Schokolade neu gedacht: Technologie für nachhaltigen Genuss
Vom Küchentisch zum Global Player: Planet A Foods und der Wert von Förderung
27.04.2026
Stellen Sie sich vor, Sie lieben Schokolade, aber jede Tafel hinterlässt einen nicht unerheblichen ökologischen Fußabdruck. Genau hier setzt Planet A Foods an, das junge Unternehmen aus Bayern entwickelt kakaofreie Schokolade und spart damit bis zu 92 Prozent CO₂. Genuss und Klimaschutz passen also dank neuer geförderter Technologien einfach perfekt zusammen.
Wie aus einer Idee ein gefördertes Erfolgsprojekt wurde und wie auch Sie Ihre Innovationen mit Fördermitteln starten können erfahren Sie im folgenden Interview mit Dr. Maximilian Marquardt, Geschäftsführer und Mitbegründer der Planet A Foods GmbH und Elke Büttner, Expertin für Förderprogramme bei der Bayern Innovativ.
Wie ist denn die Idee entstanden, Schokolade neu zu denken und vor allem mit moderner Technologie eine wirklich nachhaltige Alternative zu schaffen?
Dr. Maximilian Marquart: Ich liebe Schokolade, und meine Schwester, mit der ich 2021 Planet A Foods gegründet habe, auch. Die initiale Idee kam aus diesem Schokoladengenuss, ausgelöst durch das Buch ‚Never Out of Season‘ von dem amerikanischen Biologen Rob Dunn. Wir möchten noch lange Schokolade genießen können. Darum treten wir nicht gegen die traditionelle Schokolade an, sondern entwickeln eine zusätzliche Alternative parallel dazu. Dunn beschreibt in seinem Buch, dass viele heutige Lieferketten in zehn bis zwanzig Jahren durch den Klimawandel, durch Dürren, veränderte Wetterlagen und mehr Schädlingsbefall, wegbrechen werden. Besonders davon betroffen ist die Kakaopflanze. Laut Rob Dunn könnte die weltweite Produktion von Kakao in zehn Jahren um etwa 50 Prozent sinken. Heute stammen rund fünf Millionen Tonnen Kakao pro Jahr zu 70 Prozent aus zwei Ländern in Westafrika an der Atlantikküste, der Elfenbeinküste und Ghana. In den kommenden Jahrzehnten könnten davon etwa zwei Millionen Tonnen wegfallen, was für viele große Süßwarenfirmen, wie Nestlé, Mars oder Mondelez dann ein Thema ist. Diese Erkenntnis war für uns der Auslöser, 2021 mit Experimenten zu beginnen, um Kakao zu ersetzen.
Wir haben schnell festgestellt, dass herkömmliche Schokolade einen hohen CO₂ Fußabdruck hat. Das liegt vor allem daran, dass Kakao häufig in Gebieten angebaut wird, in denen eigentlich Regenwald steht und dafür wird weiterhin viel Wald gerodet. Diese Abholzung macht Schokolade vergleichsweise klimaschädlich. Mit unserer Alternative können wir den CO₂-Ausstoß deutlich reduzieren.
Als Sie Ihre Idee hatten, wurde schnell klar: Neben einer guten Idee braucht es auch Finanzierung. Wie sind Sie damals auf Bayern Innovativ aufmerksam geworden?
Dr. Maximilian Marquart: Anfangs haben wir alles aus eigener Tasche finanziert und mit einfachen Mitteln gestartet. So wie Google in der Garage entstand, begann unser Projekt in der Küche mit Thermomixen. Irgendwann war klar: Wir müssen das professionalisieren. Dafür gingen wir an die Universität Zürich und das Fraunhofer-Institut in Freising, um deren Maschinen zu nutzen. Das hat natürlich schnell hohe Kosten verursacht. So sind wir schließlich auf Bayern Innovativ aufmerksam geworden.
"Ohne Förderprogramme geht es in vielen Fällen überhaupt nicht – gerade bei Themen, die neu und noch nicht bewiesen sind."
Dr. Maximilian Marquardt
Geschäftsführer, Planet A Foods GmbH
Wenn ich eine innovative Idee habe und etwas völlig Neues auf den Markt bringen möchte, brauche ich in der Regel finanzielle Unterstützung. Welche Schritte sind notwendig, damit ein Unternehmen tatsächlich eine Förderung erhält?
Elke Büttner: Wichtig ist zuerst, das passende Förderprogramm zu finden. Man sollte sich einen Überblick verschaffen, welche Programme es gibt und welche zur eigenen Idee passen. Dabei unterstützen unsere Förderlotsen: Sie kennen die Förderlandschaft von Bayern über den Bund bis zur EU sehr gut, schauen sich die jeweilige Idee an und zeigen direkt geeignete Programme auf. So muss man sich nicht selbst durch alle Projektträger und Förderangebote arbeiten, sondern bekommt direkt eine erste Orientierung. Das ist besonders wichtig, um rechtzeitig den passenden Antrag stellen zu können.
Hat man mit Hilfe der Förderlotsen das passende Programm gefunden, kann man den Antrag stellen. Am besten nimmt man dann direkt Kontakt mit dem zuständigen Projektträger auf, also denjenigen, die das Programm verwalten und die Anträge prüfen. Dort bekommt man eine genaue Beratung, wie die Antragstellung funktioniert.
Wir, als Projektträger, unterstützen auch bei der Antragstellung. Viele Unternehmen haben anfangs großen Respekt davor, weil es nach viel Aufwand und Bürokratie klingt und man sich schnell fragt: Lohnt sich das überhaupt? Schaffe ich das? Genau da setzen wir an. Wir nehmen die Antragsteller an die Hand und begleiten sie so, dass der Antrag sauber vorbereitet wird und der Prozess möglichst reibungslos läuft.
Sie haben ja nicht nur ein Förderprogramm von Bayern Innovativ genutzt …?
Dr. Maximilian Marquart: Wir haben alle Innovationsgutscheine genutzt, außerdem das Patentförderprogramm und weitere Förderprogramme auf Bundes- und EU-Ebene. Der Kontakt zu Bayern Innovativ hat sich für uns definitiv gelohnt – absolut.
Worauf sollte man grundsätzlich achten, wenn man einen Förderantrag stellen will?
Elke Büttner: Das Wichtigste im Vorfeld ist: nicht zu früh anfangen. Man muss immer zuerst den Antrag stellen und die Rückmeldung abwarten. Es gibt zwar die Möglichkeit, mit einem ‚vorzeitigen Maßnahmenbeginn‘ früher zu starten, aber dafür braucht es eine ausdrückliche Zustimmung. Entscheidend ist deshalb die frühzeitige Kontaktaufnahme, denn Projekte, mit denen bereits begonnen wurde, bevor ein Antrag gestellt wurde, können nicht mehr gefördert werden.
Im Fall von Planet A Foods waren die Tests in der Küche in Ordnung. Solche Vorarbeiten sind immer erlaubt. Aber die Teile des Projekts, die später gefördert werden sollen, dürfen vor Antragstellung nicht begonnen werden. Genau dort muss man warten, bis der Antrag gestellt und die Rückmeldung da ist.
"Wir, als Projektträger, unterstützen auch bei der Antragstellung. Viele Unternehmen haben anfangs großen Respekt davor, weil es nach viel Aufwand und Bürokratie klingt und man sich schnell fragt: Lohnt sich das überhaupt? Schaffe ich das? Genau da setzen wir an."
Elke Büttner
Stellv. Leiterin Projektträger Bayern, Bayern Innovativ GmbH
Wofür haben Sie die Fördergelder konkret eingesetzt?
Dr. Maximilian Marquart: Für die erste Finanzierungsrunde brauchten wir funktionierende Samples, also Produkte, die über Küchenexperimente hinausgehen. Deshalb haben wir am Fraunhofer Institut in Freising gearbeitet, welches uns das spezielle Laborequipment zur Verfügung gestellt hat. Die Fördergelder von Bayern Innovativ haben es uns ermöglicht, diese sehr teure Entwicklungsphase für die Prototypen zu finanzieren und damit anschließend professionelles Kapital einzuwerben. Die späteren Innovationsgutscheine haben wir genutzt, um die wissenschaftliche Arbeit weiter voranzutreiben. Unser Fokus lag dabei vor allem darauf, das Geschmacksprofil zu optimieren, etwa so, dass wir möglichst nah an etwa eine klassische Milka Alpenmilch herankommen.
Sie haben inzwischen viel Erfahrung mit Förderungen. Wie wichtig sind Förderprogramme ihrer Meinung nach für Unternehmen – nicht nur beim Start, sondern auch, um langfristig erfolgreich zu bleiben?
Dr. Maximilian Marquart: Wir arbeiten kontinuierlich mit Förderprogrammen und prüfen immer wieder, was sich fördern lässt. Denn Kapital ist heute extrem teuer, gerade für ein Start-up, das noch nicht profitabel ist. Jeder Euro zählt. Das gilt meiner Meinung nach auch für viele andere Unternehmen, die oft an Themen arbeiten, die sehr neu sind und deren Erfolg noch nicht bewiesen ist. Dafür privates Kapital zu bekommen, ist schwierig. Deshalb sind Förderprogramme aus meiner Sicht unverzichtbar. Ohne sie könnte ich mir diesen Weg kaum vorstellen.
Sie wollen nicht nur Schokolade nachhaltiger machen, sondern auch andere Lebensmittel völlig neu denken. Daher arbeiten Sie gerade, wieder mit Unterstützung von Bayern Innovativ, an einem neuen Projekt. Können Sie uns dazu schon etwas erzählen?
Dr. Maximilian Marquart: Dazu kann ich im Moment noch nicht viel sagen, zumindest nicht im Detail. Planet A Foods konzentriert sich nicht nur auf Schokolade. Wir schauen uns viele Zutaten an, die durch den Klimawandel bedroht sind. Unsere Schokoladenalternative heißt ChoViva, und parallel dazu arbeiten wir an mehreren neuen Bereichen, um eine technologische Plattform aufzubauen, mit der wir verschiedene bedrohte Ingredienzen neu denken können. Einige dieser Themen befinden sich aktuell in der Patentierung, daher kann ich noch nicht mehr verraten.
Die aktuelle Förderung ist kein Innovationsgutschein. Welches Förderprogramm steckt dahinter?
Elke Büttner: Das aktuelle Programm heißt BayTOU. Dabei geht es, wie auch beim Innovationsgutschein, um technische Entwicklungen und neue Produktideen. Der Unterschied liegt im Umfang: Der Innovationsgutschein ist das einfachste Programm und fördert vor allem technische Dienstleistungen, die man in einer sehr frühen Phase extern einkauft, weil man vieles noch nicht selbst leisten kann. BayTOU hingegen unterstützt größere Entwicklungsprojekte und fördert dabei auch die eigenen Entwicklungsaufwände im Unternehmen.
Das heißt, das neue Projekt ist deutlich umfangreicher und komplexer als das vorherige und deshalb braucht es eine andere, größere Förderung?
Dr. Maximilian Marquart: Wir arbeiten aktuell in mehrere Richtungen. Ein Bereich betrifft neue technologische Entwicklungen. Ein anderer ist viel praktischer: Wir müssen unser Produkt später ja in großen Mengen herstellen können. Dafür brauchen wir Maschinen, Produktionsstandards, eine funktionierende Supply Chain, kurz: eine skalierbare Lebensmittelproduktion. Deshalb planen wir gerade einen zweiten Standort, um mehr Kapazitäten aufzubauen. Das ist ein großer Schritt, der schnell in zweistellige Millionenbeträge geht: Maschinen anschaffen, Hallen umrüsten, Lebensmittelproduktion aufbauen. Auch dafür suchen wir aktuell nach passenden Fördermöglichkeiten und evaluieren verschiedene Standorte.
Beratung ist das A und O, wenn es um Förderungen geht. Welche weiteren Unterstützungsangebote gibt es neben der eigentlichen Förderberatung?
Elke Bütter: Neben dem ersten Schritt zur Förderung über den Förderlotsen gibt es bei uns nicht nur Förderberatung, sondern wir bieten auch weitere Services an, auch über den Gründer- und Transformationslotse. Wenn nötig, vermitteln wir auch weiter. Denn wir beraten auch zum Beispiel zu Schutzrechten. Außerdem bietet Bayern Innovativ viele weitere Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen, etwa über Netzwerke oder Messebeteiligungen, sobald erste Produkte vorhanden sind. All das kann Unternehmen zusätzlich unterstützen.
Wenn ein Unternehmen noch Respekt vor Förderprogrammen hat und unsicher ist, ob es den Schritt wagen soll, welche Empfehlung kann aus Sicht eines Fördernehmers gegeben werden?
Dr. Maximilian Marquart: Gerade die Programme von Bayern Innovativ waren für uns immer extrem unkompliziert. Ich habe sehr positive Erinnerungen daran. Die Anträge waren überschaubar und schnell zu erstellen, und bei Fragen war immer jemand erreichbar, der weitergeholfen hat. Entscheidungen kamen zügig, wir konnten rasch starten und es war alles sehr unbürokratisch. Während man oft über Bürokratie klagt, habe ich das hier überhaupt nicht erlebt. Für uns war es tatsächlich ein großer Vorteil, in Bayern zu gründen, weil wir Zugang zu diesen Programmen hatten. Das hat uns den Start enorm erleichtert. An anderen Stellen war es deutlich komplizierter und aufwändiger, Fördermittel zu bekommen. Dafür bin ich wirklich dankbar.
Eine letzte Frage: Woraus besteht die Schokoladenalternative konkret?
Dr. Maximilian Marquart: Es ist nicht ganz einfach. Wir haben rund zweihundert verschiedene Alternativen untersucht, bevor wir uns entschieden haben: Die Basis unserer Schokolade sind jetzt fermentierte und geröstete Sonnenblumenkerne. Wir verarbeiten sie auf eine spezielle Art, sodass genau die Aromen entstehen, die wir von klassischer Schokolade kennen. Das klingt ungewöhnlich, aber man muss wissen: Rund 80 Prozent der typischen Schokoladenaromen entstehen nicht aus der Kakaobohne selbst, sondern aus der Fermentation und Röstung. Genau diesen Prozess bilden wir nach, nur eben auf Basis regionaler Rohstoffe. In Europa arbeiten wir mit Sonnenblumenkernen, in Asien mit Soja. Je nach Region nutzen wir lokale Zutaten. Inzwischen sind wir global unterwegs: in Europa, den USA und sehr stark auch in Japan. Auf der Süßwarenmesse in Köln habe ich Firmen aus Indonesien getroffen, die unser Produkt bereits kannten und mir berichteten, dass sie sogar Anfragen aus Australien dazu erhalten haben. Das zeigt, wie global wir inzwischen unterwegs sind. Die Förderungen haben sich für uns wirklich ausgezahlt. Bei uns ist richtig etwas in Bewegung, denn mittlerweile haben wir in München rund siebzig Arbeitsplätze geschaffen.
Das Interview führte Barbara Groll, Media Relations, Bayern Innovativ GmbH, Nürnberg.
Hören Sie sich das vollständige Interview als Podcast an:
Länge der Audiodatei: 00:17:44 (hh:mm:ss)
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