Fernwärmepreise bleiben auf stabilem Niveau

23.07.2026

Quelle: E & M powernews

Die Preistransparenzplattform von AGFW, BDEW und VKU weist zum Stichtag 1. April 2026 stabile Fernwärmepreise und Fortschritte bei der Dekarbonisierung der Wärmenetze aus.

Die Preistransparenzplattform Fernwärme hat ihre Marktabdeckung weiter ausgebaut. Nach Angaben der Plattform sind inzwischen 710 Teilnetze erfasst. Damit bildet sie mehr als die Hälfte des deutschen Fernwärmeabsatzes ab und umfasst rund 27.000 Kilometer Fernwärmenetz sowie einen Wärmeabsatz von rund 61.500 Millionen kWh. Seit dem Start der Plattform kamen 158 weitere Teilnetze hinzu.

Laut dem aktuellen Halbjahresbericht vom 22. Juli bleibt das Preisniveau im Fernwärmemarkt stabil. Der gewichtete Mischpreis für den typisierten Abnahmefall eines Mehrfamilienhauses lag zum Stichtag 1. April 2026 bei 15,6 Cent pro kWh brutto. Bereits ein Jahr zuvor hatte dieser Wert auf demselben Niveau gelegen. Insgesamt profitiere der überwiegende Teil der Fernwärmekundinnen und -kunden von Preisen um 16 Cent pro kWh brutto.

Die Plattform wird gemeinsam vom AGFW, dem Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und Kraft-Wärme-Kopplung in Frankfurt am Main, dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sowie dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) betrieben. Sie soll Verbraucherinnen und Verbrauchern, Unternehmen sowie der Politik eine transparente Datengrundlage zu Fernwärmepreisen und zur Entwicklung der Wärmenetze bieten.

Nach Angaben der Plattform bewegen sich die Preise für nahezu den gesamten erfassten Wärmeabsatz in einem Korridor zwischen 12,5 und 17,5 Cent pro kWh. Größere Abweichungen träten nur bei einem kleinen Teil des Marktes auf. Unterschiede ergeben sich den Angaben zufolge vor allem aus den lokal verfügbaren Energieträgern und deren Kosten.

Im Vergleich zu Heizöl oder Erdgas reagiert Fernwärme laut den Auswertungen weniger stark auf kurzfristige Preisschwankungen. Als Grund nennen die Verbände die Preisanpassungssystematik der Branche. Mehr als 60 Prozent der Versorgungsunternehmen passten ihre Preise nur einmal jährlich an, überwiegend zum Jahresbeginn. Dadurch würden Entwicklungen an den Energiemärkten zeitversetzt und schrittweise an die Kundinnen und Kunden weitergegeben.

Dekarbonisierung macht Fortschritte

Neben der Preisentwicklung dokumentiert die Plattform auch den Fortschritt bei der Dekarbonisierung der Fernwärme. Nach den aktuellen Daten stammen bereits 29 Prozent der Wärmeerzeugung aus klimafreundlichen Quellen. Zudem erfüllen 314 der 710 gemeldeten Wärmenetze bereits heute die gesetzlichen Anforderungen für das Jahr 2030. Dafür muss der Anteil klimafreundlicher Wärme mindestens 30 Prozent betragen.

BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae sieht die Branche bei der Transformation auf Kurs. Die Fernwärmeunternehmen investieren in den Ausbau und die Dekarbonisierung der Wärmenetze und sorgten gleichzeitig für Preisstabilität, sagte sie. Nun müsse die Politik mit dem angekündigten Wärmenetzpaket die rechtlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen schaffen, damit die Transformation weiter vorankomme, forderte Andreae.

Verbände fordern mehr Geld für Wärmewende

Auch AGFW-Geschäftsführer Frank Mattat verweist auf die Fortschritte beim Umbau der Wärmenetze. Gleichzeitig fordert er Reformen der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme (AVBFernwärmeV), der Wärmelieferverordnung sowie eine gesetzliche Absicherung der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW).

Der VKU fordert ebenfalls weitere politische Unterstützung. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Kai Lobo spricht sich unter anderem für eine gesetzliche Absicherung und Aufstockung der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze von derzeit 1,4 Milliarden auf 3,5 Milliarden Euro pro Jahr aus. Außerdem seien die Anpassungen der genannten Wärmegesetze und des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes erforderlich, um den Ausbau der Fernwärme weiter voranzubringen, so Lobo.

Der aktuelle Bericht der Preistransparenzplattform Fernwärme steht im Internet bereit.

Autorin: Susanne Harmsen