EU-Kommission will Emissionshandel reformieren

EU-Kommission schlägt Anpassungen beim Emissionshandel vor – Industrie und Umweltverbände bewerten die Pläne unterschiedlich.

17.07.2026

Quelle: E & M powernews

Die EU-Kommission will den europäischen Emissionshandel anpassen, um Industrie und Wettbewerb zu entlasten. Wirtschaft und Umweltverbände bewerten die Vorschläge sehr unterschiedlich.
 
Die Europäische Kommission hat eine Reform des europäischen Emissionshandelssystems (EU Emission Trading System, ETS) vorgeschlagen. Ziel ist es nach Angaben der Behörde, das Instrument an die wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen sowie das neue EU-Klimaziel für 2040 anzupassen. Die Vorschläge sehen unter anderem vor, die Zahl der verfügbaren Emissionszertifikate ab 2031 langsamer zu verringern und in einzelnen Bereichen zusätzliche kostenlose Zertifikate bereitzustellen.

Nach Angaben der Kommission soll der Emissionshandel weiterhin dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen bis 2040 um 90 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Gleichzeitig soll die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Industrien gestärkt werden. Unternehmen hatten zuletzt auf hohe Energiekosten und zunehmenden internationalen Wettbewerbsdruck hingewiesen und vor Produktionsverlagerungen sowie Werksschließungen gewarnt.

Hintergrund Zertifikatehandel

Das ETS verpflichtet große Industrieunternehmen und Kraftwerksbetreiber seit 2005, für ihren CO2-Ausstoß Emissionszertifikate vorzuhalten. Die Gesamtmenge der Zertifikate sinkt bislang jährlich, wodurch der CO2-Preis steigt und Investitionen in klimafreundliche Technologien wirtschaftlich attraktiver werden. Nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) haben sich die Emissionen der vom ETS erfassten Sektoren europaweit seit Einführung des Systems um rund 50 Prozent reduziert.

Konkret schlägt die Kommission vor, die jährliche Kürzung der Zertifikatemenge nach 2030 zu verlangsamen. Statt wie bisher vorgesehen jährlich um 4,4 Prozent soll die Zahl der Zertifikate zwischen 2031 und 2035 um 3,7 Prozent und zwischen 2036 und 2040 um 1,7 Prozent sinken. Zudem sollen Müllverbrennungsanlagen künftig in das System einbezogen und weitere Vorgaben für den Flug- und Seeverkehr eingeführt werden.

Unternehmen nicht verunsichern

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) warnt jedoch davor, das Preissignal des Emissionshandels abzuschwächen. Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae erklärte: „Der ETS muss seine Kernfunktion als verlässliches Instrument zur CO2-Bepreisung behalten.“ Unternehmen hätten auf dieser Grundlage erhebliche Investitionen in die Dekarbonisierung vorgenommen. Diese Investitionen dürften nicht an Wert verlieren.

Nach Auffassung des BDEW kann der Emissionshandel die industrielle Transformation nicht allein tragen. Erforderlich seien zusätzliche industrie- und handelspolitische Maßnahmen sowie gezielte Entlastungen, etwa über die Strompreiskompensation oder Carbon Contracts for Difference (CCfD). Außerdem fordert der Verband, Einnahmen aus dem Emissionshandel stärker für Investitionen in Stromnetze, Erneuerbare Energien, Wasserstoff und Technologien zur CO2-Abscheidung und -Speicherung einzusetzen.

Chemieunternehmen könnten abwandern

Auch aus der Industrie kommen unterschiedliche Signale. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert eine Reform, die industrielle Produktion langfristig in Europa sichert. BASF-Vorstandschef Markus Kamieth, zugleich Präsident des europäischen Chemieverbandes Cefic, kritisiert laut Medienberichten, der Emissionshandel in seiner derzeitigen Form verleite Unternehmen dazu, Produktionskapazitäten außerhalb Europas aufzubauen.

Demgegenüber warnen Unternehmen, die bereits erhebliche Summen in klimafreundliche Produktionsverfahren investiert haben, vor einer Abschwächung des Systems. Nach ihrer Einschätzung würde ein niedrigerer CO2-Preis Investitionen in emissionsarme Technologien entwerten und den Wettbewerb verzerren. Auch Umweltorganisationen sehen den Emissionshandel weiterhin als zentrales Instrument der europäischen Klimapolitik und sprechen sich für eine Verschärfung statt einer Lockerung aus.

Europapolitiker uneins

Im Europäischen Parlament stoßen die Vorschläge ebenfalls auf unterschiedliche Bewertungen. Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese hält zusätzliche kostenlose Zertifikate für gerechtfertigt, wenn diese an Investitionen in europäische Standorte geknüpft werden. Der Grünen-Abgeordnete Michael Bloss warnt dagegen vor einem Rückschritt beim Klimaschutz. Der SPD-Abgeordnete Tiemo Wölken fordert mehr Flexibilität für Unternehmen, sieht Hilfen jedoch ebenfalls an verbindliche Investitions- und Beschäftigungszusagen gebunden.

Die Reformvorschläge müssen nun vom Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten beraten werden. Erst nach einer Einigung der beiden Gesetzgeber können die Änderungen am europäischen Emissionshandel in Kraft treten.

Die Vorschläge der EU-Kommission zur Reform des EU-ETS stehen im Internet bereit.
 
Autorin: Susanne Harmsen

Die vollständige Pressemitteilung der Europäischen Kommission finden Sie hier.