Fraunhofer sieht Milliarden Sparpotenzial durch Speicher
Fraunhofer IEE sieht im schnelleren Ausbau von Batteriespeichern ein Milliardenpotenzial für niedrigere Stromsystemkosten und eine bessere Integration erneuerbarer Energien
01.07.2026
Quelle: E & M powernews
Ein schnellerer Ausbau von Batteriespeichern könnte laut einer Studie des Fraunhofer IEE die Stromsystemkosten in Deutschland deutlich senken und Erneuerbare besser integrieren.
Der schnellere Ausbau von Batteriespeichern und mehr Flexibilität im Stromsystem könnten Verbraucherinnen und Verbraucher sowie den Bundeshaushalt jährlich um Milliarden Euro entlasten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Kurzstudie des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (Fraunhofer IEE) aus Kassel.
Das Institut erarbeitete die Analyse im Auftrag des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW) und des Bundesverbands Windenergie (BWE). Die Verbände stellten die Ergebnisse am 1. Juli in Berlin vor.
Milliarden Euro Einsparpotenzial
Laut der Untersuchung hätte eine zusätzliche kurzfristige Speicherleistung von 20 GW mit einer Speicherdauer von vier Stunden im Zeitraum von Januar 2025 bis Ende Mai 2026 volkswirtschaftliche Einsparungen von 5,6 Milliarden Euro ermöglicht. Auf ein Jahr umgerechnet entspreche dies rund 3,9 Milliarden Euro. Die Einsparungen würden durch höhere Marktwerte für erneuerbaren Strom, geringere Förderkosten, niedrigere Preise am Spotmarkt sowie einen günstigeren Stromhandel mit dem Ausland entstehen.
Mit dem steigenden Anteil von Windenergie- und Photovoltaikanlagen wächst nach Angaben des Fraunhofer IEE zugleich der Bedarf an Flexibilität im Stromsystem. Immer häufiger träten Hellbrisen auf, also Phasen mit gleichzeitig hoher Wind- und Solarstromerzeugung. In diesen Zeiten fielen die Börsenstrompreise häufig stark oder würden sogar negativ. Das schmälere die Erlöse erneuerbarer Energien, erhöhe den Förderbedarf und führe dazu, dass Anlagen zeitweise abgeregelt oder Strom zu niedrigen Preisen exportiert werde.
Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass zusätzliche Batteriespeicher diese Effekte deutlich abmildern könnten, preiswerter als die jetzt geplanten Backup-Gaskraftwerke. Nach ihren Berechnungen würden negative Börsenstrompreise um nahezu 70 Prozent zurückgehen. Die Menge an marktbedingten Abregelungen ließe sich um rund 3,3 TWh beziehungsweise etwa 55 Prozent verringern.
Vorteile für erneuerbaren Ausbau
Zudem würden sich laut Studie die Finanzierungsrisiken neuer Anlagen reduzieren, die sich aus § 51 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ergeben. Für Photovoltaikanlagen beziffern die Autoren den Rückgang auf rund 75 Prozent, für Windenergie an Land auf fast 55 Prozent und für Offshore-Windenergie auf nahezu 60 Prozent.
Die Untersuchung zeigt außerdem, dass bereits der bisherige Ausbau erneuerbarer Energien die Stromkosten gesenkt hat. Auch ohne zusätzliche Speicher habe der Ausbau von Wind- und Solaranlagen im untersuchten Zeitraum Nettoeinsparungen von rund 0,3 Milliarden Euro bewirkt. Nach Angaben der Studienautoren fiel der preisdämpfende Effekt zusätzlicher erneuerbarer Stromerzeugung höher aus als die dadurch verursachten Förderkosten.
Forderungen an die Politik
Vor dem Hintergrund der Ausbauziele der Bundesregierung sieht der BEE weiteren Handlungsbedarf. Nach Angaben des Verbands sollen jährlich 20.000 MW Photovoltaik und 15.000 MW Windenergie neu installiert werden. Damit diese Kapazitäten besser in das Stromsystem integriert werden können, sei ein zusätzlicher Ausbau der Speicher erforderlich. Eine vereinfachte Extrapolation der Fraunhofer-Analyse komme auf einen jährlichen Bedarf von etwa 8.000 MW zusätzlicher Speicherleistung beziehungsweise 32 Milliarden kWh Speicherkapazität.
Der BEE fordert deshalb den Abbau regulatorischer Hürden. Dazu zählen aus Sicht des Verbands beschleunigte und standardisierte Netzanschlussverfahren, die Möglichkeit, Batteriespeicher mehrfach zu nutzen, ein stärkerer Einsatz von Speichern bei Redispatch-Maßnahmen und Netzengpässen sowie vereinfachte Anschlussregeln an bestehenden Netzanschlüssen.
BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser erklärte, die Analyse zeige, dass Speicher sowohl Stromkundinnen und Stromkunden als auch den Bundeshaushalt entlasten könnten. Die Zahl der Netzanschlussanfragen aus der Branche belege nach ihrer Einschätzung, dass der Markt bereitstehe. „Jetzt muss die Politik dafür sorgen, dass aus Anfragen auch Projekte werden“, forderte sie.
Die komplette IEE-Studie zur Stromflexibilität steht im Internet bereit.
Autorin: Susanne Harmsen