Zudem fordert der BDEW vereinfachte und beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren für Netze und Umspannwerke. Eine vorausschauende Netz- und Standortplanung sei entscheidend, um Engpässe zu vermeiden. Geeignete Flächen für Rechenzentren sollten frühzeitig ausgewiesen und mit dem Netzausbau abgestimmt werden. Auch der Wasserbedarf müsse bei der Standortwahl berücksichtigt werden, da Rechenzentren auf Kühlung angewiesen sind.
Mehr erneuerbarer Strom benötigt
Kritischer äußert sich der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE). Dessen Präsidentin Ursula Heinen-Esser sieht zwar im Ausbau von Rechenkapazitäten und deren Betrieb mit erneuerbaren Energien einen richtigen Ansatz. Gleichzeitig stellt sie infrage, ob ausreichend erneuerbarer Strom für den steigenden Bedarf bereitstehen wird. Der Erfolg nachhaltiger Rechenzentren hänge davon ab, dass der Ausbau erneuerbarer Energien mit dem Wachstum Schritt halte.
Der BEE verweist zudem auf eine Passage der Strategie, nach der Unternehmen bei begrenzten Netzkapazitäten auch fossile Energiequellen in Betracht ziehen könnten. Dies könne die Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsziele beeinträchtigen. Aus Sicht des Verbandes sollte die Strategie stärker auf ein integriertes Energiesystem ausgerichtet werden. Dazu gehörten praxistaugliche Regelungen für die Verzahnung von Energieerzeugung und -verbrauch.
Autorin: Susanne Harmsen