Dena legt Konzept für Energiedatenraum vor

Eine neue Studie skizziert den Aufbau einer föderierten Dateninfrastruktur, die Netzbetreiber, Energieversorger und weitere Marktakteure bei der Steuerung eines flexiblen Energiesystems vernetzen soll.

15.10.2026

Quelle: E & M powernews

Die Deutsche Energieagentur  hat in einer Studie den künftigen Datenaustausch in der Energiewirtschaft untersucht. Eine neue digitale Infrastruktur könnte helfen.

Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) will den Datenaustausch in der Energiewirtschaft bis 2032 grundlegend weiter entwickeln. Eine vorgelegte Studie beschreibt den Aufbau eines sogenannten Energiedatenraums, über den Netzbetreiber, Energieversorger, Messstellenbetreiber und weitere Marktteilnehmer künftig Informationen austauschen sollen.

Die Untersuchung wurde von der Unternehmensberatung „c.con“ und dem Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) im Auftrag der Dena erstellt, teilte die Dena mit.

Hintergrund ist die zunehmende Digitalisierung des Stromsystems. Mit dem Ausbau von PV, Batteriespeichern, Wärmepumpen und Ladestationen müsssen immer mehr Anlagen aufeinander abgestimmt werden, hinzukommen dynamische Stromtarife und variable Netzentgelte. Dafür müssen Messwerte, Preisinformationen und Steuerungsdaten zwischen verschiedenen Unternehmen zuverlässig und teilweise kurzfristig ausgetauscht werden. Die bisherigen Verfahren der Marktkommunikation sind darauf nach Einschätzung der Studienautoren nur begrenzt vorbereitet.

„Föderierte Infrastruktur“

Die heutige Marktkommunikation in der Stromwirtschaft basiert überwiegend auf dem direkten Austausch standardisierter elektronischer Nachrichten zwischen Netzbetreibern, Lieferanten und Messstellenbetreibern. Dafür nutzen die Unternehmen eigene IT-Systeme und festgelegte Datenformate.

Das System stößt laut Studie insbesondere bei wachsenden Datenmengen und einer steigenden Zahl beteiligter Unternehmen jedoch an Grenzen. Unterschiedliche Datenstände verursachten zusätzlichen Abstimmungsaufwand. Hinzu kämen hohe Kosten für die technische Anbindung neuer Marktteilnehmer sowie umfangreiche Tests bei Änderungen bestehender Prozesse.

Der vorgeschlagene Energiedatenraum soll diese Probleme durch gemeinsame Standards und Schnittstellen verringern. Vorgesehen ist eine sogenannte „föderierte Infrastruktur“. Dabei werden Informationen nicht zwangsläufig in einer zentralen Datenbank zusammengeführt. Vielmehr verbleiben die Daten möglichst bei den jeweils verantwortlichen Unternehmen. Diese entscheiden weiterhin darüber, wer unter welchen Voraussetzungen darauf zugreifen darf.

Variable Netzentgelte als Anwendungsfall

Wie ein solcher Datenaustausch funktionieren könnte, untersuchten die Autoren am Beispiel variabler Stromnetzentgelte. Für die Abrechnung müssen unter anderem viertelstündliche Verbrauchswerte, Tarifinformationen und Stammdaten zwischen Netzbetreibern, Lieferanten und Messstellenbetreibern ausgetauscht werden.

Im Rahmen der Untersuchung wurde dieser Datenaustausch mithilfe des Referenzsystems „Re4DE“ modelliert und erprobt. Nach Angaben der Studienautoren zeigte der datenraumbasierte Ansatz insbesondere bei der Verarbeitung größerer Datenmengen, der Automatisierung und der Einbindung unterschiedlicher Systeme Vorteile gegenüber der bisherigen Marktkommunikation.

„Datenaustausch im Energiesystem ist eine Voraussetzung für Versorgungssicherheit, Wettbewerb und Innovation“, erklärte Dena-Geschäftsführerin Corinna Enders. Sie fordert eine gemeinsame strategische Entscheidung von Politik und Energiewirtschaft sowie eine langfristig tragfähige Finanzierung der neuen Infrastruktur.

Die Umstellung soll nach Vorstellung der Studienautoren schrittweise erfolgen. Zunächst sollen einzelne Anwendungen unter kontrollierten Bedingungen erprobt werden. Anschließend ist ein Parallelbetrieb mit der bestehenden Marktkommunikation vorgesehen, bevor ausgewählte Prozesse auf die neue Infrastruktur übertragen werden.

Die Studie „Zukunftsfähiger Datenaustausch über den Energiedatenraum“ steht auf der Dena-Seite zum Download bereit.

Autor: Stefan Sagmeister