Ökostrom aus dem ostfriesischen Moor als Innovation

Deutschlands größter Moor-Solarpark kombiniert Wiedervernässung, Landwirtschaft und erneuerbare Stromerzeugung

05.05.2026

Quelle: E & M powernews

In Niedersachsen hat Deutschlands bislang größter Solarpark in einem Moorgebiet Eröffnung gefeiert. Das Projekt breitet sich auf 40 Fußballfelder aus und hat eine Leistung von 37,5 MW.
 
Frühere Moore wieder zu vernässen liegt im Trend. Relativ neu ist die Kombination mit der Produktion von Ökostrom. In Ostfriesland sehen die Beteiligten sich nun als Vorreiter für Solarparks auf Moorflächen. Ein großes Sonnenkraftwerk ist inzwischen am Netz, Eröffnung feierte es am 4. Mai.

Mit 37,5 MW Leistung soll es sich bei dem Park im niedersächsischen Varel um Deutschlands bislang größte Sammlung von Solarmodulen in einem Moorgebiet handeln. Sie ist ein gemeinsames Vorhaben des Solarpark-Entwicklers WI Energy GmbH aus Trier (Rheinland-Pfalz), zwei Landwirten aus Varel und des Anlagenbauers EMT2 GmbH aus Lünne im Emsland (Niedersachsen).

Ursprünglich sollten sich die Kollektoren nur entlang der Autobahn 29 und einer Bahnstrecke aufreihen. Dann erweiterten die Verantwortlichen den Bereich auf ein renaturiertes Moor und erarbeiteten mit dem innovativen „Moor-PV-Konzept die Vision für ein größeres Projekt“, so Ingo Berens, neben Michael Reichert einer der Geschäftsführer von WI Energy. Das Vorhaben besteht nunmehr aus zwei Teilprojekten mit verschiedenen Netzanbindungspunkten.

So erstreckt der Solarpark sich heute auf einer Fläche von etwa 40 Fußballfeldern und besteht ferner aus 18 Transformatoren. Er kann rechnerisch mehr als 9.000 Haushalte mit Ökostrom versorgen und dabei im Vergleich zu fossiler Energieerzeugung mehr als 23.000 Tonnen CO2 einsparen. Ein besonderer Aspekt ist das Erzeugen von Solarstrom auch aus dem Licht, das die feuchte Moorfläche in Richtung der Kollektoren reflektiert.

Die Moorfläche steht künftig auch für eine landwirtschaftliche Nutzung offen. Schafe oder Rinder sollen unter den Modulen weiden können. Platz genug ist da, weil die Elemente in bis zu 2,10 Metern Höhe angebracht sind. Wegen der Besonderheiten des Moorbodens haben die Projektträger weitere Maßnahmen ergreifen müssen. Das Material der Ständer, Stahl, ist speziell beschichtet, um Rost zu vermeiden. Die Unterkonstruktion reicht dabei bis zu 4,50 Meter tief ins Erdreich.

Ein Wissenschaftsteam der Universität Greifswald hat ein besonderes Auge auf das Projekt geworfen. Es prüft die natürlichen CO2-Emissionen des Moores unter den Bedingungen eines Solarparks. Auch analysiert die Hochschule fortlaufend die Entwicklung des Tier- und Pflanzenbestands.
 
Autor: Volker Stephan