Tag der Rückengesundheit

Rücken im Blick: Bewegung trifft Hightech

11.03.2026

Ein langer Bürotag, acht Stunden im Sitzen, die Haltung vernachlässigt und abends die Folgen: Rückenschmerzen. Was wie ein Einzelfall klingt, betrifft Millionen Menschen in Deutschland. Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten Volkskrankheiten: Knapp ein Drittel der Erwachsenen und rund ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen sind betroffen. 

Die Ursachen sind vielfältig und oft nicht eindeutig zu bestimmen. Als größter Risikofaktor gilt jedoch Langzeitsitzen in Kombination mit Bewegungsmangel. Auch psychosoziale Belastungen wie Stress oder Probleme im Beruf und Privatleben schlagen sich häufig im Rücken nieder. Entscheidend ist dabei die Lokalisierung der Schmerzen: Die meisten Beschwerden treten im unteren Rücken auf. Die Lendenwirbelsäule ist einem besonders hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt, da sie einen Großteil des Körpergewichts trägt und im Bereich zwischen Oberkörper und Becken besonders hohe Druck- und Hebelkräften wirken. Schmerzen im mittleren Rücken gehen häufig von der Brustwirbelsäule aus, während Beschwerden im oberen Rücken meist in der Nackenregion positioniert sind. Von dort können sie bis in Schultern und Arme ausstrahlen, Kopfschmerzen im Hinterkopfbereich gehören ebenfalls zu den typischen Begleiterscheinungen. Seit 2002 ruft der Tag der Rückengesundheit am 15. März jährlich dazu auf, aktiv gegen Rückenbeschwerden vorzugehen, denn häufig sind falsche Gewohnheiten und Verhaltensweisen die Ursache, die sich leicht beheben lassen. Der diesjährige Aktionstag steht unter dem Motto „Rück'n'Roll – Bring Bewegung in dein Leben!" Im Mittelpunkt des 25. Tags der Rückengesundheit steht das Thema „gesundheitsfördernde Bewegung". Bundesweit wird darauf aufmerksam gemacht, wie regelmäßige Alltagsbewegung Rückenschmerzen vorbeugen und die Lebensqualität nachhaltig verbessern kann. 

Viele Unternehmen im Netzwerk von Bayern Innovativ zeigen, wie Rückengesundheit praktisch gelebt werden kann- mit frischen Ideen, präventiven Maßnahmen und innovativen Ansätzen, die Bewegung in den Arbeitsalltag bringen. 

KI-Coach für den Rücken: Training digital und effektiv

Prävention kann auch virtuell funktionieren. Das zeigt das Healthtech-Unternehmen Kaia Health, welches digitale Therapieprogramme für Rückenschmerzen und chronische Schmerzen anbietet. „Kaia Health wurde 2016 aus persönlichem Antrieb gegründet“, erklärt Ronald Graefe, Regionaler Vertriebsleiter des Unternehmens. „Es war oft schwierig, passende Therapieplätze für Rückenschmerzen zu finden. Deswegen sind wir mit dem Ziel angetreten, die Verbesserung von Betroffenen mit Rückenbeschwerden gerade im Blick auf die Vermeidung von chronischen Schmerzen in den Fokus zu nehmen und eine wirksame, heimbasierte Therapie anzubieten.“ Nach einer ärztlichen Empfehlung können Patientinnen und Patienten über ein Rezept die App nutzen, die innerhalb weniger Tage aktiviert wird. Damit ist die App eine Digitale Gesundheitsanwendung, eine sogenannte DiGA, die als Medizinprodukt geprüft und zugelassen ist. „In der Regel verschreibt der Arzt die digitale Therapie. Nach der Rezepteinlösung bei der Krankenkasse kann es direkt losgehen.“, erklärt Graefe. Das Programm beginnt mit einer Ersteinschätzung, bei der Schmerzlevel und Grenzen erfasst werden, und stellt daraufhin ein individuell angepasstes Trainingsprogramm zusammen. Um Fehler bei den Übungen zu vermeiden, kommt ein KI-Bewegungscoach zum Einsatz, der unmittelbar Rückmeldung an die Patientin oder den Patienten gibt – ähnlich wie physiotherapeutisches Fachpersonal, nur bequem zu Hause. Dass dieser digitale Ansatz mehr ist als eine technische Spielerei, zeigen die Erfahrungen aus der Versorgung: In einer Studie mit 1.237 Teilnehmenden sank der Schmerz nach drei Monaten um 33 Prozent, nach zwölf Monaten sogar um 46 Prozent. Eine weitere Untersuchung bestätigte, dass das digitale Bewegungsfeedback mit dem von Fachkräften der Physiotherapie vergleichbar ist. Nutzerinnen und Nutzer werden darüber hinaus an Übungen erinnert und durch spielerische Elemente motiviert, regelmäßig aktiv zu bleiben. Für Graefe ist Rückengesundheit mehr als Schmerzfreiheit: „Es geht um Lebensqualität und die Chance, schmerzfrei mehr Freude am Alltag zu haben.“ Zum Tag der Rückengesundheit gibt er einen klaren Rat: „Regelmäßige Bewegung sollte idealerweise mit gezielten Übungen eingeplant und konsequent durchgeführt werden. Bei Beschwerden empfiehlt es sich, ärztlichen Rat einzuholen und bei Bedarf eine digitale Therapie wie unsere zu nutzen.“  

Hightech für den Rücken: Roboter im Einsatz

Wie technologische Innovation ganz konkret zur Rückengesundheit beitragen kann, zeigt das Robotikunternehmen German Bionic. Im Gespräch erläutert der Leiter der globalen Kommunikation Eric Eitel, wie robotische Exoskelette körperlich belastende Arbeit gezielt unterstützen, etwa beim Heben, Tragen oder Arbeiten in vorgebeugter Haltung.  

Sensorik, Elektromotoren und KI-basierte Steuerung sorgen dafür, dass Bewegungen ergonomischer ausgeführt und Überlastungen möglichst vermieden werden. Für Eitel ist das Teil eines größeren gesellschaftlichen Ansatzes: „Human-Augmentation-Technologie ist deshalb so relevant, weil wir eine alternde Gesellschaft haben. Wir müssen nachhaltig mit unseren Arbeitskräften umgehen, damit sie fit bleiben, nicht körperlich überlastet werden und dann krankheitsbedingt ausfallen.“ Ein Beispiel dafür ist das aktuelle Exoskelett-System „Exia“. Das vernetzte Assistenzsystem passt sich individuell an seine Trägerinnen und Träger an, lernt aus Bewegungsdaten und kann Hebebewegungen mit bis zu 38 Kilogramm Gewichtskompensation unterstützen. Ziel ist es, Belastungen im Arbeitsalltag messbar zu reduzieren, insbesondere in Berufen mit häufigem Heben oder unergonomischen Körperhaltungen, etwa beim Einladen von Flugzeugen oder in der Pflege. Rückengesundheit bedeutet für Eitel vor allem Prävention: „Prävention ist das A und O: um gesunde und nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen, ist es essenziell zu wissen, was und wie gearbeitet wird.“  Gleichzeitig betont er, dass Technologie den Menschen nicht ersetzen soll: „Es ist wichtig, dass wir ein Technologie-Leitbild verfolgen, das Menschen unterstützt und sie nicht überflüssig macht. Menschen und Maschinen können zusammenarbeiten und schwere Arbeit nachhaltig gemeinsam meistern.“ Es sei nicht richtige Ansatz, nur auf Technologie zu setzen und auf Rücktraining gänzlich zu verzichten. Durch gezielte Übungen werde die Rückmuskulatur gestärkt. Kombiniert man Training mit Technologie, skalieren sich die Möglichkeiten. 

Arbeitsplatzgestaltung mit Rücken im Blick

Ein weiterer Ansatzpunkt für Rückengesundheit liegt in der Gestaltung der Arbeitsplätze selbst und genau hier setzt Ergo-Tech als Medizintechnikunternehmen mit eigener Fertigung und ausgewählter Handelsware an. Das Unternehmen versteht Ergonomie nicht als Zusatzoption, sondern als Grundprinzip. „Eine gesunde, anpassungsfähige oder anpassbare Arbeitsumgebung zu schaffen“, beschreibt Medizinproduktberater Peter Prowinsky den eigenen Anspruch.

Ergo-Tec entwickelt unter anderem maßgefertigte, höhenverstellbare Arbeitsplatzlösungen für Logistik- und Produktionsbereiche. Ziel ist es, Arbeitsplätze präzise auf Tätigkeit und Körpergröße abzustimmen und so Belastungen spürbar zu reduzieren. Im Zentrum stehen dabei Lösungen, die Bewegung fördern statt starre Haltungen zu zementieren. Elektromotorisch höhenverstellbare Tische ermöglichen den Wechsel zwischen Sitzen und Stehen, ergänzt durch Sattelstühle oder Sitz-Steh-Hilfen mit beweglicher Sitzfläche. „Hauptsächlich wollen wir Beschwerden im Lendenwirbelsäulenbereich vorbeugen, wo doch die meisten ihre Probleme haben“, so Prowinsky. Gerade in Praxen – etwa bei Zahnärztinnen und Zahnärzten – beobachte man ein wachsendes Bewusstsein für die eigene Gesundheit und die der Mitarbeitenden. Ein besonderes Innovationsprojekt ist der Patientenstuhl „TheraSwitch“, ein Eigenprodukt, das gemeinsam mit Anwendenden entwickelt wurde. Konzipiert für die Erwachsenentherapie in der Logopädie, sorgt er für eine stabile, aufrechte Sitzposition bei Menschen mit Sprech- oder Schluckstörungen und unterstützt gleichzeitig die ergonomische Arbeitshaltung der Therapeutinnen und Therapeuten, etwa bei diagnostischen Verfahren wie Endoskopien. „Er ist so ausgelegt, dass sowohl Patientinnen und Patienten sicher positioniert sind als auch Fachkräfte gerade und rückenfreundlich arbeiten können“, erklärt Prowinsky. Rückengesundheit zählt für ihn zu den drängendsten Herausforderungen im Arbeitsalltag. Als Volkskrankheit betreffe sie Angestellte ebenso wie Selbstständige. Umso wichtiger sei es laut Prowinsky, an der Basis anzusetzen: „Man kann mit kleinen Stellschrauben viel Gutes tun, ohne ein Vermögen ausgeben zu müssen.“ Ergonomie, so die Botschaft von Ergo-Tech, beginnt nicht bei spektakulären Investitionen, sondern bei der bewussten Gestaltung des täglichen Arbeitsplatzes. 

Muskeln statt Schmerztabletten: Training als Prävention

Während technologische Innovationen und digitale Anwendungen neue Wege in der Prävention eröffnen, zeigt sich zugleich: Eine der wirksamsten Maßnahmen für einen gesunden Rücken liegt im gezielten Aufbau von Muskelkraft. Genau hier setzt das Forschungs- und Präventionszentrum (FPZ) in Köln an. Als führender Anbieter evidenzbasierter Therapieprogramme zur Prävention und Behandlung muskuloskelettaler Beschwerden und chronischer Erkrankungen verbindet das FPZ Forschung und Versorgung in einem bundesweiten Netzwerk zertifizierter Therapiezentren. Geschäftsführer Dr. Frank Schifferdecker-Hoch formuliert eine klare Vision: „Wir wollen bis 2035 mehr als 50 Millionen zusätzliche gesunde Lebensjahre ermöglichen.“ Im Zentrum steht dabei das Leitprinzip „Muskulatur im Fokus“. Die Muskulatur werde häufig unterschätzt, so Schifferdecker-Hoch, dabei wirke sie „wie eine körpereigene Apotheke: Wenn Muskeln arbeiten, werden im Körper vielfältige gesundheitsfördernde Prozesse aktiviert, Schmerzen reduziert und Funktion verbessert.“

Konkret umgesetzt wird dieser Ansatz unter anderem in der „FPZ RückenTherapie“: Auf eine fundierte Eingangsanalyse folgt ein strukturiertes, begleitetes Aufbauprogramm, das Kraft, Funktion und Alltagsbelastbarkeit gezielt steigern soll. „Gezieltes Krafttraining ist hier der stärkste konservative Hebel“, betont er mit Blick auf Rückenschmerzen, da es körperliche Reserve erhöhe, die Bewegungskontrolle verbessere und helfe, „den bekannten Kreislauf aus Schonung, Abbau und zunehmender Empfindlichkeit zu durchbrechen.“ Entscheidend sei dabei die richtige Dosierung und professionelle Begleitung, um Sicherheit zu vermitteln und nachhaltige Effekte zu erzielen. Seine Botschaft zum Tag der Rückengesundheit: „Lassen Sie sich nicht von Schmerz und Begriffen wie ‚Verschleiß‘ lähmen. Rückenschmerzen lassen sich in den meisten Fällen konservativ sehr gut beeinflussen, durch dosierte Bewegung, gezielten Muskelaufbau und gute Anleitung.“ 

Ob Exoskelett, App, ergonomischer Arbeitsplatz oder strukturiertes Krafttraining, die Beispiele aus dem Netzwerk zeigen, wie vielfältig die Wege zu mehr Rückengesundheit sein können. Sie reichen von Hightech-Lösungen in Industrie und Pflege über digitale Therapiebegleitung bis hin zu individuell angepassten Arbeitsumgebungen und evidenzbasierten Trainingsprogrammen. So unterschiedlich die Ansätze auch sind, sie verfolgen ein gemeinsames Ziel: Menschen in Bewegung zu bringen, Belastungen zu reduzieren und langfristig Lebensqualität zu sichern. Als Impulsgeber und Vernetzer unterstützt Bayern Innovativ solche Entwicklungen aktiv. Mit dem breiten Netzwerk aus Forschung, Wirtschaft und Gesundheitswesen trägt das Unternehmen dazu bei, dass innovative Ideen nicht isoliert bleiben, sondern in den Austausch kommen und ihren Weg in die Praxis finden. Damit stärkt Bayern Innovativ den Wirtschaftsstandort Bayern gleichzeitig als zukunftsorientierten Standort für Gesundheitsinnovationen. Der Tag der Rückengesundheit erinnert damit nicht nur an die weit verbreitete Volkskrankheit Rückenschmerzen, sondern auch an die Chancen, ihr aktiv zu begegnen. Prävention beginnt im Alltag, mit kleinen Veränderungen, bewusster Haltung, regelmäßiger Bewegung und dem Mut, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Denn ein gesunder Rücken ist kein Zufall, sondern das Ergebnis informierter Entscheidungen, engagierter Akteurinnen und Akteure und einer Arbeitswelt, die Gesundheit mitdenkt.  

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