Studie setzt Prioritäten für Photovoltaik-Flächen
UBA zeigt Wege für naturverträglichen Photovoltaik-Ausbau in Deutschland bis 2040
22.12.2025
Quelle: E & M powernews
Das Umweltbundesamt zeigt in einem neuen Factsheet, wie Deutschland Photovoltaik bis 2040 stark ausbauen kann, ohne Natur und Landwirtschaft erheblich zu beeinträchtigen.
Ein ambitionierter Ausbau der Solarenergie in Deutschland ist möglich, ohne ökologisch oder landwirtschaftlich wertvolle Flächen in großem Umfang zu gefährden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Umweltbundesamtes (UBA) in Dessau (Sachsen-Anhalt). In einem neuen Factsheet beschreibt die Bundesbehörte, wie Photovoltaik natur- und flächenschonend ausgebaut werden kann.
Hintergrund ist das Ziel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die installierte Leistung von Photovoltaikanlagen von derzeit rund 112.000 MW bis 2040 auf 400.000 MW zu erhöhen. Laut dem UBA spielt Solarenergie eine zentrale Rolle, um den Klimaschutz voranzubringen und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern. Entscheidend sei dabei die Auswahl geeigneter Flächen.
Vorrang für bereits versiegelte Flächen
Aus Sicht der Behörde sollten Photovoltaikanlagen vorrangig auf Dächern sowie auf bereits versiegelten oder vorbelasteten Flächen entstehen. Dazu zählen unter anderem Parkplätze, Deponien, Industrie- und Gewerbeflächen. Diese Standorte verursachen laut UBA die geringsten zusätzlichen Eingriffe in Natur und Landschaft und nutzen vorhandene Flächen effizient.
Um die Ausbauziele rechtzeitig zu erreichen, hält das UBA zusätzliche Freiflächenanlagen für unverzichtbar. Landwirtschaftliche Flächen sollten jedoch nur dann genutzt werden, wenn andere Optionen nicht ausreichen. In diesem Fall empfiehlt die Behörde, Flächen mit geringer bis mittlerer Bodengüte und geringer ökologischer Bedeutung zu wählen.
Naturschutzfachlich sensible Gebiete sowie besonders fruchtbare Böden sollten demnach freigehalten werden. Auch die Bündelung von Photovoltaik mit vorhandener Infrastruktur, etwa entlang von Autobahnen, könne helfen, Lebensräume weniger stark zu zerschneiden.
Empfehlungen für Agri-PV
UBA-Präsident Dirk Messner betont laut der Veröffentlichung, dass Wind- und Sonnenenergie nicht nur zum Klimaschutz beitragen, sondern auch eine kostengünstige und umweltverträgliche Energieversorgung ermöglichen. Gleichzeitig sei es möglich, Photovoltaikanlagen so zu errichten, dass Böden fruchtbar bleiben und naturnahe Bereiche erhalten werden. Nach Angaben des UBA erzeugt Photovoltaik selbst bei umweltschonender Umsetzung pro Hektar ein Vielfaches an Strom im Vergleich zum Anbau von Energiepflanzen.
Das Factsheet mit dem Titel „Photovoltaik auf dem Acker? – Ein Positionspapier“ benennt zudem konkrete Umweltkriterien für Freiflächenanlagen. So sollten Module und Nebenanlagen höchstens 60 Prozent der Fläche überdecken. Vorgesehen sind außerdem ein biodiversitätsfreundliches Vegetationsmanagement, die Durchgängigkeit für Tiere sowie Biotopelemente wie Blühstreifen auf mindestens zehn Prozent der Anlagenfläche. Trocken gelegte Moorböden sollen grundsätzlich ausgeschlossen bleiben, mit Ausnahme spezieller Moor-PV-Projekte, die eine Wiedervernässung vorsehen.
Ein weiteres zentrales Element ist die Förderung von Agri-PV. Diese Systeme kombinieren landwirtschaftliche Nutzung und Stromerzeugung auf derselben Fläche. Laut dem UBA können sie Erträge stabilisieren, indem sie Nutzpflanzen und Tiere vor extremen Wetterereignissen schützen, und gleichzeitig sehr flächeneffizient Strom liefern.
Weniger Energiepflanzen anbauen
Vor dem Hintergrund dieser Effizienzvorteile empfiehlt das Umweltbundesamt, den Anbau von Bioenergiepflanzen deutlich zu reduzieren. Konventionelle PV-Freiflächenanlagen lieferten pro Hektar 28- bis 50-mal mehr Strom als Mais oder andere Energiepflanzen, heißt es in dem Papier. Frei werdende Flächen könnten für Nahrungsmittelproduktion, Naturschutzmaßnahmen und die Stärkung der Klimarobustheit landwirtschaftlicher Böden genutzt werden.
Insgesamt kommt das UBA zu dem Schluss, dass für die Erreichung der Ausbauziele nur rund 0,5 Prozent der Bundesfläche benötigt würden, wenn Dach- und Freiflächen etwa gleich stark genutzt werden. Der Photovoltaikausbau könne daher so gestaltet werden, dass Klimaschutz, Landwirtschaft und Naturschutz miteinander vereinbar bleiben.
Das Positionspapier „Photovoltaik auf dem Acker? – Ein Positionspapier“ des UBA zur Photovoltaik steht im Internet bereit.
Autorin: Susanne Harmsen
Das könnte Sie auch interessieren
Bayern Innovativ Newsservice
Sie möchten regelmäßige Updates zu den Branchen, Technologie- und Themenfeldern von Bayern Innovativ erhalten? Bei unserem Newsservice sind Sie genau richtig!