EinDruck³ 2023 – Interview mit Ralf Anderhofstadt, Daimler Truck AG
Ralf Anderhofstadt ist Leiter des Center of Competence Additive Manufacturing bei der Daimler Truck AG und Referent beim Fachforum EinDruck³, das am 26. April 2023 stattfindet. Wir haben vorab mit ihm darüber gesprochen, wie die additive Transformation gelingen kann und wie der 3D-Druck bestehende Geschäftsmodelle verbessert.
Der Titel Ihres Vortrags lautet „Additive Transformation macht Zukunft!“ Wie definieren Sie den Begriff Additive Transformation?
Unter der additiven Transformation verstehen wir die ganzheitliche Implementierung des industriellen 3D-Drucks im Unternehmen. Und dies geht über die rein technologische Komponente hinaus. Neben der zwingenden Notwendigkeit der Prozessanpassungen ist es essenziell, den Faktor Mensch primär zu berücksichtigen, das heißt die Kolleginnen und Kollegen von Anfang an zu integrieren und einzubinden. Wir beobachten sehr häufig, dass der 3D-Druck in einem Team oder Bereich getrieben wird, aber die ganzheitliche Sicht über die Abteilungsgrenzen hinweg vergessen wird. Dabei steckt viel Potenzial vor allem darin, die Additive Fertigung aus allen Blickwinkeln im Unternehmen zu beleuchten. Außerdem können Ängste und Sorgen in den meisten Fällen vermieden werden, wenn man die Belegschaft abholt und einbindet.
Wie wird die Additive Fertigung bestehende Geschäftsmodelle produzierender Unternehmen verändern? Welche Rolle spielen dabei Aspekte wie Lizenzen und virtuelle Ersatzteillager?
Die Additive Fertigung ist ganz klar Enabler für digitale Geschäftsmodelle. Beleuchtet man den 3D-Druck in der Serienproduktion ganzheitlich und schaut sich die Mehrwerte an, so kommt man am digitalen 3D-Druck-Business nicht vorbei. Durch die Erstellung des Digital Twins und dessen Integration in ein virtuelles Lager ergeben sich aus ökonomischer, aber auch aus ökologischer Sicht eine Vielzahl von Vorteilen. Beispielsweise können aufgrund erhöhter Transparenz Produktionsausfälle vermieden werden. Des Weiteren bietet die Additive Fertigung Unternehmen die Chance, ihr Geschäftsmodell zu erweitern und 3D-Druck-Lizenzen bzw. -Nutzungsrechte zu vertreiben. Diese vielfältigen Möglichkeiten nutzen auch wir von Daimler Trucks and Buses: Mit unserem Kompetenzzentrum 3D-Druck bieten wir unterschiedliche Leistungen rund um die Additive Fertigung an, beispielsweise Datenaufbereitung, digitale Lagerhaltung und bei Bedarf auch Bauteilfertigung.
Warum sind Austauschformate und Diskussionsrunden wie auf der EinDruck³ so wichtig für die Industrialisierung der Additiven Fertigung?
Insbesondere im 3D-Druck herrschen noch viele unterschiedliche Sichtweisen und leider wird noch sehr häufig die Anwendung im Protoypenbereich oder für gewisse Gadgets mit dem industriellen 3D-Druck vermischt. Dies spüren wir immer wieder auch im Austausch mit unseren Kunden, aber auch mit vielen Unternehmen aus anderen Branchen. Genau aus diesem Grund sind der Austausch und das Aufzeigen der großen Potenziale extrem wichtig. Unser Ziel ist, dass wir dieses gemeinsame spannende Zukunftsfeld mit vielen Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen pushen.
Vielen Dank für das spannende Gespräch! Wir freuen uns auf Ihre Session bei der EinDruck³!
Gemeinsam Wissen generieren statt ein Vortrag nach dem anderen
Passive Wissensvermittlung war gestern! Die EinDruck³ bietet Ihnen die Möglichkeit, im Rahmen von interaktiven Sessions mit anderen Teilnehmenden über aktuelle Fragen und Herausforderungen der Additiven Fertigung zu diskutieren. Die Sessions haben die thematischen Schwerpunkte Resilienz und Digitalisierung und werden von Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft moderiert (Siemens, EOS, Daimler Truck AG, toolcraft AG, DB Schenker, Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, Universität Bayreuth, Hochschule München). Profitieren Sie außerdem von spannenden Key Notes und Pitches und erfahren Sie, wie Sie Ihr Unternehmen fit für die Produktion der Zukunft machen.