Belgisch-deutsche Zusammenarbeit für CCS diskutiert

Industrie fordert staatliche Absicherung für CCS/CCU-Projekte und den Aufbau einer europäischen CO₂-Infrastruktur

20.03.2026

Quelle: E & M powernews

Mehr Unterstützung durch politische Risikoübernahme fordert die Carbonmanagement Allianz (CMA), um für unvermeidliche Emissionen von CO2 bereits geplante Lösungen umzusetzen.

Die Carbonmanagement Allianz (CMA) lud am 19. März in Berlin in die Belgische Botschaft zu einer Konferenz zur Umsetzung der Einspeicherung und Nutzung von CO2 (CCS/CCU). Der belgische Botschafter in Deutschland Piet Heirbaut erklärte: „CCUS ist für Belgien ein zentrales Anliegen, das von den Regionen umgesetzt wird.“ Abscheidung, Transport und Einlagerung von CO2 werde bereits geplant. Aus dem benachbarten Nordrhein-Westfalen könnten laut Prognosen gemeinsam jährlich 40 Millionen Tonnen CO2 anfallen, so Heirbaut.

Technische Lösungen benötigen Unterstützung

Die CMA-Vorstandsvorsitzende Alexandra Decker rief zur internationalen Zusammenarbeit auf: „Carbon Management ist keine nationale Aufgabe, so wenig wie sich das Treibhausgas CO2 an Grenzen hält.“ In der Industrie sei die Abscheidung von CO2 technisch gelöst, nun müssten Transport und Einlagerung des Gases sowie die Einrichtung eines Marktes dafür folgen. Diese große Aufgabe könne weder ein Unternehmen noch eine Branche allein lösen. „Carbon Management funktioniert nur in einer engen Verzahnung der gesamten Wettschöpfungskette“, umriss Decker den Zweck ihrer Allianz. 

Wenn die CO2-intensive Industrie nicht nur noch an der Küste möglich sein solle, müsste auch ein Netz für den Transport aufgebaut werden, appellierte sie. In der Regulatorik der Politik fehlten noch Rahmen für Differenzverträge und die Anrechnung von Emissionsminderungen, beispielsweise durch biogene Bindung von CO2. Eine multimodale CO2-Infrastruktur werde über den Erfolg der europäischen Industrie und des Klimaschutzes entscheiden, schloss Decker.

Unvermeidbare Emissionen abscheiden

Zwei Drittel der CO2-Emissionen in der Kalkindustrie seien technologisch unvermeidlich, erläuterte Andres Bode, Vizepräsident der Lhoist Group. Darum müssten für Klimaneutralität Wege gefunden werden, anfallende Treibhausgase zu bewältigen. Dafür sei die Einspeicherung von CO2 Teil der Konzernstrategie. Da die Politik die Klimaschutzvorgaben mache, müsse sie auch absichern, dass es einen Business Case gebe. Dann werde der Markthochlauf auch gelingen.

Niko Bosnjak, Leiter Energiepolitik beim Gasfernleitungsnetzbetreiber OGE, schilderte den bisherigen Werdegang des Carbonmanagements. So sei das eigene Gasnetz streckenweise bereits fähig, CO2 zu transportieren und die Abschnitte, die zu ertüchtigen wären, seien ebenfalls bekannt. Bevor aber eine Umsetzung beginnen könne, müssten erheblich Gasmengen verlässlich bereitstehen. Dafür fehlten noch die Entscheidungen sowohl der Industriepartner als auch der Politik. 

Da wahrscheinlich keine Zustimmung für CO2-Einlagerung unter dem deutschen Festland möglich sei, plane man den Transport Richtung Nordsee. Allerdings sei das Gasnetz derzeit noch mehr als ausgelastet für den Transport von Erdgas, gerade seit immer mehr über die LNG-Terminals an den Küsten angeliefert wird. Für weitere Pipelines sieht er Probleme, weil die Bevölkerung gegenüber immer neuen Infrastrukturbauten neben Stromnetz, Schienen, Straßen nicht mehr sehr offen sei.

Internationale Zusammenarbeit

Für den belgischen Gasnetzbetreiber Fluxys unterstrich der SVO Corporate Commercial Arno Büx die gute Zusammenarbeit mit der deutschen Seite. Die Planungen einer Netzvision seien weit fortgeschritten und könnten Süd- und Ostdeutschland anbinden. Zwischen Ruhrgebiet, OGE und Fluxys gebe es den Plan der Leitung „Ruhbens“, in Anlehnung an den deutsch-flämischen Maler.

Tom Hautekiet, Chief Transformation beim Hafen von Antwerpen-Brügge, unterstrich die Bedeutung seines Hafens für die Verbindung der Industrie an Land und dem Meer als Lagerstätte für CO2. Man errichte derzeit die Infrastruktur, um 2,5 Millionen Tonnen CO2 jährlich im Untergrund einzulagern und 4,5 Millionen Tonnen über Rotterdam in andere Lagerstätten zu transportieren.

Für das norwegische Gasunternehmen Equinor erläuterte Country Manager Deutschland Nina Scholz, ihr Unternehmen stehe bereit, CO2 auch von anderen Ländern einzuspeichern. Aus der jahrzehntelangen Erfahrung mit Öl- und Gasförderung und den geologischen Gegebenheiten habe man technische Erfahrung mit Einlagerung in unterseeischen Formationen. In der Planung sei eine unterseeische Pipeline, um aus den Niederlanden CO2 zu den Lagerstätten zu transportieren.

Da die wirtschaftlichen Risiken sehr groß sind, müsste es eine politische Unterstützung der beteiligten Länder geben, forderte sie. Die Entscheidung für die norwegischen Projekte sei nur möglich gewesen durch die starke staatliche Unterstützung, auch in Dänemark und Großbritannien sei durch staatliche Beteiligung eine Absicherung erfolgt. Ähnliches müsse rasch auch in Deutschland entschieden werden, forderten die Tagungsteilnehmer.

Autorin: Susanne Harmsen