Nachhaltigkeit im 3D-Druck – Kurzinterview mit Prof. Dr. Dietmar Drummer, FAU Erlangen-Nürnberg

09.02.2024

Wirtschaftlich erfolgreich sein und gleichzeitig Umweltaspekte im Blick haben – das wird für Unternehmen immer wichtiger. Die Additive Fertigung kann einen wichtigen Teil zu mehr Nachhaltigkeit beitragen, schließlich werden bei diesem Verfahren Materialien sparsam verwendet und bei der Produktion werden keine Formen benötigt. Doch wie nachhaltig ist der industrielle 3D-Druck wirklich? Über diese und weitere spannende Fragen haben wir mit dem Experten Prof. Dr. Dietmar Drummer gesprochen.

Titel Interview Prof. Dr. Drummer

Ist die Additive Fertigung nachhaltig, Herr Professor Drummer?

Auf jeden Fall! Im Vergleich zu klassischen Produktionstechnologien ist die Prozesskette bei der Additiven Fertigung wesentlich kürzer, außerdem werden aufwendige Prozesshilfen wie formgebende Werkzeuge nicht mehr benötigt. Das spart Energie und auch werkstoffliche Ressourcen. Die Ausprägung dieser Einsparungen ist je nach Werkstoff und Verfahren, aber auch je nach Anwendung, sehr unterschiedlich. Die Potenziale der Additiven Fertigung sind dabei bei Weitem noch nicht ausgeschöpft.

Gibt es bereits heute innovative Ansätze, die den ökologischen Fußabdruck der Technologie reduzieren?

Die Ansätze zur weiteren ökologischen Verbesserung der Additiven Fertigung sind vielfältig. Sie beziehen sich auf Prozessbeschleunigungen und -automatisierung, die Verwendung biobasierter oder recycelter Werkstoffe und das Recycling von Produktionsabfällen und Produkten. Auch die weitere Erhöhung der Bauteilqualitäten und verbesserte Nutzung der Werkstoffpotenziale, zum Beispiel durch optimierte Konstruktionen und gezielte Nutzung werkstoff- und prozessbedingter Anisotropien, trägt zu mehr Nachhaltigkeit bei.

Werfen wir einen Blick in die Glaskugel: Welche Potenziale hat die Additive Fertigung langfristig, die Produktion nachhaltiger zu machen?

Die Produktion der Zukunft ist emissionsfrei, sie arbeitet mit grüner Energie unter Einsatz nachhaltiger Werkstoffe wie biobasierter Kunststoffe. Sie erfordert keine produktspezifischen Hilfsmittel in der Produktion, arbeitet rationell, robust und sicher und ermöglicht höchste Bauteilqualität mit hoher Funktionsintegration. Die Additive Fertigung ist im weiten Feld der Produktionstechnik weitgehend allein auf dem Weg, alle diese Ziele perspektivisch zu bedienen.


Prof. Dr. Dietmar Drummer ist Inhaber des Lehrstuhls für Kunststofftechnik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Bei der EinDruck³, die am 6. März 2024 in Fürth stattfinden wird, moderiert er eine interaktive Session zum Thema „Nachhaltige Produktlebenszyklen der Additiven Fertigung“.


EinDruck³: Austausch statt Frontalbeschallung

Passive Wissensvermittlung war gestern! Die EinDruck³ bietet Ihnen die Möglichkeit, im Rahmen von interaktiven Sessions mit anderen Teilnehmenden über aktuelle Fragen und Herausforderungen der Additiven Fertigung zu diskutieren. Die Sessions haben die thematischen Schwerpunkte Nachhaltigkeit und Datengewinnung und -nutzung und werden von Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft moderiert.
Abgerundet wird das Event durch zwei hochkarätige Key Notes von Gerhard Schaller (Leiter Digitalisierung, Brose) und Dr. Nicholas Deliyanakis (Policy Coordinator, EU-Kommission).
Seien Sie dabei und holen Sie sich Inspiration für Ihren Arbeitsalltag und für zukünftige Projekte!

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