VW und Enercity erproben Vehicle-to-Grid
75 E-Fahrzeuge werden im Pilotprojekt zu flexiblen Energiespeichern im Stromnetz
24.03.2026
Quelle: E & M powernews
Volkswagen Nutzfahrzeuge und Enercity testen bidirektionales Laden mit dem „ID. Buzz“ im Realbetrieb. Sie wollen Erkenntnisse zu Technik, Wirtschaftlichkeit und Marktreife erlangen.
Volkswagen Nutzfahrzeuge und der kommunale Energieversorger Enercity aus Hannover haben eine Kooperation zum bidirektionalen Laden gestartet. Im Rahmen eines Pilotprojekts soll erstmals die Einbindung von Elektrofahrzeugen in den Energiemarkt unter realen und skalierbaren Bedingungen untersucht werden. Zum Einsatz kommt eine Flotte von 75 Fahrzeugen des Typs „ID. Buzz“ sowie eine entsprechende Ladeinfrastruktur.
Nach Angaben der Partner steht dabei das Zusammenspiel von Fahrzeug, Wallbox, Energiemanagementsystem und virtuellem Kraftwerk im Fokus. Ziel sei es, die technische Machbarkeit sowie wirtschaftliche Potenziale und den gesellschaftlichen Nutzen von Vehicle-to-Grid-Anwendungen im gewerblichen Einsatz zu evaluieren und zur Marktreife zu führen.
Das Vorhaben baut auf Vorstudien aus dem Jahr 2025 auf und geht nun in die praktische Umsetzung. Untersucht werden unter anderem technische Prozesse, die Vermarktung von Flexibilität über virtuelle Kraftwerke sowie Effekte auf Betriebskosten.
Volkswagen Nutzfahrzeuge sieht in der Technologie einen nächsten Entwicklungsschritt. Dessen Vorstandsvorsitzender, Stefan Mecha, betonte, die Fahrzeuge könnten künftig als Energiespeicher dienen und damit zu einem aktiven Bestandteil der Energiewende werden.
Aurelie Alemany, Vorstandsvorsitzende von Enercity, erklärte: „Mit dem Pilotprojekt machen wir Firmenflotten zum Teil der Lösung: Die E-Auto-Batterien liefern Flexibilität genau dann, wenn das Energiesystem sie braucht.“
Durch das bidirektionale Laden und die Vermarktung von Flexibilitäten ließen sich nicht nur Energiekosten senken, sondern auch zusätzliche Erlöse generieren, so dass unter günstigen Rahmenbedingungen sogar ein nahezu kostenfreier Betrieb von Elektrofahrzeugen möglich sei, heißt es von Seiten des Energieversorgers. Das Unternehmen verweist darauf, dass ein technischer Nachweis für bidirektionales Laden bereits im Labor erbracht worden sei. Im aktuellen Projekt gehe es nun darum, Wirtschaftlichkeit und Skalierbarkeit unter realen Bedingungen zu prüfen.
In der ersten Phase konzentriert sich das Projekt auf gewerbliche Flotten mit planbaren Standzeiten, etwa über Nacht auf Betriebsgeländen. Für diese Anwendung soll gezeigt werden, dass sich die Technologie einfach in bestehende Abläufe integrieren lässt und wirtschaftliche Vorteile bietet. Enercity setzt bereits selbst elektrische Nutzfahrzeuge ein. Der ID. Buzz Cargo stellt nach Unternehmensangaben mehr als die Hälfte der eigenen Elektroflotte.
Der Energieversorger zählt nach eigenen Angaben zu den wenigen Unternehmen in Deutschland, die bidirektionales Laden unter marktähnlichen Bedingungen simulieren können. Dabei werden verschiedene Erlösquellen wie Arbitrage und Regelenergie kombiniert. Ziel sei ein integriertes Angebot aus Fahrzeug, Ladeinfrastruktur und Energieprodukt.
Neben Enercity testet auch die Volkswagen-Konzernmarke Elli entsprechende Anwendungen. Die Projektpartner erwarten, dass bidirektionales Laden neue Geschäftsmodelle ermöglicht und zugleich zur Netzstabilität sowie zur Integration erneuerbarer Energien beiträgt.
Autor: Fritz Wilhelm
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