Resonante Räume im Sägewerk

Abschlussperformance des Residenzprogramms

12.02.2026

Mit einer eindrucksvollen Performance fand das aktuelle Residenzprogramm im Rahmen des EU-Interreg-Projektes DECORATOR seinen Abschluss. Rund 50 Gäste folgten der Einladung ins Sägewerk, um eine künstlerische Auseinandersetzung zu erleben, die Handwerk, Holz und Architektur auf ungewohnte Weise miteinander verband.

Im Zentrum der Residenz stand die intensive Erforschung des Gebäudes selbst: seiner Geschichte, seiner Nutzung und des sogenannten Decoratormodells. Über mehrere Wochen hinweg setzte sich der Künstler Johann Reißer mit dem Ort auseinander, führte Gespräche mit Stakeholdern und suchte den Austausch über nachhaltige Perspektiven für Handwerk und Baukultur. Die Zusammenarbeit mit der Holzerband – einer Studierendenband – verlieh dem Abend eine zusätzliche klangliche Dimension und verband Diskurs mit Atmosphäre.

Reißer beschreibt sein künstlerisches Vorgehen so:
Ich möchte in meiner Performance zeigen, dass dieses Thema doch viel mit uns zu tun hat. Ich will dem Publikum Anknüpfungspunkte geben, Resonanzen erzeugen und Emotionen wecken, um über das gesamte Themenfeld nachzudenken.

Die Performance verstand das Sägewerk nicht allein als Produktionsstätte, sondern als Möglichkeitsraum. „Das Sägewerk kann ein Spielraum sein, der sich nicht wirtschaftlichen Handlungen beugen muss. Es kann resonante Räume des Umgangs schaffen und gemeinsames Ausprobieren ermöglichen“, hieß es während der Aufführung. Damit wurde der Ort selbst zum Protagonisten, als Raum für gemeinsames Experimentieren und als Labor für nachhaltiges Bauen.

Auch die Perspektive auf nachhaltiges Bauen rückte ins Zentrum:
"Für mich war es besonders interessant zu sehen, wie diese ganzen Maschinen funktionieren und welche Prozesse hier stattfinden. Das hat meine Herangehensweise verändert und neue Ideen entstehen lassen, die ich hoffentlich weitergeben kann."

Im Fokus stand die Frage nach der Zukunft der Architektur. „Zukunft ist eigentlich nicht etwas Fixes, es ist ein Möglichkeitsfeld“, formulierte Reißer. Architektur könne zu diesem Feld wesentlich beitragen,  vorausgesetzt, sie denke über Effizienz und Produktionssteigerung hinaus. Begriffe wie „Refuse, Reduce, Recycle, Reuse, C2C“ wurden aufgegriffen und weitergedacht: Wie müssten Maschinen aussehen, die nicht maximieren, sondern reduzieren? Die nicht nur produzieren, sondern Materialien wieder in Kreisläufe zurückführen?

Dabei plädierte die Performance für eine Architektur, die Verbindungen schafft statt trennt. Weg von technischer Spielerei und reinem Design, hin zu einer neuen Auseinandersetzung mit Materialien, zu besseren Arbeits- und Lebensweisen und zu einer Wohnstruktur, die nicht isoliert, sondern in Prozesse eingebettet ist. Eine Rückbesinnung auf handwerkliche Traditionen stand dabei ebenso im Raum wie die Offenheit für neue Konzepte.

Einen besonderen Moment bot das Untergeschoss des Sägewerks: Dort lud der Künstler zu einer Schweigeminute ein. Im Gedenken an all jene Geräte und Maschinen, die einst hier im Einsatz waren. Eine stille Würdigung der Geschichte des Ortes, die Vergangenheit und Zukunft miteinander verband.

Die Abschlussperformance zeigte eindrücklich, wie sich künstlerische Praxis, Handwerk und architektonischer Diskurs verschränken können. Das Residenzprogramm machte das Sägewerk zu einem Resonanzraum für Ideen, Experimente und neue Perspektiven auf nachhaltiges Bauen.

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