Einsatz fürs Herz - Extravaskuläres Herzunterstützungssystem

Bei chronischer Herzinsuffizienz, beispielsweise als Folge eines Herzinfarktes, sinkt die Pumpleistung des Herzens stetig ab. Im fortgeschrittenen Stadium helfen Medikamente nur noch bedingt, die Herztransplantation als Therapieoption bleibt durch Spendermangel limitiert. Die AdjuCor GmbH, ein 2012 gegründetes Start-up aus München, hat deshalb ein schonendes System entwickelt, welches um das Herz gelegt wird und synchron den Herzmuskel mechanisch unterstützt.

Herzinsuffizienz
Die AdjuCor GmbH hat ein schonendes System entwickelt, welches um das Herz gelegt wird und synchron den Herzmuskel mechanisch unterstützt.

Die chronische Herzinsuffizienz beschreibt die progressive Verschlechterung der mechanischen Pumpfunktion einer oder beider Herzkammern, die auch therapeutische Maßnahmen wie Medikamente und elektrische Herzschrittmacher nicht aufhalten können. Die gegenwärtige weiterführende Standardtherapie für Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz besteht in der durch Spendermangel limitierten Herztransplantation und in der Implantation von mechanischen Blutpumpen. Schätzungsweise 17 Millionen Menschen versterben pro Jahr in Folge der Erkrankung. Therapieoptionen, die eine verbesserte Entlastung bzw. Erholung erreichen, könnten helfen dies zu verhindern.

Die projektgebundene Förderung trägt dazu bei innovative Lösungsansätze für eine zukunftweisende Medizintechnik zu entwickeln, damit herzinsuffiziente Patienten wieder selbstbestimmt am normalen Leben teilnehmen können.

Prof. Dr. Stephen Wildhirt M.D. CEO der AdjuCor GmbH, Professor für Herzchirurgie


In einem 2012 gestarteten Forschungsprojekt wurde der Einfluss individueller patientenspezifischer Herzunterstützung experimentell und mittels numerischer Simulationsmodelle auf kardiale Genesungsprozesse nach akutem Herzinfarkt quantitativ und phänomenologisch erfasst. Daraus leiten sich Vorhersagen für Design, Auslegung und Operationsbedingungen für extravaskuläre Unterstützungssysteme ab.

Die Technologie der AdjuCor GmbH unterscheidet sich grundlegend von derzeitig verfügbaren Systemen durch die Vermeidung von Blutkontakt, die Fähigkeit beide Herzkammern zu unterstützen und mittels einer einfachen Anwendung in der patientenspezifischen Behandlung. Die Implantation des extravaskulären, biventrikulären Systems kann in wenigen Minuten am schlagenden Herzen vorgenommen werden, ohne dabei in den Blutkreislauf einzugreifen. Dieser fehlende Blutkontakt vermeidet Komplikationen wie Schlaganfälle und Blutungen – der wahrscheinlich größte Vorteil gegenüber gegenwärtigen Behandlungsmethoden.

Das System kann individuell auf den Bedarf des Patienten eingestellt werden. Dies führt zu einer signifikanten Verbesserung und Vereinfachung der Patientenversorgung und verbessert damit auch die Lebensqualität von Menschen mit einer Herzmuskelschwäche.

Von der Forschungsförderung zur klinischen Anwendung

Der Herzchirurg Prof. Dr. Stephen Wildhirt gründete die AdjuCor GmbH im Jahr 2012. Das Start-up wurde projektbezogen mithilfe der Europäischen Kommission und durch deutsche und bayerische Fördermittelgeber unterstützt. Das medizintechnische Unternehmen beschäftigt über 40 Experten und hat bis heute mehr als 15 Millionen Euro an Finanzmitteln realisiert.

Die erste klinische Anwendung des „BEAT“ genannten Herzunterstützungssystems befindet sich in der Planung. Die Bayerische Forschungsstiftung, einer unserer Partner der Bayerischen Forschungs- und Innovationsagentur (BayFIA) , hat das Kooperationsprojekt „Ein extravaskuläres Herzunterstützungssystem“ mit einem Zuschuss von rund 336.000 Euro im Zeitraum 01.10.2012 – 31.01.2015 gefördert.

Das Anschlussprojekt „Adaptive Steuerung eines miniaturisierten extravaskulären Herzunterstützungssystems“ (Förderinitiative BayMED) wurde als Verbundprojekt durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie mit einem Zuschuss in Höhe von insgesamt rund 414.700 Euro im Zeitraum 01.03.2016 – 28.02.2018 gefördert und durch den Projektträger Bayern bei der Bayern Innovativ GmbH in der Durchführung begleitet.

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