Bund setzt auf Optimismus beim Carbon Management
Das Bundeswirtschaftsministerium setzt auf Förderprogramme, Infrastrukturaufbau und internationale Kooperationen, um Carbon Management als Baustein der industriellen Dekarbonisierung voranzubringen.
07.10.2026
Quelle: E & M powernews
Das Bundeswirtschaftsministerium will mit einem Aktionsplan den Hochlauf von CCS und CCU in Deutschland beschleunigen und Investitionen in die nötige Infrastruktur absichern.
Das Bundeswirtschaftsminsterium (BMWE) will Carbon Capture and Storage (CCS) und Carbon Capture and Utilization (CCU) in Deutschland voranbringen. Das kündigte Staatssekretär Frank Wetzel am 6. Oktober beim ersten Strategischen Dialog des Carbon Management Forums (CMF) in Berlin an. Mehr als 200 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft diskutierten dort über die Rahmen der Technologien.
Das BMWE arbeitet derzeit an einem Aktionsplan, der bis Ende des Jahres vorgelegt werde und der Industrie eine Grundlage für Investitionsentscheidungen geben soll. Ziel sei es, Carbon Management zu einem Wettbewerbsvorteil für die deutsche Industrie zu machen und industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland zu halten.
„Wir brauchen Optimismus für diese Generationenaufgabe“, sagte Wetzel. Der Staat müsse einen Rahmen setzen, der unternehmerische Entscheidungen anrege, sie aber nicht ersetze. Zugleich müsse die Regulierung zwischen nationaler und europäischer Ebene aufeinander abgestimmt werden. Als ein Instrument nannte Wetzel die Carbon Contracts for Difference (CCfD).
Erstmals seien Ausschreibungen für CCU- und CCS-Projekte möglich. „Mehrere Projekte stehen bereits in den Startlöchern“, sagte er. Das Fördervolumen soll nach Angaben des Staatssekretärs auf Grundlage der Nachfrage im Vorverfahren ab Mitte Oktober festgelegt werden. Eine weitere Förderrunde sei für 2027 vorgesehen.
Auch die CO2-Infrastruktur soll staatlich unterstützt werden. Das geplante Kohlenstoffspeicher- und Transportgesetz schaffe dafür den rechtlichen Rahmen. Eine Speicherung unter der Nordsee sei rechtlich ermöglicht worden. Für eine CO2-Speicherung unter dem deutschen Festland soll es nach den Worten Wetzels ein Opt-in für die Bundesländer geben. „Es wird kein deutschlandweites CO2-Netz geben, es muss effektive punktuelle Lösungen geben“, sagte Wetzel.
Er warnte davor, notwendige Infrastruktur grundsätzlich nach dem Prinzip „Not in my Backyard“ abzulehnen. Die Bundesländer müssten entscheiden, ob sie industrielle Produktion und Arbeitsplätze wie die Zementindustrie langfristig halten wollten, sagte er. Für den Export von CO2 will Deutschland zudem mit Dänemark und den Niederlanden zusammenarbeiten. Im Rahmen des Dialogs wurden zwei entsprechende Memoranda of Understanding (MoU) mit den Botschaftern der beiden Nachbarländer unterzeichnet.
Industrie fordert kalkulierbaren Zeitplan
Alexandra Decker, Vorstandsmitglied bei Cemex, begrüßte den gesetzlichen Rahmen für den CO2-Export. Vom Aktionsplan erwartet sie vor allem besser kalkulierbare wirtschaftliche Risiken und klare zeitliche Vorgaben. Beim Zementhersteller Cemex werde die CO2-Abscheidung in Rüdersdorf bereits erprobt.
Decker bezeichnete CCfD als wichtiges Instrument und begrüßte eine zweite Förderrunde 2027. Die Wirtschaftlichkeit von CCS und CCU könne zudem durch die Anrechnung von biogenem CO2 und negativen Emissionen verbessert werden. Eine Speicherung in der Nähe industrieller Standorte könne Transportkosten senken. „Wir brauchen grüne Leitmärkte, damit eine Nachfrage nach klimaverträglicheren Produkten entsteht“, forderte Decker.
Thomas Hüwener, Sprecher bei Open Grid Europe, verwies auf konkrete Planungen für CO2-Pipelines. OGE habe bereits Pipelineverbindungen in der Raumprüfung, unter anderem in Nordrhein-Westfalen, die den Transport von CO2 in die Niederlande ermöglichen könnten.
Förderprogramme müssten schnell Wirkung entfalten, damit die Infrastruktur gebaut werden könne und Unternehmen, die früh investierten, keinen Wettbewerbsnachteil hätten. Auch die Logistikbranche sieht Infrastrukturbedarf. Juliet Reiss, Leiterin Sustainability bei DB Cargo, forderte klare Zielkorridore und Mengen für den CO2-Transport.
Klimaschutz als Maßstab
Jan-Justus Andreas, CEO der Umweltorganisation Bellona, mahnte eine klare Priorisierung an. Wegen begrenzter Zeit, finanzieller Mittel und Speicherkapazitäten müsse der Aktionsplan festlegen, für welche Anwendungen CCS unvermeidar sei.
Andreas sprach sich zudem für einen steigenden CO2-Preis im europäischen Emissionshandelssystem (ETS) aus. Dieser müsse hoch genug sein, damit sich CCS wirtschaftlich lohne. Ein abrupter Anstieg auf 300 Euro je Tonne CO2 sei jedoch nicht sinnvoll. Stattdessen brauche es einen verlässlichen Anstiegspfad, damit Unternehmen rechtzeitig investieren könnten.
Wetzel betonte ebenfalls die Bedeutung des europäischen ETS. Der aktuelle Kurs der Europäischen Union sei sinnvoll und werde von Deutschland unterstützt, um Planungssicherheit zu erhalten. Auch ein wirksamer Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) sei notwendig, damit die Industrie in Deutschland und Europa erhalten bleibe.
Autorin: Susanne Harmsen