Milliarden-Investitionen ins Verteilnetz
Aktuelle Netzausbaupläne zeigen den hohen Infrastrukturbedarf der Energiewende und setzen verstärkt auf Digitalisierung, Flexibilitäten und leistungsfähige Verteilnetze.
04.11.2026
Quelle: E & M powernews
Bis zum 31. Oktober mussten die Stromverteilnetzbetreiber ihre Ausbaupläne veröffentlichen. Für die Energiewende sind Milliardeninvestitionen nötig.
Ziel der zweijährlichen Netzausbaupläne ist ein transparenter Dialog über die Anforderungen an die Energieinfrastruktur in den kommenden Jahrzehnten. Die Pläne basieren auf Szenarien für die sechs deutschen Planungsregionen, die Energieerzeugung und -verbrauch langfristig abschätzen. Sie unterscheiden Nord, Ost, Mitte, West, Südwest und Bayern. Bis 2024 waren die Pläne zum 30. April fällig, seitdem ist der 31. Oktober der Abgabetermin.
Nicht alle der mehr als 800 Verteilnetzbetreiber in Deutschland müssen einen eigenen Netzausbauplan veröffentlichen. Die größeren Netzbetreiber mit mehr als 100.000 angeschlossenen Kunden beziehen die Informationen der kleineren Betreiber ihrer Region ein.
Die Bayernwerk Netz aus Regensburg schätzt, dass sich die installierte Leistung erneuerbarer Energien in ihrem Netzgebiet bis 2045 gegenüber heute verdreifachen wird, bei einer Verdopplung des Stromverbrauchs. Dafür müsse neben dem klassischen Netzausbau auch eine stärkere Nutzung von Kapazitätssteuerung und Flexibilitäten stattfinden. Dafür plant Bayernwerk Netz Investitionen bis 2030 von rund zwölf Milliarden Euro.
Der Verteilnetzbetreiber Westnetz in Dortmund, ebenfalls aus dem Eon-Konzern, will mehr als 21.000 Kilometer Stromleitungen erneuern, ausbauen oder neu bauen bis 2030. Auch an mehr als 30.000 Ortsnetzstationen sind laut einer aktuellen Mitteilung Arbeiten vorgesehen: Bestehende Anlagen sollen erweitert, erneuert oder durch neue, digitalisierte Stationen ersetzt werden. Ziel sei es, 100 Prozent der Ortsnetze digital abzubilden, um das Netz besser auslasten zu können.
Refinanzierung über die Netzentgelte
Mit den Ausbauplänen verbunden sind die Netzentgelte für die Stromkunden, die zur Refinanzierung des Ausbaus dienen. Wie diese sich entwickeln, hänge davon ab, ob der Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten von 5,525 Milliarden Euro für 2027 bis 2029 noch in diesem Jahr im Bundeshaushalt abgesichert werde, betonen die Netzbetreiber.
Wer selbst Strom erzeugt, beispielsweise mit einer PV-Anlage oder seine Wärmepumpe und die Wallbox netzdienlich betreibt, kann durch flexible Netzentgelte sparen.
Energiewende braucht anderes Netz
„Auf das Bayernwerk-Netz wirken heute rund eine Million Erneuerbare-Energien-Anlagen. Für eine erfolgreiche zweite Halbzeit der Energiewende braucht es daher ein neues Spielsystem“, erläuterte Egon Leo Westphal, Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG. Dieses Potenzial bilde der Netzausbauplan ab.
Die langfristigen Planungen für das Zielnetz 2045 umfassen bei Bayernwerk Netz nach heutigen Einschätzungen rund 450 neue oder erweiterte Umspannwerke. Hinzu kommen etwa 4.100 Kilometer zusätzliche oder optimierte Hochspannungsleitungen sowie rund 79.000 Kilometer neue Mittel- und Niederspannungsleitungen.
Neben dem Ausbau der Infrastruktur sollen netzdienliche Flexibilitäten an Bedeutung gewinnen wie Speicher sowie bidirektionales Lademanagement. Die könnten den erforderlichen Netzausbau reduzieren oder einzelne Baumaßnahmen ersetzen.
Westnetz plant mit Rechenzentren
Westnetz plant bis 2030 Maßnahmen an rund 250 Umspannanlagen. Grund sei der prognostizierte Leistungsbedarf von Rechenzentren und Elektromobilität, der in ihrem Netzgebiet laut Prognose bis 2030 jeweils auf mehr als das Achtfache des Niveaus von 2024 steigt. Seit 2020 habe die Westenergiegruppe rund 4,5 Milliarden Euro in das regulierte Strom- und Gasnetz investiert, was weitergeführt werden müsse.
„Ein Plan allein schafft noch keinen Netzanschluss. Entscheidend ist, dass wir unsere Netze nicht nur ausbauen, sondern auch technologisch weiterentwickeln“, sagte Robert Denda, CEO und CTO von Westenergie. Deshalb investiere das Unternehmen in leistungsfähigere Leitungen, moderne Umspannanlagen und digitalisierte Ortsnetzstationen. „Am Ende entscheidet nicht die Zahl der geplanten Leitungen über den Erfolg der Energiewende, sondern was wir damit möglich machen“, so Denda.
Avacon baut Netz primär in Niedersachsen aus
Bis 2035 weist der Avacon-Netzausbauplan einen Bedarf an Modernisierung, Verstärkung und Neubau von rund 11.700 Kilometern Stromleitungen aus – bis 2045 rund 16.200 Kilometer. Vom Leitungsbedarf bis 2035 entfallen rund 63 Prozent auf Niedersachsen, 27 Prozent auf Sachsen-Anhalt und 9 Prozent auf Hessen.
Die regionale Verteilung bleibe laut dem Unternehmen der Eon-Gruppe bis 2045 weitgehend unverändert. Bis 2035 sieht die Planung 245 Neubauten und 117 Erweiterungen von Umspannwerken sowie Maßnahmen an rund 5.400 Ortsnetzstationen vor. Sitz der Avacon ist Helmstedt in Niedersachsen.
Der aktuelle Netzausbauplan ist abrufbar auf dem Portal der Verteilnetzbetreiber.
Autorin: Susanne Harmsen