DUH warnt vor Klimafolgen neuer Gaskraftwerke

Eine FÖS-Studie sieht erhebliche CO₂- und Methanemissionen durch geplante Gaskraftwerke und plädiert für mehr Speicher, Biogas und einen schnelleren Umstieg auf grünen Wasserstoff.

07.09.2026

Quelle: E & M powernews

Eine FÖS-Studie im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) kritisiert die möglichen Emissionen neuer Gaskraftwerke. Sie erreichten bis 2045 bis zu 125 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt vor den möglichen Klimafolgen der im Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz (StromVKG) vorgesehenen neuen Gaskraftwerke. Nach einer Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag der DUH könnten die Anlagen bis 2045 insgesamt bis zu 125 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente verursachen. Die daraus resultierenden Klimaschäden könnten sich auf bis zu 127 Milliarden Euro belaufen. Die neuen Gaskraftwerke sollen die deutsche Stromversorgung sichern, auch in Zeiten, wenn erneuerbare Erzeuger nicht genug liefern.

Mit ihnen soll der Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038 möglich werden. Laut Daten des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) liegen die spezifischen CO2-Emissionen von Braunkohlekraftwerken bei 1 bis 1,2 Tonnen CO2 je erzeugter MWh Strom. Gaskraftwerke verursachen am Kraftwerk selbst mit etwa 0,35 bis 0,4 Tonnen CO2 je MWh deutlich weniger CO2. Die DUH und das FÖS weisen jedoch darauf hin, dass dieser Vergleich die Methanemissionen der Erdgas-Lieferkette nicht abbildet.

Klimaschädliche Erdgasproduktion

Die Studie betrachtet die ersten Ausschreibungen des StromVKG, mit denen 9.000 MW gesicherte Kraftwerksleistung geschaffen werden sollen. Der erste Gebotstermin startet am 8. September 2026. Nach Berechnungen des FÖS könnten die Kraftwerke bis 2045 im Betrieb bis zu 83 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen. Hinzu kommen bis zu 42 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente aus Methanemissionen entlang der Erdgas-Lieferkette. Dazu zählen die Förderung, Verarbeitung und der Transport des Gases. Klimaeffekte anderer Gase werden in CO2 umgerechnet, Methan trägt stärker zur Erderwärmung bei als CO2, wird aber schneller abgebaut.

Das FÖS unterscheidet dabei zwei Szenarien. Auf Grundlage von Szenarien der Bundesnetzagentur könnten die CO2-Emissionen einschließlich der Vorkettenemissionen bis zu 66 Millionen Tonnen betragen. Bei einer verzögerten Energiewende und einem entsprechend höheren Einsatz der Gaskraftwerke steige der Wert laut Studie auf bis zu 83 Millionen Tonnen. Die zusätzlichen Methanemissionen beziffert das FÖS je nach Herkunft und Lieferbedingungen des Erdgases auf bis zu 33 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente beziehungsweise bis zu 42 Millionen Tonnen im Szenario einer verzögerten Energiewende.

Bei der Berechnung der Klimawirkung berücksichtigt das FÖS das 20-jährige Treibhauspotenzial von Methan. Insgesamt ergeben sich laut Studie Emissionen zwischen 72 und 125 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Die nicht durch CO2-Preise gedeckten Klimaschäden beziffert das FÖS auf 19 bis 127 Milliarden Euro.

Neue Kraftwerke zu teuer

Neben den Klimafolgen kritisiert die Studie auch die staatliche Förderung der Kraftwerke. Der Gebotshöchstwert liegt bei 244.000 Euro je MW. Daraus könnte eine jährliche Förderung von bis zu 2,2 Milliarden Euro entstehen. Über einen Förderzeitraum von 15 Jahren wären damit bis zu rund 33 Milliarden Euro möglich. Finanziert werden soll die Förderung über eine Umlage auf den Stromverbrauch.

Die DUH fordert deshalb eine Änderung der Ausschreibungskriterien. Nach Ansicht der Organisation sollten diese technologieoffen gestaltet werden, damit auch Batteriespeicher, flexible Biogasanlagen und andere klimafreundliche Kapazitäten an den Ausschreibungen teilnehmen können. Dies sieht das Gesetz erst ab 2027 vor.

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, fordert zudem eine stärkere Berücksichtigung der Methanemissionen. „Diese werden bislang weder bei der Klimabilanz von Gaskraftwerken noch im Europäischen Emissionshandel ausreichend erfasst“, mahnte er. Auch das FÖS spricht sich laut Florian Zerzawy, Leiter Energiepolitik des FÖS und Hauptautor der Studie dafür aus.

Das Gesetz schreibt zudem keine verbindliche frühzeitige Umstellung der neuen Kraftwerke auf grünen Wasserstoff vor. Vorgesehen ist im Wesentlichen ein Konzept für eine spätere Umstellung. Für rund 4.000 MW Kraftwerksleistung soll eine Förderung der Umrüstung ab 2040 beziehungsweise 2043 möglich sein. Welche Anforderungen die Umstellungskonzepte erfüllen müssen und wie die Förderung finanziert wird, ist laut FÖS bislang offen.

Die DUH fordert daher verbindliche Fahrpläne für eine frühere Umstellung auf grünen Wasserstoff. Gleichzeitig solle die Bundesregierung eine strengere Regulierung der Methanemissionen auf europäischer Ebene unterstützen. Gasimporte sollten demnach nur zugelassen werden, wenn ihre Methanintensität unter 0,2 Prozent liegt. Eine Methanabgabe könnte zusätzliche Anreize schaffen, Leckagen entlang der Lieferkette zu reduzieren, so die DUH.

Autorin: Susanne Harmsen