EU-Staaten ebnen Weg für schnelleren Netzausbau
Die EU-Staaten wollen Genehmigungen beschleunigen, Bürokratie abbauen und den grenzüberschreitenden Ausbau der Stromnetze schneller vorantreiben
26.06.2026
Quelle: E & M powernews
Die EU-Energieminister haben sich auf ihre Position zum europäischen Netzpaket verständigt. Es soll Genehmigungen beschleunigen und den Stromnetzausbau in Europa vorantreiben.
Die Energieministerinnen und -minister der Europäischen Union haben sich auf die sogenannte Allgemeine Ausrichtung zum europäischen Netzpaket verständigt. Damit legte der Rat am 26. Juni seine Verhandlungsposition für die anstehenden Gespräche mit dem Europäischen Parlament fest. Ziel des Gesetzespakets ist es, den Aus- und Umbau der europäischen Energieinfrastruktur zu beschleunigen und die Stromnetze besser auf die Anforderungen der Energiewende auszurichten.
Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE) soll das Netzpaket Genehmigungsverfahren für Stromleitungen und grenzüberschreitende Energieinfrastruktur vereinfachen und den Rahmen für eine effizientere europäische Netzplanung schaffen. Zudem soll das Paket Bürokratie abbauen, indem es Rechtssicherheit für sogenannte Kundenanlagen schafft. Dazu zählen unter anderem Mieterstrommodelle sowie gemeinsame Stromversorgungsmodelle in Industrie, Gewerbe und der Wohnungswirtschaft.
Netze Basis der Energiewende
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bezeichnete die Stromnetze als zentrale Voraussetzung für die Energiewende. „Die Stromnetze bilden das Betriebssystem der Energiewende“, sagte sie am Rande des Treffens in Luxemburg. Deshalb müsse Europa den Netzausbau deutlich beschleunigen.
Nach Angaben der Europäischen Kommission besteht bis 2040 ein Investitionsbedarf von mehr als einer Billion Euro für den Ausbau der Stromnetze.
EU-Energiekommissar Dan Jorgensen verwies darauf, dass bereits heute erhebliche Mengen erneuerbarer Energie nicht ins Netz eingespeist werden könnten, weil die Infrastruktur nicht ausreichend ausgebaut sei. Ein Beispiel seien Engpässe beim Stromtransport zwischen Dänemark und Deutschland.
Genehmigungen beschleunigen
Die Ratsposition sieht unter anderem schnellere und transparentere Genehmigungsverfahren vor. Die Mitgliedstaaten sollen digitale Antragsportale einrichten und Stromnetz- sowie Erneuerbare-Energien-Projekte grundsätzlich als Vorhaben von überwiegendem öffentlichem Interesse behandeln. Darüber hinaus können die Mitgliedstaaten künftig vorsehen, dass ausbleibende Rückmeldungen von Behörden in einzelnen Verfahrensschritten als Zustimmung gelten.
Außerdem wollen die EU-Staaten die grenzüberschreitende Netzplanung stärker koordinieren. Ein gemeinsames Szenario soll künftig den Bedarf an Strom-, Wasserstoff- und Gasinfrastruktur ermitteln. Nach dem Willen des Rates müssen dabei nationale Energie- und Klimapläne sowie regionale Besonderheiten berücksichtigt werden.
Engpasserlöse zur Finanzierung
Ein weiterer Bestandteil des Netzpakets betrifft die Finanzierung grenzüberschreitender Leitungen. Künftig soll ein wachsender Anteil nicht verwendeter Engpasserlöse aus dem Stromhandel schrittweise in Projekte fließen, die Netzengpässe zwischen Mitgliedstaaten verringern.
Darüber hinaus haben die Energieminister eine neue Kategorie vorrangiger Infrastrukturprojekte geschaffen, die der Sicherheit und Widerstandsfähigkeit bestehender Stromnetze dient. Sie soll unter anderem Investitionen in Maßnahmen gegen Sabotage sowie physische und Cyberangriffe erleichtern.
Nach dem Beschluss der Allgemeinen Ausrichtung beginnen die Trilogverhandlungen zwischen Rat, Europäischem Parlament und Europäischer Kommission. Nach Angaben des Rates soll möglichst noch 2026 eine politische Einigung erzielt werden.
Energieverband für weniger Bürokratie
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begrüßte die Einigung grundsätzlich. Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae erklärte, beschleunigte Genehmigungsverfahren, eine bedarfsgerechte Netzplanung und Investitionssicherheit seien wichtige Voraussetzungen für den Ausbau der Energieinfrastruktur.
Zugleich forderte sie, zusätzliche Bürokratie zu vermeiden und nationale sowie regionale Besonderheiten bei der europäischen Netzplanung stärker zu berücksichtigen. Aus Sicht des Verbandes müssten zudem die Regelungen zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren über verschiedene Rechtsakte hinweg einheitlich und praxistauglich ausgestaltet werden.
Der Entwurf zur EU-Stromnetzinfrastruktur steht als PDF in englischer Sprache bereit.
Autorin: Susanne Harmsen