Netzpaket droht Speicher zu benachteiligen

Debatte um das Netzanschlusspaket: Wie Flexibilität, Speicher und neue Regulierung den Netzausbau effizienter machen können

25.03.2026

Quelle: E & M powernews

Die Initiative Klimaneutrales Deutschland hat in einem Webinar das Netzanschlusspaket diskutiert und schlägt Optionen für effizientere Netznutzung und -ertüchtigung vor.

Der Entwurf für ein sogenanntes Netzanschlusspaket aus dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) hat laut der Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) eine fachliche und politische Debatte ausgelöst. Das Papier soll nach Angaben aus dem Umfeld des Ministeriums in absehbarer Zeit im Kabinett beraten werden.

Im Zentrum der Diskussion steht häufig ein Zielkonflikt zwischen einem kosteneffizienten Netzausbau und dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien. Nach Einschätzung der IKND gerät dabei aus dem Blick, dass bereits heute Instrumente existieren, um die vorhandene Netzinfrastruktur besser auszulasten und Engpässe zu reduzieren, ohne zusätzliche Leitungen zu errichten.

Im Rahmen eines Webinars hat die Initiative diese Ansätze gemeinsam mit Fachleuten erörtert. Im Fokus standen der aktuelle Stand der Regulierung sowie mögliche Änderungen durch das geplante Netzanschlusspaket. Zudem ging es um ergänzende Maßnahmen zum Netzausbau, praktische Hürden für mehr Flexibilität im Stromsystem sowie die Frage, wie sich Kosteneffizienz und Flexibilität miteinander verbinden lassen.

Regulatorische Hindernisse beseitigen

Andreas Jahn vom Regulatory Assistance Project (RAP), einer international tätigen Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Montpelier im US-Bundesstaat Vermont, verwies auf verschiedene Möglichkeiten, bestehende Netzrestriktionen zu überbrücken.

Das Netzpaket sieht dafür unter anderem die Überbauung von Netzanschlüssen vor, bei der Einspeisespitzen begrenzt werden, sowie sogenannte Co-Location-Konzepte, bei denen Speicher hinter dem Netzanschlusspunkt genutzt werden. Auch flexible Netzanschlussbedingungen, Redispatch-Vorbehalte ohne Kompensation und eine netzdienliche Steuerung des Ausbaus sollen dazu beitragen, Engpässe zu verringern. 

Diese Übergangs-Maßnahmen erforderten jedoch klare Rahmenbedingungen und Standardisierung sowie Vorgaben, wohin sie führen sollen, so Jahn. Ziel müsse eine langfristige Perspektive für das Stromsystem sein. Ein vollständig engpassfreies Netz – häufig als „Kupferplatte“ bezeichnet – sei weder realistisch noch wirtschaftlich darstellbar. „Stattdessen kommt es darauf an, vorhandene Netzkapazitäten effizienter zu nutzen und Flexibilitäten zu heben“, sagte er. Defizite sieht Jahn aktuell besonders bei der Digitalisierung und beim Betrieb der Verteilnetze.

Auch ökonomische Instrumente spielen nach seiner Darstellung eine zentrale Rolle. So setzten die bestehenden Anreizstrukturen für Netzbetreiber bislang nicht ausreichend auf eine Beschleunigung von Maßnahmen. Zeitlich und räumlich differenzierte Netzentgelte sowie lokale Strompreise könnten dazu beitragen, die Netzauslastung zu steuern und Investitionen effizienter auszurichten.

Simon Steffgen vom Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES) betonte die Rolle von Speichern als Flexibilitätsoption. „Speicher können sowohl auf der Erzeugungsseite zur Glättung fluktuierender Einspeisung beitragen als auch im Netz systemstabilisierende Dienstleistungen erbringen“, sagte er. Derzeit rechneten sich Speicherprojekte jedoch häufig nur über Netzentnahme und Energiehandel.

Ein zentrales Problem sei laut Steffgen, dass erneuerbare Anlagen oder Speicher in vielen Fällen keinen Netzanschluss erhielten. Modelle wie die Überbauung von Anschlüssen seien in der Praxis oft mit komplexen Vertragsstrukturen verbunden, insbesondere bei Lösungen hinter dem Zähler. Hier bestehe Anpassungsbedarf, um Flexibilität wirtschaftlich nutzbar zu machen.

Zugleich verwies Steffgen auf die besondere Rolle der Verteilnetze für Kommunen. Einnahmen aus Netzentgelten stellten eine wichtige Finanzquelle dar. Gleichzeitig müssten Kommunen ihre Energieinfrastruktur grundlegend umbauen, etwa durch den Ersatz fossiler Versorgungssysteme im Wärme- und Verkehrsbereich. Dies könne zu Zielkonflikten führen, da Investitionen in flexible und effiziente Systeme nicht unmittelbar in den bisherigen Erlösstrukturen abgebildet seien.

In der Diskussion wurde deutlich, dass eine stärkere Nutzung vorhandener Netze und der Ausbau von Flexibilitätsoptionen als Ergänzung zum Netzausbau gesehen werden. Voraussetzung dafür sind aus Sicht der beteiligten Experten angepasste regulatorische Vorgaben, wirtschaftliche Anreize und eine klare Zielperspektive für das Energiesystem.

Das Factsheet „Herausforderung Netzanschluss: Vom Engpass zu Effizienz“ der IKND steht im Internet bereit.

Autorin: Susanne Harmsen