Exnovation: Zukunft bewusst gestalten

Wenn Loslassen zur Voraussetzung für Neues wird und Veränderung zur Haltung.

29.04.2026

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“
Der Satz von Hermann Hesse wird oft als romantische Verklärung des Neuen gelesen. Man kann ihn auch nüchterner verstehen: als Hinweis darauf, dass Entwicklung nicht ohne Abschied funktioniert. Dass der Zauber des Anfangs häufig dort entsteht, wo etwas konsequent beendet wird.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft steht genau an diesem Punkt. Und mit ihr: bayernkreativ.

Als das Bayerische Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft (bayernkreativ) gegründet wurde, ging es um Sichtbarkeit, Orientierung und Anschlussfähigkeit. Eine Branche, die wirtschaftlich relevant war, kulturell wirksam und politisch oft übersehen, bekam einen Ort. Beratung, Vernetzung, Erstgespräche: Das waren die richtigen Antworten auf die damaligen Fragen.

Zehn Jahre später haben sich die Fragen grundlegend verschoben.

Digitale Technologien, Plattformökonomien, Künstliche Intelligenz, immersive Medien. Sie verändern nicht nur Produktionsweisen, sondern auch die Logik von Wertschöpfung selbst. Kreative Arbeit ist heute nicht mehr nachgelagert oder dekorativ. Sie sitzt früh im Prozess. Dort, wo Bedürfnisse erkannt, Szenarien entworfen und technologische Möglichkeiten in sinnvolle Anwendungen übersetzt werden.
Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist damit zu etwas anderem geworden: zu einem Sensorium. Sie registriert gesellschaftliche Spannungen, neue Lebensformen und sich wandelnde Erwartungen oft früher als klassische Industrien und übersetzt sie in Gestaltung, Narrative, Prototypen.

Diese Verschiebung hat Folgen für Förderung.

Denn was hilft einer Branche, die nicht mehr nur Inhalte produziert, sondern Schnittstellen? Die zwischen Technologie, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft vermittelt? Ein Beratungszentrum allein reicht dafür nicht mehr. Netzwerke müssen leistungsfähiger werden, Räume durchlässiger, Rollen beweglicher.
An diesem Punkt stellte sich eine unangenehme, aber notwendige Frage:
Welche Strukturen tragen noch und welche verhindern inzwischen Bewegung?
Die Antwort darauf heißt Exnovation. Nicht als Abkehr vom Bestehenden, sondern als bewusste Entscheidung gegen Routinen, die nicht mehr passen. Exnovation bedeutet, Aufgaben zu beenden, die ihre Wirkung verloren haben. Formate loszulassen, die einmal sinnvoll waren, heute aber Realitäten verfehlen.

So entstand der Schritt von bayernkreativ zum CreativeTechHUB der Bayern Innovativ GmbH.

Der HUB ist kein Rebranding, sondern eine neue Betriebshaltung. Er versteht sich als Plattform, nicht als Instanz. Als Ort, an dem Kreative, Tech Unternehmen, Start ups, Industrie und Wissenschaft aufeinandertreffen, nicht um fertige Lösungen abzuholen, sondern um gemeinsam zu experimentieren.
Noch ist vieles offen. Programmatiken entwickeln sich, Themen verschieben sich, Schwerpunkte werden getestet. Diese Offenheit ist kein Mangel, sondern Teil der Antwort auf eine dynamische Realität.

Denn echte Transformation entsteht nicht durch Planungssicherheit, sondern durch Anschlussfähigkeit.

Für Bayern liegt darin eine strategische Chance: ein Wirtschaftsstandort, der technologische Exzellenz mit kultureller Gestaltungskraft verbindet. Der Innovation nicht nur schneller, sondern auch relevanter macht. Und der erkennt, dass wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit dort entsteht, wo technologische Möglichkeiten auf menschliche Bedürfnisse treffen.
Der Weg dorthin führte über zehn Jahre Aufbauarbeit. Über Netzwerke, Vertrauen und Erfahrungswissen. Exnovation bedeutet nicht, das hinter sich zu lassen, sondern es ernst zu nehmen.
So zeigt sich in diesem Weg durch Wandel, Abschied und Neubeginn immer wieder die Wahrheit von Hermann Hesse:
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Gerade dann, wenn er aus dem bewussten Ende des Alten entsteht.

Hier geht unser Weg weiter