Interview: Drei Fragen an Kathrin Hagemann

08.10.2025

Mit unserer kleinen Reihe „Drei Fragen an…“ interviewen wir ausgewählte Persönlichkeiten zu unterschiedlichen Themen. Die Fragen greifen u.a. Themen auf, die von den Befragten in Form von Impulsvorträgen oder anderen Aktivitäten im Rahmen von Veranstaltungen von Bayern Innovativ diskutiert werden.
Heute richten wir unser Kurz-Interview an Kathrin Hagemann, Produktmanagerin V2X, Yunex Traffic.

Kathrin Hagemann gehört zu den Referierenden auf unserer Netzwerkkonferenz „Innovationen für die Mobilität der Zukunft“ am 20.11.2025 in München.

Liebe Kathrin, was hat Dich persönlich dazu inspiriert, dich mit deinem Vortragsthema „C-ITS von der Straße in die Zukunft “ zu beschäftigen

Kathrin Hagemann: Mich inspiriert vor allem die Idee, dass wir Verkehr nicht als isolierte Einheiten denken, sondern als ein einheitliches Gesamtsystem. Fahrzeuge, Infrastruktur, Menschen – wenn das alles miteinander kommuniziert, entstehen völlig neue Möglichkeiten für Mobilität. In meiner Arbeit mit C-ITS (Anm. d. Red: Cooperative Intelligent Transport System) habe ich erlebt, wie groß der Unterschied sein kann, wenn Kooperation im Mittelpunkt steht - fachlich-technisch genauso wie menschlich. Mich begeistert der Gedanke von Kooperation, nicht jeder für sich, nicht jeder gegen jeden, sondern alle gemeinsam. C-ITS baut genau darauf auf - Kooperation zwischen Ländern, zwischen Straßeninfrastruktur, Verkehrsträger und Fahrzeugbauer, zwischen technischen Geräten und immer auch zwischen Menschen. Genau das motiviert mich: zu zeigen, wie wir aus einzelnen Teilen ein vernetztes, funktionierendes Ganzes machen können.

 

Welche zentralen Herausforderungen siehst Du aktuell bei der Gestaltung von nachhaltigen Lösungen für die Mobilität von morgen und wie können Deine Erfahrung dazu beitragen, diese zu lösen?

Kathrin Hagemann: Die größte Herausforderung ist für mich die Vielfalt an Ansätzen. Die Fragestellungen in der zukünftigen Mobilität sind vielfältig, komplex und beeinflussen sich gegenseitig. Verändere ich Kleinigkeiten an einer Stelle, hat das Einfluss auf viele andere. Ein Lösungsansatz allein ist selten erfolgreich, verschiedene Ansätze kombiniert sind es. Und das macht es schwieriger - weil wieder viele Menschen aus verschiedenen Bereichen zusammenkommen müssen. Zudem gibt es verschiedene Standards, Interessen und Geschwindigkeiten. Jeder arbeitet für sich – aber Mobilität funktioniert nur im Zusammenspiel. Meine Erfahrung zeigt, dass es hilft, Brücken zu bauen: zwischen Automobilindustrie, Infrastrukturbetreibern, Städten und Regulierern. Wichtig dabei ist, den zentralen Part der Interoperabilität greifbar zu machen und umsetzbare, einheitliche Standards zu gestalten.

 

Wie wird sich Deiner Meinung nach die Mobilität in den nächsten fünf bis zehn Jahren verändern, und welche Rolle spielt Dein Thema dabei?

Kathrin Hagemann: Wir werden in den nächsten Jahren mehr Vernetzung erleben – Fahrzeuge, Straßen und Städte sprechen miteinander. Erste Teile davon sehen wir schon heute: Millionen Fahrzeuge, hunderte Ampeln, Kilometer um Kilometer ausgerüstete Infrastruktur. Ich gehe davon aus, dass das in fünf bis zehn Jahren selbstverständlich sein wird. C-ITS im Sinne der ITS Direktive spielt dabei die Schlüsselrolle, weil es die gemeinsame Sprache liefert. Ohne diese Sprache gibt es keine Zusammenarbeit. Und ohne Zusammenarbeit bleibt Mobilität Stückwerk – mit C-ITS kann sie zu einem Ganzen werden.

Meine Erfahrung zeigt, dass es hilft, Brücken zu bauen: zwischen Automobilindustrie, Infrastrukturbetreibern, Städten und Regulierern. Wichtig dabei ist, den zentralen Part der Interoperabilität greifbar zu machen und umsetzbare, einheitliche Standards zu gestalten.

Kathrin Hagemann
Produktmanagerin V2X, Yunex Traffic

Vielen Dank, Kathrin, für dieses interessante Kurzinterview. Wir freuen uns, bald mehr von Dir auf der Netzwerkkonferenz „Innovationen für die Mobilität der Zukunft“ zu hören!