Interview: Wie funktioniert der Wissenstransfer in der Landwirtschaft?
22.07.2026
Wie gelangt neues Wissen aus Forschung, Versuchsbetrieben und Unternehmen dorthin, wo es gebraucht wird – auf die landwirtschaftlichen Betriebe? Im Interview erläutert Christian Metz, Leiter des Kompetenz-Netzwerks Digitale Landwirtschaft Bayern (KNeDL), warum Wissenstransfer für die Landwirtschaft so wichtig ist und wie er erfolgreich gestaltet werden kann.
Herr Metz, warum ist Wissenstransfer in der Landwirtschaft so wichtig?
In der Landwirtschaft haben der Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Unterstützung schon immer eine große Rolle gespielt. Ohne ein Miteinander ist es schwierig in diesem anspruchsvollen Umfeld zu bestehen. Wissenstransfer ist in der Landwirtschaft besonders wichtig, weil sich die Anforderungen ständig verändern. Themen wie Klimawandel, neue gesetzliche Vorgaben, Digitalisierung oder nachhaltige Produktionsmethoden verlangen von Landwirtinnen und Landwirten, ihr Wissen laufend zu aktualisieren. Nur so können Betriebe wirtschaftlich, umweltbewusst und zukunftsfähig arbeiten.
Auf welchen Wegen wird Wissen in der Landwirtschaft weitergegeben?
Wissen wird auf ganz unterschiedlichen Wegen vermittelt. Dazu gehören klassische Beratungsangebote von Verbänden oder staatlicher Seite, Fachschulen, Weiterbildungen, landwirtschaftliche Fachzeitschriften und Messen. Gleichzeitig spielen heute auch digitale Formate wie Webinare, Online-Plattformen, Podcasts oder soziale Medien eine immer größere Rolle. Besonders wertvoll ist aber nach wie vor der direkte Austausch zwischen Praktikerinnen und Praktikern.
Welche Rolle spielen Netzwerke wie der KNeDL beim Wissenstransfer?
Netzwerke wie unser KNeDL vernetzen Akteurinnen und Akteure aus Forschung, Wirtschaft und Praxis und fungieren als Schnittstelle und Drehscheibe für den Austausch von Wissen und Erfahrungen. Dadurch entstehen kurze Wege zu Innovationen und neue Impulse können schneller in die Praxis gelangen. Gleichzeitig übernehmen wir eine wichtige Übersetzungsfunktion.
Wie genau?
Neue technologische Entwicklungen werden in die landwirtschaftliche Praxis übertragen und umgekehrt werden die konkreten Anforderungen und Herausforderungen aus der Praxis zurück an Forschung und Politik gespiegelt. Darüber hinaus begleiten wir Projekte von der Idee bis zur Umsetzung, unterstützen beim Match Making zwischen relevanten Akteuren, übernehmen Koordinationsaufgaben und schaffen einen Überblick über laufende Entwicklungen, Angebote und Innovationen.
Auf diese Weise tragen Netzwerke wie unseres dazu bei, dass Wissen nicht nur verfügbar ist, sondern auch zielgerichtet vernetzt, verständlich aufbereitet und wirksam in die Anwendung gebracht wird.
"Wissen bleibt wertlos, solange es nicht verstanden, eingeordnet und angewendet wird."
Christian Metz
Leiter des Kompetenz-Netzwerks Digitale Landwirtschaft Bayern (KNeDL)
Wie kann Wissenstransfer erlebbar gemacht werden?
Ein Baustein sind Versuchs- und Demonstrationsbetriebe. Sie testen neue Methoden, Sorten oder Technologien unter realen Bedingungen und bereiten die Ergebnisse so auf, dass landwirtschaftliche Betriebe sie konkret anwenden können. Dadurch wird wissenschaftliches Wissen anschaulich, greifbar und praxisnah vermittelt, wie etwa im Reallabor an Rott und Inn der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).
Auch unsere anstehende Wanderausstellung „Smarte Landwirtschaft Bayern“ macht die digitalen Entwicklungen in der Landwirtschaft interaktiv, anschaulich und greifbar. Ziel ist es, Landwirtinnen und Landwirten einen praxisnahen Überblick über aktuelle Technologien zu geben und ihren konkreten Nutzen für den Betriebsalltag einzuordnen. An mehreren Stationen werden dazu Anwendungen aus den Bereichen Ackerbau, Tierhaltung, Betriebsführung und Innovation vorgestellt.
Welche Herausforderungen gibt es beim Wissenstransfer in der Landwirtschaft?
Eine große Herausforderung besteht darin, komplexe Informationen verständlich und alltagstauglich aufzubereiten. Nicht jede Innovation lässt sich sofort auf jeden Betrieb übertragen, weil die Voraussetzungen sehr unterschiedlich sind. Hinzu kommt, dass viele Landwirtinnen und Landwirte im Arbeitsalltag wenig Zeit für Weiterbildung haben. Auch der Zugang zu digitalen Angeboten ist nicht überall gleichermaßen vorhanden.
Was braucht es für einen gelungenen Wissenstransfer in der Landwirtschaft?
Die wichtigsten Zutaten für einen guten Wissenstransfer sind aus meiner Sicht eine enge Vernetzung von Forschung, Beratung und Praxis, eine Kommunikation auf Augenhöhe sowie ein niedrigschwelliger Zugang zu Wissen und Technologie. Entscheidend ist, dass Informationen nicht nur verfügbar sind, sondern auch praxisnah aufbereitet und für die Betriebe einfach nutzbar gemacht werden. Dazu gehört auch, Herausforderungen klar zu benennen und konkrete erste Lösungswege aufzuzeigen.