Damit digitale Ideen Wirklichkeit werden: Was Förderung leisten kann
Am Beispiel der ecsec GmbH: erfolgreich am Markt, vielfach ausgezeichnet
31.03.2026
Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Idee, die die digitale Zukunft verändern kann. Aber Sie wissen, das braucht Zeit, diese zu entwickeln. Sie brauchen Tests, Zertifizierungen, Pilotpartner und manchmal sogar Anpassungen, weil sich Regeln oder politische Vorgaben ändern. Und genau hier kann Förderung der entscheidende Unterschied sein. Förderung gibt Innovationen, Zeit, Stabilität und manchmal auch die Freiheit, sich neu auszurichten. Die Erfolgsgeschichte der ecsec GmbH ist ein Beispiel dafür. Deshalb spreche ich heute mit dem Mitbegründer und Geschäftsführer Dr. Detlef Hühnlein und mit der erfahrenen Förderspezialistin Elke Büttner.
Wir gehen dabei insbesondere auf folgende Fragen ein: Was war die ursprünglich geförderte Idee? Warum war ecsec mit dieser Vision über zehn Jahre zu früh? Und wie hat Förderung geholfen, dranzubleiben und aus Veränderung Erfolg zu machen?
Wie ist 2008 die Idee entstanden, eine digitale Lösung für das Gesundheitswesen zu entwickeln und was war die konkrete Idee?
Dr. Detlef Hühnlein: 2008, gut zwei Jahre nach dem gesetzlich geplanten Start der elektronischen Gesundheitskarte mit eRezept und elektronischer Patientenakte, wollten wir eine Lösung schaffen, um das erwartete elektronische Rezept einfach und mobil von zu Hause aus einlösen zu können.
2009 wurde ecsec von Ihnen und Ihrer Frau gegründet. Zwei IT Profis mit einer gemeinsamen Vision, die bis dahin in fest angestellten Positionen tätig waren. Wie war der Schritt für Sie in die Selbständigkeit, auch im Hinblick auf ein damit verbundenes Risiko?
Dr. Detlef Hühnlein: Nach über dreizehn Jahren als Angestellter war der Schritt in die Unternehmensgründung reizvoll, trotz des damit verbundenen Risikos. Die epotheke.com UG haben wir gegründet, um das damals unmittelbar erwartete elektronische Rezept zu unterstützen. Doch unser bisheriger Plan ließ sich dann nicht so realisieren, denn das eRezept wurde erst mehr als zehn Jahre später eingeführt. Daher nutzten wir die Möglichkeiten, die uns das bestehende BayTOU Förderprogramm bot, und entwickelten uns weiter. Wir setzten Lösungen für technologisch verwandte Chipkarten der eCard-Strategie, insbesondere rund um den 2010 eingeführten Personalausweis, stattdessen technisch um. So wurde aus der epotheke.com die ecsec GmbH, die seither innovative Lösungen zur Digitalisierung des Gesundheitswesens oder anderer Prozesse vorantreibt.
Damit sind wir beim Hebel, Förderung. Wann war klar, dass ohne finanziellen Rückenwind der Weg deutlich schwerer würde?
Dr. Detlef Hühnlein: Die Erkenntnis kam schnell, als die technische Vision erstmals konkret ausgearbeitet wurde. Dabei wurde deutlich, dass dieses Projekt unmöglich zu zweit zu stemmen war. Es brauchte zusätzliches Personal und damit auch die finanziellen Mittel, um dieses einstellen zu können.
"Unser bisheriger Plan ließ sich nicht verwirklichen. Daher nutzten wir die Möglichkeiten, die uns das bestehende BayTOU Förderprogramm bot, und entwickelten uns weiter."
Dr. Detlef Hühnlein
Geschäftsführer, ecsec GmbH
Was hat die Förderung damals konkret ermöglicht?
Dr. Detlef Hühnlein: Wir sind damals wirklich „from scratch“ mit einem weißen Blatt Papier gestartet und haben zunächst das Konzept erarbeitet. Das war noch überschaubar. Aber uns war schnell klar: Wenn man technologische Lösungen komplett neu entwickelt, braucht man Unterstützung. Und diese haben wir bei beiden Schritten durch das BayTOU Förderprogramm erhalten.
Wäre der Mut zur Selbstständigkeit und damit zur Gründung auch ohne Förderung da gewesen?
Dr. Detlef Hühnlein: Das hätten wir ohne die Förderung vermutlich nicht getan. Auch wenn sie vom Volumen her überschaubar war, war sie der entscheidende Auslöser für die Gründung.
Welche Rolle spielt Förderung in frühen Entwicklungsphasen – über die Finanzierung hinaus?
Elke Büttner: Förderung bietet ein Stück Sicherheit. Natürlich finanziell, aber nicht nur. Durch die Antragstellung und den Austausch mit dem Projektträger erhält man erstmals eine externe Einschätzung zur Umsetzbarkeit. Dieses erste Signal zeigt, ob es Sinn macht, das Vorhaben weiterzuverfolgen oder sogar den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.
Förderung ist mehr als Geld – sie liefert oft die erste Einschätzung zur Tragfähigkeit einer Idee.
Bei ecsec kam dann der Moment, den viele Start-ups kennen, aber nicht alle überstehen: Das Unternehmen war mit dem eRezept über ein Jahrzehnt zu früh.
War das Projekt damit grundsätzlich infrage gestellt – oder war sofort klar: es braucht ein Kurswechsel?
Dr. Detlef Hühnlein: Ja, das war der Moment, in dem aus der epotheke.com UG die größere und breiter aufgestellte ecsec wurde. Sie verfolgt technologisch ein ähnliches Ziel, nämlich vertrauenswürdige elektronische Geschäftsprozesse über moderne Webtechnologien und Webservices zu ermöglichen, nutzt dafür jedoch andere Ausweistechnologien wie den Personalausweis oder anderen europäischen Ausweiskarten. Ecsec macht inhaltlich das Gleiche, jedoch umfassender und europaweit ausgerichtet.
Wie wurde mit der ursprünglich anderen Ausrichtung bezüglich der Förderung umgegangen? Musste der Förderantrag danach angepasst werden?
Elke Büttner: Tatsächlich sind bei Förderanträgen oder bei Förderprojekten Anpassungen immer möglich. Gerade in der Technologieförderung, weil Entwicklungs- und Forschungsprojekte selten exakt nach Plan verlaufen. Und somit ist es auch möglich, inhaltliche Anpassungen vorzunehmen. Der finanzielle Rahmen bleibt zwar durch den Antrag vorgegeben, aber inhaltliche Änderungen, neue Schwerpunkte oder angepasste Zielsetzungen sind möglich. So war es auch in diesem Fall.
Sind Erfolgsaussichten dabei grundsätzlich Voraussetzung?
Elke Büttner: Es ist immer besser, ein Projekt anzupassen, als einen Weg weiterzugehen, von dem klar ist, dass er nicht zum Erfolg führt. Wenn wir sehen, dass mit entsprechenden Änderungen ein deutlich besseres Ergebnis erzielt werden kann, dann gehen wir diesen Weg mit. In diesem Fall wurde das Vorhaben thematisch lediglich breiter aufgestellt, die Grundidee blieb jedoch dieselbe.
"Es ist immer besser, ein Projekt anzupassen, als einen Weg weiterzugehen, von dem klar ist, dass er nicht zum Erfolg führt."
Elke Büttner
Stellv. Leiterin Projektträger Bayern, Bayern Innovativ GmbH
Diese Flexibilität von ecsec und Bayern Innovativ, hat sich ausgezahlt: ecsec ist heute erfolgreich am Markt, vielfach ausgezeichnet und die Vision des eRezepts auf der digitalen Gesundheitskarte ist aktueller denn je.
Um das Thema Förderung noch etwas zu vertiefen: Viele, die eine gute Idee haben, wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Welche drei Schritte führen am zuverlässigsten zur passenden Förderung?
Elke Büttner: Der erste Schritt besteht darin, sich über passende Förderprogramme zu informieren. Dabei unterstützen zum Beispiel unsere Förderlotsen, denen man das Vorhaben kurz schildert und daraufhin geeignete Programme genannt bekommt.
Anschließend lässt sich das Projekt gezielt planen, wobei der zeitliche Aufwand für die Antragstellung zwingend berücksichtigt werden muss.
Der frühzeitige Kontakt zum zuständigen Projektträger oder Fördermittelgeber ist sozusagen der dritte Schritt. Hier erfährt man, je nach Programm, ob eine Kurzbeschreibung, Projektskizze oder direkt der Antrag eingereicht werden kann.
Welche typischen Fehler lassen sich leicht vermeiden?
Elke Büttner: Was man auf keinen Fall tun sollte: zu früh starten. Vorhaben, die bereits vor der Antragstellung begonnen wurden, können nicht mehr gefördert werden. Deshalb ist es wichtig: zuerst informieren, dann den Antrag stellen und erst danach mit der Umsetzung beginnen.
Mit Blick auf ecsec: Welches Förderprogramm kam hier zum Einsatz, für wen ist es gedacht und warum passte es so gut?
Elke Büttner: Das Programm, welches zum Einsatz kam, war BayTOU , das bayerische Förderprogramm für technologieorientierte Unternehmensgründungen. Es ist speziell für junge Unternehmen gedacht, die eine technische Entwicklung planen, oder für Personen, die sich mit einer neuen technischen Produktidee selbstständig machen wollen. Das Ziel des Programms ist es, Firmengründungen in zukunftsträchtigen Technologiebereichen zu unterstützen. Bei ecsec passte es gut, weil zwei hochqualifizierte Gründer mit einer sehr innovativen Idee im Bereich der eCard-Dienste angetreten sind.
An welcher Innovation arbeitet ecsec aktuell und wie kann die Gesellschaft, also wir alle, in Zukunft davon profitieren?
Detlef Hühnlein: Die Innovation, an der wir arbeiten, nennt sich Ethic Electronic ID Authentic. Unsere Mission ist, elektronische Geschäftsprozesse europaweit zu etablieren und Papierprozesse langfristig abzulösen.
Wie kann Bayern Innovativ mit seinem breiten Angebot Unternehmen dabei unterstützen, einen ähnlich erfolgreichen Weg zu gehen wie ecsec?
Elke Büttner: Ja, wir setzen mit unserm Angebot Impulse, um innovativen Ideen zum Erfolg zu führen. Das kann eine Beratung sein, Veranstaltung, die Vernetzung mit Partnern und Hochschulen, und wenn ein Produkt dann so weit ist, dann unterstützen wir auch mit Messeteilnahmen.
Das Interview führte Barbara Groll, Media Relations, Bayern Innovativ GmbH, Nürnberg.
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