Hightech für die Forensik

01.08.2018

Biometrische Spuren liefern unverzichtbare Informationen über die Täter von Straftaten. Das Forschungsprojekt HUSSA vereinfacht die Spurensuche und Analyse erheblich.

Spurensicherung Forensik HUSSA FörderungEin neues Verfahren des Forschungsprojekts HUSSA ermöglicht eine vereinfachte Spurensuche an Tatorten. (Bildnachweis: Fotolia@SZ-Designs)

Bei jeder Berührung eines Gegenstandes hinterlassen die Papillarleisten in den Handinnen- und Fußinnenseiten eines Menschen ein charakteristisches Abdruckmuster. Werden die Oberflächen zum Beispiel mit Cyanacrylat bedampft, bilden die im Fingerabdruck befindlichen Fette, Aminosäuren und Wasser einen weißen Niederschlag. Die Daktyloskopie – die so sichtbar gemachten Spuren der Papillarlinien – ist in der Kriminalistik nach wie vor das bedeutendste Verfahren zur Identifizierung von Personen. Biometrische Spuren liefern unverzichtbare Informationen über den Hergang und die Täter von Straftaten.

Ziel des 2012 gestarteten Forschungsprojekts HUSSA – Humangenetische Spurensuche und Analyse – war, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem daktyloskopische Spuren berührungslos erfasst und den zuständigen Behörden möglichst fehlerfrei und ohne Zeitverlust drahtlos übermittelt werden können.

Im Rahmen des von der Bayerischen Forschungsstiftung geförderten Projekts wurden zwei unterschiedliche Verfahren (physikalisch/chemisch und optisch) entwickelt, die ermöglichen, Fingerabdrücke sichtbar zu machen. Beim optischen Verfahren wird der Fingerabdruck beleuchtet,  um ihn sichtbar zu machen; beim chemischen Verfahren mit einer Substanz (hier Cyanacrylat) bedampft.

Beide Verfahren ermöglichen das ferngesteuerte und automatisierte Aufnehmen und Sichern humangenetischer Spuren auch unter erschwerten polizeilichen Einsatzbedingungen und allen denkbaren Umwelteinflüssen. Die Neuentwicklungen sollen sowohl in Gebäuden wie im Gelände und sogar auf einem mobilen Roboter bei sogenannten „Unkonventionellen Spreng- oder Brandvorrichtungen“ (USBV) – eingesetzt werden können. Darüber hinaus wurden Referenzmuster zum Nachweis des fehlerfreien Cyanacrylat-Bedampfungsprozesses für die Demonstratoren entwickelt.

Referenzmuster und Testspurenträger

Der Industriepartner des Projekts HUSSA, die Schleißheimer Gerätebau GmbH entwickelte aus dem Referenzmuster einen Testspurenträger. Dieser wird seit 2016 bei Sicherheitsbehörden für den Nachweis der fehlerfreien Spurensicherung erfolgreich eingesetzt. Es stellte sich heraus, dass das physikalisch-chemische Verfahren technisch wesentlich einfacher und damit auch günstiger in der Weiterentwicklung und Herstellung der Geräte ist. Dabei erwies sich auch das Cynacrylat-Gerät einfacher in der Bedienung.

Daher entwickelte das Unternehmen in einem vom Projektträger Bayern geförderten Folgeprojekt den Demonstrator für die Sicherung und Sichtbarmachung von Spuren nach dem physikalisch/chemischen Prinzip zum Prototyp weiter. Die Markteinführung erfolgte Anfang 2018. Das Gerät wurde bereits im Februar auf der internationalen Fachmesse und Konferenz für Innere Sicherheit in Frankfurt am Main der Öffentlichkeit präsentiert.

Projekt HUSSA erfolgreich gefördert

Das Projekt „HUSSA – Suche und Sicherung von daktyloskopischen Spuren“ wurde von der Bayerischen Forschungsstiftung von 2012 bis 2015 mit rund 330.000 Euro gefördert. Aufgrund der positiven Forschungsergebnisse konnte im Rahmen des vom Projektträger Bayern betreuten BayTP-Projekts „Mobiles Cyanacrylat-Bedampfungsgerät für die Daktyloskopie“ von 2015 bis 2017 ein Prototyp entwickelt werden. Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Energie und Technologie stellte dafür eine Fördersumme von rund 180.000 Euro zur Verfügung.

Beide Fördermittelgeber sind Partner in der Bayerischen Forschungs- und Innovationsagentur (BayFIA). Die fünf Partner in der BayFIA bieten ein umfassendes Service- und Beratungsangebot zu Forschungs- und Innovationsförderung, Technologietransfer, Patenten und Lizenzen.

Die Bayerische Forschungs- und Innovationsagentur: Fünf starke Partner unter einem Dach

 Die Projektpartner

  • Landeskriminalamt Bayern
    Das Strategische Innovationszentrum der Bayerischen Polizei fungierte als Know-how-Träger und Ideengeber.
  • Bundeskriminalamt
    Die Tatortgruppe beriet aus Anwendersicht; vier Landeskriminalämter lieferten zusätzlich spezifisches Know-how.
  • Hochschule München
    Das Labor für Konstruktionstechnik koordinierte das Projekt, erarbeitete die Grundlagen und entwickelte den Demonstrator. (Prof. Peter Leibl)
  • Schleißheimer Gerätebau
    Das mittelständische Unternehmen produzierte Versuchseinheiten und Demonstratoren und brachte den Prototypen zur Serienreife.

 Weitere Informationen über das Forschungsprojekt HUSSA finden Sie hier.

Ihr Kontakt

Dr. Urs Bernhard
Pamela Koch
Elke Büttner