Energiewendemonitor: Tempo reicht nicht aus
Der Fortschrittsmonitor Energiewende 2026 zeigt Fortschritte bei erneuerbaren Energien, Wärmepumpen und Elektromobilität
02.06.2026
Quelle: E & M powernews
Der Ausbau erneuerbarer Energien und die Elektrifizierung haben 2025 an Dynamik gewonnen, so der BDEW in seinem „Fortschrittsmonitor“ zur Energiewende.
Auch wenn die offizielle Präsentation im Rahmen eines Webinars noch aussteht, hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) nun den diesjährigen Fortschrittsmonitor für die Energiewende in Deutschland veröffentlicht. Zentrale Erkenntnis: Die Energiewende in Deutschland hat 2025 weitere Fortschritte gemacht.
Vor allem der Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Elektrifizierung von Wärme und Verkehr entwickelten sich positiv. Gleichzeitig zeigt der Fortschrittsmonitor Energiewende 2026 von BDEW und der Beratungsgesellschaft EY, dass die Geschwindigkeit in zentralen Bereichen weiterhin nicht ausreicht, um die klima- und energiepolitischen Ziele bis 2030 zu erreichen.
Nach Angaben der Studienautoren stieg der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch trotz eines windschwachen ersten Quartals auf rund 56 Prozent und lag damit noch leicht über dem vorgesehenen Zielpfad. Der Ausbau der Windenergie gewann zwar an Dynamik, blieb jedoch hinter den erforderlichen Werten zurück. An Land kamen netto 4,6 Gigawatt hinzu, auf See lediglich 0,5 Gigawatt. Wachstumstreiber war erneut die Photovoltaik. Mit einem Zubau von knapp 18 Gigawatt wurde 2025 ein neuer Höchstwert erreicht.
Auch bei der Elektrifizierung verzeichnet der Bericht Fortschritte. So wurden 2025 so viele batterieelektrische Fahrzeuge neu zugelassen wie nie zuvor. Der Anteil reiner Elektroautos an den Neuzulassungen stieg auf rund 19 Prozent. Zudem entwickelten sich Wärmepumpen erstmals zur meistverkauften Heizungsart. Der Bestand erhöhte sich auf rund 2,2 Millionen Anlagen.
Vor dem Hintergrund geopolitischer Unsicherheiten bewerten die Autoren die Energiewende nicht mehr ausschließlich als Klimaschutzprojekt. Vielmehr sei sie zunehmend als Voraussetzung für Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Resilienz und eine geringere Abhängigkeit von Energieimporten zu betrachten. Die Transformation sei allerdings mit hohen Investitionen verbunden und damit mit einem Übergang von einem vorwiegend betriebskostenorientierten zu einem investitionsgetriebenen Energiesystem.
Treibhausgasemissionen kaum gesunken
Allerdings macht der Fortschrittsmonitor auch auf erhebliche Defizite aufmerksam. So gingen die Treibhausgasemissionen 2025 gegenüber dem Vorjahr lediglich um 0,1 Prozent zurück. Um die Klimaschutzziele für 2030 zu erreichen, wären laut Studie ab 2026 jährliche Emissionsminderungen von mehr als sieben Prozent erforderlich.
Auch im Bereich Wasserstoff sieht die Studie erheblichen Nachholbedarf. Zwar sei die Wasserstoffproduktion zuletzt wieder gestiegen, sie basiere jedoch weiterhin nahezu vollständig auf fossilen Energieträgern. Das Ziel von zehn Gigawatt Elektrolysekapazität bis 2030 erscheine zunehmend schwer erreichbar. Zwar seien Projekte mit einer Leistung von bis zu 13 Gigawatt angekündigt, finanziell gesichert oder bereits im Bau beziehungsweise Betrieb seien bislang jedoch lediglich rund 1,3 Gigawatt.
Eine Schlüsselrolle kommt den Energienetzen zu. Die Investitionsplanungen der Übertragungsnetzbetreiber stiegen 2025 auf 22,2 Milliarden Euro, die der Verteilnetzbetreiber auf 11 Milliarden Euro. Gleichzeitig erwarten die Studienautoren bis 2030 einen deutlichen Zuwachs neuer Netznutzer durch Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Ladeinfrastruktur. Für den Erfolg der Energiewende seien daher beschleunigte Genehmigungen, Digitalisierung, ein schnellerer Smart-Meter-Rollout sowie wettbewerbsfähige Kapitalbedingungen notwendig.
Defizite bestehen weiterhin im Wärmesektor. Der Anteil erneuerbarer Energien und Abwärme am Wärme- und Kältebedarf lag 2025 bei rund 20,7 Prozent und damit deutlich unter der Zielmarke von 32 Prozent klimaneutraler Wärme bis 2030. Positiv bewerten die Autoren die Fortschritte bei der kommunalen Wärmeplanung. Mehr als die Hälfte der Städte mit über 100.000 Einwohnern habe diese bereits abgeschlossen.
Als größtes Sorgenkind der Energiewende bezeichnet der Bericht den Verkehrssektor. Die Emissionen lagen 2025 bei 146 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten und damit deutlich über dem Zielwert von 73 Millionen Tonnen für das Jahr 2030.
Zwar entwickelte sich die Ladeinfrastruktur dynamisch: Die öffentliche Ladeleistung erreichte rund zehn Gigawatt und übertraf damit die europäischen Ausbauziele deutlich. Für eine erfolgreiche Verkehrswende seien jedoch weitere Anreize für Elektromobilität, langfristige Investitionssicherheit und zusätzliche Flächen für Ladeinfrastruktur erforderlich.
Der Fortschrittsmonitor 2026 steht auf der Internetseite des BDEW zum Download zur Verfügung.
Autor: Fritz Wilhelm