Mut zur Kreislaufwirtschaft: Wie neue Bauweisen den Sprung in die Praxis schaffen
Recycling und innovative Materialien zeigen, wie zirkuläres Bauen Ressourcen schont und wirtschaftlich umgesetzt werden kann
02.04.2026
Bauen heißt Verantwortung übernehmen – für Ressourcen, für Flächen und für kommende Generationen.
Ein Beispiel ist Kies: kleine Steine mit einer Größe zwischen ca. 3 Millimetern und 3 Zentimetern. Allein in Deutschland werden für Bauaktivitäten jedes Jahr über 560 Millionen Tonnen verbraucht. Das entspricht 6,7 Tonnen pro Kopf. Zwar ist Kies theoretisch ausreichend im Boden vorhanden, doch der Abbau erfordert kontinuierlich die Erschließung neue Kiesgruben. Dafür müssen außerdem Genehmigungen erteilt und Eingriffe in die Natur in Kauf genommen werden. Da genau das zunehmend auf Widerstand stößt, ist absehbar: Kies wird mittelfristig knapper. Alternative Lösungen sind gefragt.
Ein weiterer zentraler Punkt ist der Umgang mit Abfällen. Rund 60 % aller Abfälle in Deutschland entstehen durch Bauaktivitäten. Das sind jährlich mehr als 210 Millionen Tonnen beziehungsweise 2,5 Tonnen im Jahr pro Kopf. Bislang wird nur ein Teil davon zu neuer Gesteinskörnung aufbereitet und kann damit natürliche Rohstoffe wie Kies im Bau ersetzen. Aktuell deckt diese lediglich etwa 13 % des Bedarfs. Das zeigt deutlich: Hier steckt noch enormes Potenzial, um natürliche Ressourcen zu schonen und die Kreislaufwirtschaft konsequent voranzubringen.
Unterm Strich geht es also um Kreislaufwirtschaft. Es geht darum, recycelte Baustoffe als gleichwertig zu akzeptieren und innovative Bauweisen und Materialien zu entwickeln und zu etablieren. Immer mehr Akteure, Bauherren, Architekten und Bauunternehmen müssten den Mut haben, die seit Jahrzehnten vorherrschende Baupraxis zu verlassen und neue Wege zu gehen. Mit dem Projekt RiBa - Recycling im Bau anwenden wollen wir hierzu einen positiven Beitrag leisten. Gemeinsam mit Projektpartnern aus Oberbayern, Salzburg, Oberösterreich, Vorarlberg und Schwaben suchen und präsentieren wir auf unserer Innovationslandkarte Kreislaufwirtschaft die Bauprojekte, die als Vorbild und Anregung dienen können.
Beispiel Wohnbau: Das St. Vinzenz Areal in Wangen
Auf dem Gelände einer ehemaligen Krankenpflegeschule in Wangen im Allgäu entstand 2024 ein neues Quartier mit insgesamt 122 Wohneinheiten in sechs Gebäuden. Bei diesem Vorzeigeprojekt für nachhaltiges Bauen kam ein ganzes Bündel innovativer Materialien zum Einsatz: 15.000 Tonnen recycelter Betonbruch ersetzen natürlichen Kies, klinkerreduzierter Zement reduziert den CO2-Fussabdruck und eine Carbonbewehrung hilft bei der Materialeinsparung.
Mehr Details finden Sie auf unserer Innovationslandkarte Kreislaufwirtschaft Bau: Wohnbau St. Vinzenz Areal in Wangen | | ZAB Zukunftsagentur Bau
Beispiel Verwaltungsgebäude: Neubau in Tirschenreuth
Der Verband für Ländliche Entwicklung (VLE) Oberpfalz hat mit dem Neubau seines Verwaltungsgebäudes ein wegweisendes Projekt realisiert. Hier kamen innovative Holz-Lehm-Massivdecken und erstmalig „Kaltziegel“ zum Einsatz. Kaltziegel sind ungebrannte, druckfeste Ziegel, die ohne energieintensiven Brennvorgang aus recyceltem Ziegelmaterial hergestellt werden. In Tirschenreuth beweisen sie ihre Praxistauglichkeit.
Mehr Details finden Sie auf unserer Innovationslandkarte Kreislaufwirtschaft Bau: Verwaltungsgebäude Verband für Ländliche Entwicklung | | ZAB Zukunftsagentur Bau
Beispiel Industriegebäude: Produktionshalle Alberzell
In Alberzell wurde eine Produktionshalle errichtet, bei der Kreislauffähigkeit im Vordergrund steht. Ziel war es, möglichst viele vor Ort vorhandene Materialien und natürliche Ressourcen im Sinne der Kreislaufwirtschaft zu nutzen, die später wieder in den Materialkreislauf zurückgeführt werden können. Trotz des nachhaltigen Ansatzes ist das Gebäude nicht teurer als ein konventionell gebautes, da durch die Einsparungen bei der Entsorgung von Materialien er-hebliche Kosten reduziert werden konnten.
Mehr Details finden Sie auf unserer Innovationslandkarte Kreislaufwirtschaft Bau: Produktionshalle Alberzell | | ZAB Zukunftsagentur Bau
Die Innovationslandkarte bietet noch viele weitere Beispiele und sie wächst kontinuierlich weiter. Sie zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig und praxisnah Kreislaufwirtschaft und zirkuläres Bauen heute bereits umgesetzt werden. Wer gezielt nach Austausch sucht, findet über das Expertennetzwerk passende Unternehmen und Ansprechpartner in der eigenen Region. Eines eint all diese Projekte: Sie denken voraus - mit Blick auf zukünftige Entwicklungen, einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, steigende Nachhaltigkeitsanforderungen und wachsende Entsorgungskosten.
Vor allem aber sind sie das Ergebnis von Menschen, die den Mut haben, neue Wege zu gehen, Entscheidungen zu treffen und Zukunft aktiv zu gestalten.
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