Förderprogramm einfach erklärt: BayTP+

Die Umstellung von herkömmlichen Anwendungen auf neue Technologien stellt oft eine komplexe und kostspielige Herausforderung dar. In diesem Zusammenhang hat sich das Bayerische Technologieförderungs-Programm Plus (BayTP+) zum Ziel gesetzt, vor allem mittelständische Unternehmen gezielt bei Forschung, Entwicklung und Innovation zu unterstützen. Für Firmen, die an der Entwicklung neuer innovativer Technologien interessiert sind und nach Fördermöglichkeiten suchen, bieten wir hier einen kompakten Überblick über die wichtigsten Informationen. Die zentralen Fragen zum Förderprogramm BayTP+ beantwortet im nachfolgenden Dr. Stephanie Rith vom Projektträger Bayern.

Förderprogramm einfach erklärt: BayTP+
BayTP+: Das Förderprogramm für Innovationen im Mittelstand

Für wen ist das Bayerische Technologieförderungs-Programm plus (BayTP+) gedacht?

Dr. Stephanie Rith: Die Kernzielgruppe des Förderprogramms BayTP+ sind vor allem etablierte kleine und mittlere Unternehmen mit Sitz in Bayern. Um das ein bisschen einzuordnen: Bei kleinen Unternehmen sprechen wir von Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von weniger als 10 Millionen Euro. Und bei den mittleren Unternehmen sind wir dann schon bei bis zu 250 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von bis zu 50 Millionen Euro. Im Einzelfall können wir auch größere Unternehmen berücksichtigen, z.B. im Bereich bis 400 Beschäftigte oder auch Großunternehmen. Heute konzentrieren wir uns auf die kleinen und mittleren Unternehmen, die wirklich im Fokus dieses Förderprogramms stehen.

Gibt es eine Einschränkung in Bezug auf die Art der Technologie?

Dr. Stephanie Rith: Das ist einer der Vorteile von BayTP+. Das Förderprogramm an sich ist zunächst einmal technologieoffen. Und auch in der Praxis fördern wir hier Firmen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Das heißt, von den eher klassischen Branchen wie Anlagenbau, Maschinenbau oder Metallverarbeitung, aber auch über andere Branchen wie Aerospace, Biotechnologie, Medizintechnik, Elektrotechnik, Automotive bis hin zu Recycling, Werkstoffindustrie und auch Energie - und Umwelttechnik sind wirklich die unterschiedlichsten Branchen, die wir in Bayern haben, auch bei den zu fördernden Unternehmen vertreten.

Wann sollten sich Technologieunternehmen explizit an Euch wenden?

Dr. Stephanie Rith: Bei uns geht es explizit um Entwicklungsprojekte. Dabei handelt es sich um technologisch neue oder deutlich verbesserte Produkte und Produktionsverfahren. Das heißt, was hier wichtig ist: Es muss ein hoher Innovationsgehalt da sein und das Projekt muss deutlich über den aktuellen Stand der Technik hinausgehen. Es muss schon eine erhebliche Verbesserung vorhanden sein beziehungsweise meistens sind es auch einfach neue Entwicklungen von Technologien. Die wesentliche Umsetzung soll im Unternehmen stattfinden, mit dem eigenen Forschungs- und Entwicklungspersonal der Firma.

Welche Kosten werden als förderfähig betrachtet?

Dr. Stephanie Rith: Wir können einige Kosten fördern. Wichtig ist immer, dass sich die Kosten auf die technische Entwicklung beziehen. Das heißt, wir können zum Beispiel Personalkosten fördern. Voraussetzung ist aber, dass es sich um eigenes, technisches und festangestelltes Personal handelt. Bei solchen Entwicklungsprojekten kommen aber schnell noch ganz andere Kosten dazu. Was wir daher auch fördern können, sind Kosten für Instrumente und Ausrüstungen, soweit sie für dieses Entwicklungsprojekt notwendig sind und neu angeschafft werden.

Wichtig ist auch, wir können in einem bestimmten Umfang ebenso Dienstleistungsaufträge an andere Unternehmen fördern, wenn es um technische Entwicklung, Beratung oder Konstruktion geht. Dann gibt es noch die Materialkosten und die Bedarfsmittel, die für den Prototypenbau anfallen. Wir haben einfach verschiedene Komponenten, das können wir alles unter der Kostenkategorie sonstige Betriebsausgaben unterstützen. Was wir auch fördern können, was viele nicht im Blick haben, ist das Thema Schutzrechte. Und zwar können die Kosten für die Erlangung, Validierung und Verteidigung von Patenten, die sich auf das Entwicklungsprojekt beziehen, ebenso gefördert werden.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, damit ein Unternehmen gefördert wird?

Dr. Stephanie Rith: Es gibt bestimmte Voraussetzungen, die sind einfach in den Richtlinien vorgegeben. In unseren Beratungen gehen wir dann gerne mit den Unternehmen im Detail darauf ein, dass wir immer so ein bisschen schauen, wo ist noch Abstimmungsbedarf. Ich nenne jetzt mal die fünf relevantesten Punkte.

Wichtig ist, dass das Projekt im Wesentlichen im Unternehmen durchgeführt wird, mit Sitz in Bayern, und dass auch die spätere wirtschaftliche Verwertung im Unternehmen stattfindet. Dann, ganz wichtig, das Projekt darf noch nicht begonnen haben. Also, bitte so früh wie möglich mit uns Kontakt aufnehmen. Zudem muss das Vorhaben selbst technische und wirtschaftliche Risiken aufweisen, was bei einem Innovationsprojekt in der Regel von selbst gegeben ist.

Dann ist die nächste Voraussetzung, dass das Projekt und das Projektziel irgendwo in ein Produkt oder in ein Produktionsverfahren münden muss und das muss auch mittelfristig wirtschaftlich erfolgversprechend sein. Das heißt, wir schauen uns das dann wirklich im Detail an: Wie sieht die Verwertungsperspektive im einfachsten Fall aus? Wie soll das neue Produkt vermarktet werden? Wer ist die Zielgruppe dafür? Wie groß ist das wirtschaftliche Potenzial in der Branche? Hat das Unternehmen bereits Zugang zu diesem Markt?

Relevant ist auch der volkswirtschaftliche Beitrag. Mit anderen Worten: Welche Auswirkungen hat ein erfolgreiches Entwicklungsvorhaben auf Ihr Unternehmen? Kann es neue Arbeitsplätze schaffen? Wie profitiert die Branche und die Kundenzielgruppe davon? Wenn sie ein neues Produkt verkaufen, welche Herausforderungen werden damit gelöst? Gerade im Bereich der Medizintechnik ist ein volkswirtschaftlicher Nutzen sehr schnell gegeben.

Und zu guter Letzt muss Ihr Unternehmen über das notwendige technische und wirtschaftliche Potenzial verfügen, um das Entwicklungsprojekt durchführen zu können. Das heißt, worüber wir immer reden müssen, ist, dass die Finanzierung des Eigenanteils gesichert ist. Also, es muss schon ein gewisser Businessplan dahinterstehen, wie Sie die ganze Entwicklungsphase finanzieren, damit auch das Unternehmen in den Genuss der Förderung kommt.

Förderrichtlinien sind komplex, aber stellen einen großen Nutzen für Unternehmen dar. Deshalb ist es mir ein großes Anliegen, die Ängste vor zu großem bürokratischem Aufwand zu minimieren. Kontaktieren Sie unser Team vom Projektträger Bayern, wir unterstützen Sie mit vollem Herzblut.

Dr. Stephanie RithProjektträger, Projektmanagerin, Bayern Innovativ GmbH


Mit welchen Fördersätzen kann ein Unternehmen rechnen?

Dr. Stephanie Rith: Wir haben einen Basisfördersatz von 25 Prozent und dann gibt es noch eine Komponente, die von der Unternehmensgröße abhängt. Das ist bei mittleren Unternehmen plus 10 Prozent, also 35 Prozent Förderquote und bei kleinen Unternehmen sind bis zu 45 Prozent möglich. Das ist aber auch notwendig, denn wenn wir uns typische förderfähige Gesamtkosten anschauen, sind wir einfach schnell im Bereich von 400.000 bis auch 1 bis 2 Millionen Euro. Wir sprechen hier von Entwicklungsprojekten, die oft einen Durchführungszeitraum von eineinhalb bis zwei Jahren haben.

Kannst Du das bitte an einem konkreten Rechenbeispiel veranschaulichen?

Dr. Stephanie Rith: Klar, gerne. Bleiben wir einfach bei den kleinen Unternehmen und ich nehme förderfähige Gesamtkosten von 1,5 Millionen Euro. Das ist relativ schnell erreicht und durchaus realistisch. Das heißt, wir haben eine Förderquote von 45 Prozent. Die Fördersumme liegt dann bei 675.000 Euro. Und das ist wirklich schon ein beachtlicher Anteil. Da möchte ich auch noch einmal betonen, dass die Förderung im BayTP+ Programm ein Zuschuss ist. Das bedeutet, im Vergleich zu einem Darlehen muss dieser Zuschuss eben nicht zurückgezahlt werden. Und weil wir das Thema Eigenanteil hatten, der ja vom Unternehmen finanziert werden muss. Dieser reduziert sich dann von 1,5 Mio. Euro auf 825.000 Euro.

Wo, wie und wann kann ein Unternehmen eine Förderung beantragen?

Dr. Stephanie Rith: Ansprechpartner ist hier der Projektträger Bayern als der für diese Förderrichtlinie zuständige Projektträger. Mit uns können Sie am einfachsten über die Förderlotsen und die Förderhotline Kontakt aufnehmen. Das offizielle Antragsverfahren bei BayTP+ ist zweistufig. Die erste Stufe ist ein Kurzantrag. Wir sprechen auch von der Skizzenphase. Hier wird das Unternehmen und das Entwicklungsvorhaben vorgestellt. Der Fokus, den wir vorhin hatten, ist hier auch wieder wichtig. Was ist die Innovation? Wo ist die Abgrenzung zum Stand der Technik? Welche technischen Risiken können bei diesem Projekt auftreten? Wie ist die geplante Verwertung? Wenn dann die eingereichte Skizze positiv bewertet wird, dann wird die Firma zur Antragstellung zugelassen und dann sind wir praktisch in der zweiten Phase.

In der zweiten Phase, der konkreten Antragsphase, geht es dann einfach nochmal um die Details. Zu schauen, wie ist das Geschäftsmodell, wie ist der Businessplan, der zu dem zu entwickelnden Produkt führt. Da müssen wir dann wirklich in die Details der betriebswirtschaftlichen Planzahlen und der Liquiditätsplanung schauen, dass die Finanzierung des Eigenanteils gesichert ist.

Gibt es für die Bewerbung für BayTP+ einen bestimmten Stichtag?

Dr. Stephanie Rith: Das ist auch einer der Vorteile des BayTP+ Programms. Anträge können das ganze Jahr über gestellt werden. Es gibt also keine expliziten Fristen. Wichtig an der Stelle ist, dass wir wirklich nur Projekte fördern können, die noch nicht begonnen haben. Also, sobald klar ist, dass Sie ein Entwicklungsprojekt planen, nehmen Sie einfach frühzeitig Kontakt mit uns auf.

Im zuletzt vorgestellten Förderprogramm BayTOU werden auch technologiestarke Unternehmen gefördert. Worin besteht der Unterschied zu BayTP+?

Dr. Stephanie Rith: Die Unterschiede zwischen den beiden Förderprogrammen liegen vor allem in der Zielgruppe. Bei BayTOU richtet sich die Förderung explizit an junge Unternehmen, an Start-ups, die nicht älter als sechs Jahre sind. Und Ziel der Förderung ist es, die technologische Basis dieser noch sehr jungen Unternehmen zu stärken. Wichtig ist auch, dass die Unternehmen weniger als zehn Vollzeitbeschäftigte haben. Die Förderquote beträgt bei BayTOU bis zu 45 Prozent.

BayTP+ richtet sich dagegen an etablierte kleine und mittlere Unternehmen, da ist das Unternehmensalter kein Kriterium mehr. Und was wir eben schon angesprochen haben, wir haben hier auch eine Abhängigkeit des Fördersatzes von der Unternehmensgröße. Das heißt im Basisfördersatz 25 %, 35 % für mittlere Unternehmen und dann auch die 45 % für kleine Unternehmen.

Welche Gemeinsamkeiten haben BayTOU und BayTP+?

Dr. Stephanie Rith: Es gibt eine Reihe von Gemeinsamkeiten. Bei beiden Förderprogrammen liegt der Fokus auf der Förderung von technologischer Innovation und Neuheit. Und es ist wichtig, dass am Ende ein Produkt und auch eine wirtschaftliche Verwertung steht. Dann haben wir bei beiden das zweistufige Antragsverfahren und wir können Kosten in den gleichen Kategorien fördern. Das sind Kosten für Personal, Material, für Instrumentenausrüstung und eben auch diese fremdvergebenden Dienstleistungsaufträge sind möglich.

Wie finden Unternehmen das richtige Förderprogramm, das speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist?

Dr. Stephanie Rith: Was ich den Unternehmen ans Herz legen möchte, ist das Gespräch mit den jeweiligen Projektträgern. Also, jetzt ganz konkret bei BayTP+ und bei BayTOU mit uns vom Projektträger Bayern, weil wir die entsprechenden Projektträger für diese Förderprogramme sind. Schauen Sie einfach, wer ist der entsprechende Projektträger und fragen Sie dort nach. Denn es ist einfach so, dass wir wirklich diejenigen sind, die tagtäglich mit den Unternehmen sprechen, die die Förderprojekte betreuen, die einfach auch die Feinheiten der jeweiligen Förderrichtlinie kennen. Dann ist auch der Kontakt zu uns während der Projektlaufzeit wichtig. Wir reden hier über innovative Entwicklungsprojekte. Da kann viel geplant werden und es ist einfach so, dass ab und zu die Planung von der Realität eingeholt wird. Also, von daher keine Scheu, einfach auf uns zuzugehen und den Kontakt zu den Projektträgern suchen.

Das gibt wahrscheinlich auch oft einfach Sicherheit und noch mal ein bisschen Rückhalt in so einem Projektverlauf, oder?

Dr. Stephanie Rith: Genau, hier möchte ich auch nochmal das Thema Beratung ansprechen, weil es einfach wichtig ist. Es sind komplexe Entwicklungsprojekte, wir haben auch komplexe Förderrichtlinien und hier ist es einfach so, dass die Beratung durch uns vom Projektträger Bayern für die Unternehmen kostenlos ist. Also bitte nutzen Sie diese Möglichkeiten, die wir bieten und nehmen Sie einfach über die Kolleginnen und Kollegen vom Förderlotsen Kontakt zu uns auf.


Das Interview führte Christoph Raithel, Teamleiter Event bei der Bayern Innovativ GmbH.

Hören Sie sich das vollständige Interview als Podcast an:

BayTP+: Das Förderprogramm für Innovationen im Mittelstand

Sie haben eine neue innovative Technologie in Ihrem Unternehmen, die es wert ist, gefördert zu werden? Dann informieren Sie sich mit dieser Folge über das Bayerische Technologieförderungs-Programm plus (BayTP+). Dr. Stephanie Rith beleuchtet für Sie die Vorteile & Anforderungen kurz, kompakt und vor allem verständlich.

Bitte beachten Sie: In der Folge hat sich leider ein Versprecher bei Minute 02:15 eingeschlichen. Bei mittleren Unternehmen handelt es sich um Unternehmen mit einem Jahresumsatz mit bis zu 50. Mio. €.

Ihr Kontakt

Dr. Stephanie Rith