Autofahrer bei bidirektionalem Laden noch skeptisch
Studie: Trotz hoher Bekanntheit sehen bislang nur wenige E-Autofahrer einen konkreten wirtschaftlichen Nutzen im bidirektionalen Laden
17.06.2026
Quelle: E & M powernews
Eine Studie zeigt: Die Bekanntheit des bidirektionalen Ladens steigt, die Begeisterung bei den Autofahrern für die Technologie hält sich jedoch in Grenzen.
Bidirektionales Laden gilt als vielversprechende Lösung für die Integration der Elektromobilität in die Energiesysteme. Fahrzeuge können dabei über die Wallbox nicht nur Strom aufnehmen, sondern ihn auch in Gebäude oder ins Netz zurückspeisen. Netzbetreiber und Energieversorger verbinden damit die Hoffnung, Flexibilitätspotenziale zu erschließen und die Netze zu entlasten. Mehrere Pilotprojekte, beispielsweise von Transnet BW, Tennet, Eon, EWE oder Bayernwerk sammeln bereits praktische Erfahrungen.
Eine aktuelle Untersuchung des Marktforschungsunternehmens „USCALE“ zeigt allerdings, dass die Akzeptanz auf Kundenseite deutlich hinter den Erwartungen vieler Marktakteure zurückbleibt. Für die „Bidirectional Charging Study 2026“ wurden rund 10.000 Personen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Schweden befragt.
Die Ergebnisse verdeutlichen zunächst eine überraschend hohe Bekanntheit der Technologie. Unter E-Auto-Fahrern mit privatem Stellplatz wissen 38 Prozent, was bidirektionales Laden bedeutet. Weitere 34 Prozent haben zumindest davon gehört. Selbst unter Verbrennerfahrern kennt jeder Fünfte die Technologie.
Wenn es konkret wird, verlieren viele das Interesse
Auf den ersten Blick erscheint auch das Interesse am Thema groß. Mehr als die Hälfte der befragten E-Auto-Fahrer kann sich grundsätzlich vorstellen, bidirektionales Laden zu nutzen. Sobald jedoch konkrete Investitionen, mögliche Erträge und praktische Anforderungen gegenübergestellt werden, sinkt die Zahl der tatsächlich erreichbaren Kunden erheblich. Am Ende bleibt mit 17 Prozent der heutigen E-Autofahrer eine vergleichsweise kleine Zielgruppe übrig, die meint, dass sich die Technologie für sie rechnet.
Zu den wichtigsten Motivatoren, sich mit dem bidirektionalem Laden zu befassen, zählen neben zu erwartenden Kosteneinsparungen die Affinität zu innovativer Technik sowie ökologische Aspekte. Im Bereich Vehicle-to-Home spielen zudem die Nutzung von Photovoltaikstrom und das Gefühl größerer Energieunabhängigkeit eine wichtige Rolle.
Als erhebliche Hemmnisse werden gesehen: Hohe Investitionen in geeignete Ladeinfrastruktur, Angst vor negativen Auswirkungen auf die Batterie, Skepsis hinsichtlich der technologischen Reife sowie Sorge vor zusätzlichem organisatorischem Aufwand.
Für Energieversorger und andere Marktakteure ergibt sich, so folgern die Stuttgarter Marktforscher, ein klarer Handlungsauftrag: Gefragt seien wirtschaftlich attraktive Geschäftsmodelle, transparente Erlösversprechen und integrierte Angebote, die Fahrzeug, Ladeinfrastruktur und Garantieleistungen miteinander verbinden. Die technische Verfügbarkeit allein reicht nicht aus, um einen Massenmarkt zu schaffen.
„Die Technologie ist bereit, aber bidirektionales Laden löst vor allem ein Problem der Energieversorger mit dem stockenden Netzausbau. Ohne die Nutzer geht die Rechnung nicht auf“, sagt Uscale-Geschäftsführer Axel Sprenger. „Die Studie macht deutlich: Der Erfolg des bidirektionalen Ladens wird weniger von der Technik als von der Überzeugungskraft der Marktangebote abhängen.“
Autor: Günter Drewnitzky