Abwärme aus Rechenzentrum versorgt Stuttgarter Synergiepark

05.10.2026
Quelle: M&E powernews

Autorin: Heidi Roider

WÄRME. Die Abwärme eines Rechenzentrums speist künftig das Wärmenetz im Stuttgarter Synergiepark. Das System mit Wärmepumpen erreicht bis zu 1,8 MW Wärmeleistung.

Die Wärmelösungen Synergiepark Stuttgart (WLSS) und der Rechenzentrumsbetreiber „nLighten“ haben im Stuttgarter Stadtteil Möhringen eine Wärmeversorgung auf Basis von Rechenzentrumsabwärme in Betrieb genommen. Das Gebäudenetz versorgt unter anderem die städtische „it.schule“ Stuttgart sowie mehrere Gebäude der Prüfgesellschaft Dekra. Nach Angaben der Projektpartner handelt es sich um die erste Nutzung von Rechenzentrumsabwärme für die lokale Wärmeversorgung in Stuttgart.

„Mit diesem Projekt zeigen wir, wie die Energiewende vor Ort konkret umgesetzt werden kann“, lassen sich Dennis Bauer und Ulf Hummel, Co-Geschäftsführer der Wärmelösungen Synergiepark Stuttgart, in einer Mitteilung zitieren. „Die Abwärme eines Rechenzentrums wird nicht länger ungenutzt abgeführt, sondern als wertvolle Ressource für die Wärme- und Kälteversorgung eingesetzt. Damit verbinden wir Digitalisierung und Klimaschutz und schaffen die Grundlage für den weiteren Ausbau eines innovativen Wärmenetzes im Synergiepark Stuttgart.“

Die WLSS, ein Joint Venture der Stadtwerke Stuttgart GmbH und der „e-con AG“, haben mit innovativer Gebäudetechnik des regionalen Partners Alois Müller GmbH aus Stuttgart im Synergiepark ein Wärmenetz realisiert, das seine Energie aus erneuerbaren Quellen bezieht. Technische Grundlage bildet ein geschlossenes Wassersystem. Es nimmt die beim Serverbetrieb anfallende Wärme im Rechenzentrum von nLighten auf und transportiert sie in das Versorgungssystem. Wärmepumpen heben die Abwärme anschließend auf das für die angeschlossenen Gebäude erforderliche Temperaturniveau. 

Netz lässt sich um weitere Quellen erweitern

Das System ist für eine Wärmeleistung bis zu 1,8 MW ausgelegt. Die Betreiber rechnen mit einer jährlichen Wärmelieferung von rund 5 GWh. Gegenüber der bisherigen Versorgung auf Erdgasbasis soll das Projekt rechnerisch rund 1.200 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr einsparen. Für beide Abnehmer bietet die Versorgung über das lokale Gebäudenetz im Vergleich zu fossilen Lösungen sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Vorteile.

Für die Landeshauptstadt Stuttgart ist das Projekt ein wichtiger Schritt im Hinblick auf das Ziel der Klimaneutralität. Peter Pätzold, Bürgermeister für Städtebau, Wohnen und Umwelt der Landeshauptstadt Stuttgart, betont: „Mit der Nutzung der Abwärme aus dem Rechenzentrum machen wir aus einer bislang ungenutzten Ressource einen Baustein unserer klimafreundlichen Wärmeversorgung. Das ist gute kommunale Infrastruktur: vorhandene Energie effizient nutzen, CO2 vermeiden und zugleich ein Wärmenetz schaffen, das mit dem Quartier wachsen kann. Genau solche Lösungen brauchen wir, wenn wir Stuttgart Schritt für Schritt klimaneutral machen wollen.“

Die Projektgesellschaft hat die Infrastruktur modular konzipiert. Dadurch sollen sich künftig weitere Wärmequellen sowie zusätzliche Abnehmer in das Netz einbinden lassen. Das Projekt wird durch Fördermittel des Bundes unterstützt und gilt laut den Stadtwerken Stuttgart als Beispiel dafür, wie kommunale, private und industrielle Partner gemeinsam Lösungen für die Wärmewende entwickeln können. (hr)