Energiezentrale Wedau nutzt Abwärme aus Rechenzentrum
Die Stadtwerke Duisburg nutzen erstmals die Abwärme eines Rechenzentrums für die Fernwärmeversorgung. Die neue Energiezentrale Wedau kombiniert Wärmepumpe, Blockheizkraftwerke und Gaskessel
02.07.2026
Quelle: E & M powernews
Die Stadtwerke Duisburg haben die Energiezentrale Wedau in Betrieb genommen. Mit der Anlage erschließen die Stadtwerke eine bislang ungenutzte Energiequelle: die Abwärme.
Mit der Inbetriebnahme der Energiezentrale Wedau erweitern die Stadtwerke Duisburg ihre Fernwärmeversorgung um eine weitere Wärmequelle. Kern der Anlage ist die Nutzung der Abwärme eines benachbarten Rechenzentrums der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (DVV). Eine Wärmepumpe hebt das Temperaturniveau der anfallenden Abwärme auf die für das Fernwärmenetz erforderlichen 83 Grad Celsius an. Ergänzt wird die Anlage durch zwei Blockheizkraftwerke sowie einen Gaskessel zur Absicherung der Wärmeversorgung.
„Die Nutzung von Abwärme aus dem Rechenzentrum zeigt, wie sich vorhandene Energiepotenziale intelligent erschließen lassen. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Wärmewende vor Ort“, sagte Andreas Gutschek, Vorstand Infrastruktur und Strategie bei den Stadtwerken.
Herzstück der neuen Energiezentrale ist eine Wärmepumpe
Die Energiezentrale entstand innerhalb von zweieinhalb Jahren. Sie verbindet einen denkmalgeschützten Teil des ehemaligen Kesselhauses des früheren Ausbesserungswerks der Deutschen Bahn mit einem Neubau. Die Wärmepumpe befindet sich im historischen Gebäudeteil aus dem Jahr 1911 und ist durch eine Glasfront sichtbar. Die beiden Blockheizkraftwerke stehen im neuen Anbau.
Die Wärmepumpe verfügt über eine Leistung von 270 kW. Sie nutzt jährlich 1,4 GWh Abwärme aus dem Rechenzentrum. Die Wärme wird dort über Wärmetauscher aufgenommen und über eine unterirdische Leitung zur Energiezentrale transportiert. Nach der Temperaturanhebung speisen die Stadtwerke die Wärme in das Fernwärmenetz ein. Nach Angaben des Unternehmens reicht dieser Anteil aus, um rund 100 Haushalte mit Fernwärme zu versorgen.
Die beiden Blockheizkraftwerke leisten jeweils 1,8 MW thermisch und 1,5 MW elektrisch. Sie erzeugen Strom für den Jahresbedarf von rund 4.000 Haushalten. Die bereitgestellte Wärme reicht für etwa 1.000 Haushalte. Beide Aggregate sind H2-ready und können nach Angaben der Stadtwerke künftig auch mit Wasserstoff betrieben werden, sofern dieser verfügbar ist.
Gaskessel sichert Wärmeversorgung ab
Für den Fall eines Ausfalls der anderen Erzeugungsanlagen haben die Stadtwerke zusätzlich einen Gaskessel mit einer thermischen Leistung von 1.700 kW installiert. Das Unternehmen will durch die Kombination von Wärmepumpe, Blockheizkraftwerken und Spitzenlastkessel den Wärmebedarf flexibel decken und die Versorgung absichern.
Die Investitionskosten für die Energiezentrale belaufen sich nach Angaben der Stadtwerke auf rund 14 Millionen Euro. Das Unternehmen beziffert die jährliche CO2-Einsparung durch den Anlagenbetrieb auf rund 1.000 Tonnen.
Mit der Energiezentrale erschließt der Duisburger Versorger erstmals die Abwärme eines Rechenzentrums für die Fernwärmeversorgung. Das Projekt ist Teil der Strategie des Unternehmens, den Anteil klimafreundlicher Wärmequellen auszubauen. Als Ziel nennen die Stadtwerke eine CO2-neutrale Strom- und Wärmeerzeugung bis 2035.
Autorin: Heidi Roider