GiantEye: Neue Dimensionen für die industrielle Computertomographie

Zukunftsbranchen wie Elektromobilität, Luft- und Raumfahrt oder additive Fertigung profitieren

10.09.2026

Autoren: Dr. Laura Kuhlmann, Fraunhofer IIS

Die zerstörungsfreie Prüfung mittels Computertomographie ist heute ein etabliertes Werkzeug in Forschung, Entwicklung und Qualitätssicherung. Mit zunehmender Größe und Komplexität technischer Systeme stoßen konventionelle Anlagen jedoch an physikalische und konstruktive Grenzen. Am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS entsteht deshalb mit GiantEye eine neue Generation der industriellen Hochenergie-Computertomographie.

Das am Standort Fürth entstehende System soll ab Anfang 2027 die dreidimensionale Untersuchung von Objekten bis zur Größe eines 20-Fuß-Containers ermöglichen. Damit erschließt die Technologie einen Bereich, der mit bestehenden industriellen CT-Anlagen bislang nur eingeschränkt zugänglich ist.

Der Innovationsansatz liegt dabei nicht allein in der Größe der Anlage. Während bei herkömmlichen Hochenergie-CT-Systemen die Prüfobjekte häufig aufgerichtet oder umgesetzt werden müssen, verbleiben sie bei GiantEye in ihrer natürlichen Lage. Röntgenquelle und Detektor bewegen sich um das Objekt, wodurch selbst große Baugruppen, Fahrzeuge oder Batteriesysteme ohne aufwendige Umlagerung untersucht werden können. Dies erhöht die Aussagekraft der Messdaten, da beispielsweise Flüssigkeiten, bewegliche Komponenten oder lastabhängige Strukturen in ihrem ursprünglichen Zustand erfasst werden.

Besonders relevant ist dieser Ansatz für Zukunftsbranchen wie Elektromobilität, Luft- und Raumfahrt oder additive Fertigung. Moderne Batteriesysteme bestehen aus hochintegrierten Strukturen, deren innere Beschaffenheit nach der Montage nur schwer zugänglich ist. GiantEye ermöglicht hier die vollständige Erfassung von Batteriepacks, die Analyse von Crashschäden sowie die Untersuchung von Fertigungsqualität und Alterungsprozessen. Auch die Erstellung realistischer digitaler Zwillinge für Entwicklungs- und Simulationszwecke wird dadurch unterstützt.

Darüber hinaus eröffnet die Technologie neue Möglichkeiten für datengetriebene Entwicklungsprozesse. Die erzeugten 3D-Volumendaten liefern detaillierte Einblicke in Geometrie, Materialzustände und innere Strukturen komplexer Produkte. Damit können Entwicklungs- und Prüfprozesse enger miteinander verknüpft und Innovationszyklen beschleunigt werden. 

„Das Fraunhofer IIS sieht in GiantEye daher einen wichtigen Baustein für die nächste Generation industrieller Produktentwicklung und Qualitätssicherung,“ so Prof. Dr.-Ing. Giovanni Del Galdo, Institutsleiter am Fraunhofer IIS.

Einblicke in eine neue CT-Generation

Wer die Technologie und ihre potenziellen Anwendungen näher kennenlernen möchte, hat im Dezember die Gelegenheit dazu: Das Fraunhofer IIS lädt am 03.12.2026 von 12:00 bis 18:00 Uhr zu einem Preview-Event am Entwicklungszentrum Röntgentechnik in Fürth ein. Auf dem Programm stehen Fachvorträge zu den technologischen Grundlagen und Anwendungsmöglichkeiten von GiantEye, eine Besichtigung der Anlage, eine Führung durch das Entwicklungszentrum Röntgentechnik sowie der Austausch mit den beteiligten Expertinnen und Experten. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen die Herausforderungen und Chancen der Hochenergie-Computertomographie für große und komplexe Strukturen.

Weitere Informationen zum Projekt sowie die Anmeldung zum Preview-Event für die Industrie finden Sie hier.