Die Zukunft der industriellen Produktion
09.07.2026
Das Impulswebinar zum Auftakt des neuen Themenblocks „Produktion von Morgen“ hat deutlich gemacht, wie stark sich industrielle Wertschöpfung derzeit verändert. Im Mittelpunkt standen die Fragen, wie Unternehmen mit Fachkräftemangel, wachsendem Wettbewerbsdruck und steigender Komplexität umgehen können — und welche Rolle digitale Technologien, Automatisierung und Künstliche Intelligenz dabei spielen.
Produktion der Zukunft ist mehr als Automatisierung
Die drei Beiträge von Dr. Andreas Hackner (Bayern Innovativ), Bernhard Schmidt (Nepata Vertrieb GmbH) und Dr. Michael Göller (Nisar GmbH) zeigten ein gemeinsames Bild: Die Produktion der Zukunft entsteht nicht allein durch neue Maschinen, sondern im Zusammenspiel von Digitalisierung, Daten, KI, Resilienz, Nachhaltigkeit und neuen Formen der Zusammenarbeit. Genannt wurden unter anderem Themen wie KI in der Produktion, Robotik und Cobots, Prozessautomation, mechatronische Antriebssysteme, additive Fertigung sowie Fragen der Produktsicherheit
Gerade für den industriellen Mittelstand wird Transformation damit zu einer strategischen Aufgabe: Unternehmen müssen schneller auf Veränderungen reagieren, gleichzeitig aber praxistaugliche Lösungen finden, die an bestehende Prozesse anschlussfähig sind.
Fachkräftemangel bleibt eine zentrale Herausforderung
Ein wiederkehrendes Thema aller Vorträge war der Fachkräftemangel. Er wurde als akute strukturelle Herausforderung beschrieben, die sich durch den demografischen Wandel weiter verschärft. Die Folgen reichen von Verzögerungen und sinkender Termintreue bis hin zu aufgeschobenen Innovationsprojekten.
Deutlich wurde zugleich: Fachkräftesicherung braucht mehrere Hebel. Neben Ausbildung, Qualifizierung und attraktiven Arbeitswelten gewinnen technologische Entlastung, Automatisierung und intelligente Assistenzsysteme weiter an Bedeutung.
KI entfaltet ihren Nutzen vor allem in konkreten Anwendungsfällen
Ein zentrales Learning des Webinars war der praxisnahe Blick auf Künstliche Intelligenz. KI wurde nicht als abstrakte Zukunftsvision beschrieben, sondern als Werkzeug für klar umrissene Anwendungsfälle — insbesondere dort, wo unstrukturierte Informationen verarbeitet werden müssen, etwa in Dokumenten, Bildern, Freitexten oder Anfragen. Vorgestellt wurden Beispiele aus Wissensmanagement, Audit-Unterstützung, Angebots- und Anfragebearbeitung, Produktionsplanung, Materialdisposition und Qualitätssicherung. In einem Beispiel konnte der Bearbeitungsaufwand im Auftragseingang von über einer Stunde auf etwa fünf Minuten reduziert werden.
Ebenso deutlich war aber auch: Schlechte Prozesse werden durch KI nicht automatisch besser. Erfolgreiche Digitalisierung setzt voraus, dass Abläufe verständlich, strukturiert und sinnvoll gestaltet sind.
Robotik unterstützt den Menschen
Auch Robotik wurde als wichtiger Baustein der Produktion der Zukunft eingeordnet — vor allem dort, wo repetitive, körperlich belastende oder ergonomisch ungünstige Tätigkeiten anfallen. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen gelten Cobots als zugänglicher Einstieg, weil sie flexibel einsetzbar sind und Mitarbeitende gezielt entlasten können.
Dabei steht nicht der Ersatz des Menschen im Vordergrund, sondern das Human-in-the-Loop-Prinzip: Menschen bleiben entscheidend, wenn es um Bewertung, Plausibilisierung und Freigabe von Ergebnissen geht.
Vernetzung und schrittweise Umsetzung sind entscheidend
Ein weiterer roter Faden des Webinars war die Bedeutung von Vernetzung. Transformation gelingt dort am besten, wo Unternehmen, Forschung und Praxisakteure miteinander ins Gespräch kommen, Erfahrungen teilen und gemeinsam an tragfähigen Lösungen arbeiten.
Die Beiträge machten zudem deutlich, dass der Weg in die Produktion der Zukunft selten über den großen Sprung verläuft. Empfohlen wurden stattdessen klare Use Cases, Pilotprojekte, wirtschaftliche Prüfung, iterative Umsetzung und die frühe Einbindung der Mitarbeitenden.
Fazit
Das Impulswebinar hat gezeigt: Die Produktion der Zukunft ist kein fernes Zielbild, sondern eine konkrete Gestaltungsaufgabe. Wer technologische Möglichkeiten mit klaren Prozessen, qualifizierten Mitarbeitenden und praxistauglichen Anwendungsfällen verbindet, schafft die Grundlage für mehr Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Innovationskraft.