Solarparks auch als Weideland nutzbar
Neue Studie des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft zeigt, dass Solarparks weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden können und gleichzeitig Biodiversität fördern
13.03.2026
Quelle: E & M powernews
Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) hat einen Forschungsbericht vorgestellt. Er untersucht erstmals systematisch die Grünlandnutzung in Solarparks.
Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) hat einen Forschungsbericht zur landwirtschaftlichen Nutzung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen vorgelegt. Darin wird aufgezeigt, wie sich Grünland in Solarparks bewirtschaften lässt und welche Rolle diese Flächen für Landwirtschaft und Biodiversität spielen können. Der Verband stellte die Ergebnisse am 11. März im Rahmen einer Fachkonferenz zur landwirtschaftlichen Nutzung von Solarparks in Berlin vor.
Deutschland plant einen deutlichen Ausbau der Photovoltaik auf Freiflächen. Ein erheblicher Teil der neuen Anlagen soll auf landwirtschaftlich genutzten Flächen entstehen. Laut dem BNE schließen sich Energieerzeugung und landwirtschaftliche Nutzung jedoch nicht aus. Vielmehr könnten die Flächen weiterhin als Grünland bewirtschaftet werden. Neben der Stromproduktion entstehe dadurch zusätzlicher Lebensraum für verschiedene Tier- und Pflanzenarten.
Bündnis PV-Branche mit Tierhaltern
Solarparkbetreiber seien auf Landwirtinnen und Landwirte angewiesen, die die Flächen pflegen und bewirtschaften, erklärte der Verband. Bislang fehlten jedoch wissenschaftliche Daten zur Qualität und Menge der Biomasse in den Anlagen. Deshalb unterstützte der BNE ein Forschungsprojekt zur Vegetation und Bewirtschaftung von Solarparkflächen.
Über einen Zeitraum von 18 Monaten untersuchten Dina Hamidi von der Georg-August-Universität Göttingen und Christoph Hütt von der Universität zu Köln die Vegetation in mehreren Solarparks. Die Forschenden analysierten unter anderem, welche Pflanzenarten an unterschiedlichen Stellen innerhalb der Anlagen vorkommen, wie sich Weidetiere in den Flächen bewegen und welche Nährstoffgehalte die dort wachsenden Pflanzen aufweisen.
Für die Messungen setzten sie unter anderem „LiDAR“-Technologie ein. Mit einem Laser-Scanner, der mobil genutzt oder an einer Drohne befestigt werden kann, erfassten sie den Pflanzenaufwuchs in den Anlagen. Laut dem Forschungsbericht ließ sich damit die Biomasse in den Solarparks präzise vermessen, auch in Bereichen unter den Solarmodulen.
Nährstoffe wachsen ausreichend
Die Untersuchungen zeigen laut den beteiligten Wissenschaftlern, dass die Vegetation in Solarparks ausreichend Nährstoffe für die Beweidung mit Schafen und Rindern liefert. Unterschiede zeigten sich je nach Standort innerhalb der Anlagen. Pflanzen unter den Modulen wiesen demnach eine höhere Artenvielfalt und einen größeren Proteingehalt auf. Zwischen den Modulreihen fiel dagegen die Biomassemenge tendenziell höher aus.
Neben der Vegetation analysierte das Forschungsteam auch das Verhalten von Schafen in Solarparks. Dabei zeigte sich laut Bericht, dass sich die Tiere bei höheren Temperaturen häufiger im Schatten der Module aufhielten. Dieser Effekt könnte angesichts steigender Temperaturen im Zuge des Klimawandels an Bedeutung gewinnen.
Der Geschäftsführer des BNE, Robert Busch, sieht in den Ergebnissen einen Hinweis auf das landwirtschaftliche Potenzial von Photovoltaik-Freiflächenanlagen. Wenn Betreiber gut gepflegte Solarparks anstreben, müsse die Landwirtschaft stärker einbezogen werden, erklärte Busch. Bisher habe es kaum Daten dazu gegeben, welche Pflanzen in den Anlagen wachsen oder ob die Futterqualität für Weidetiere ausreicht. Die neuen Untersuchungen würden diese Wissenslücke teilweise schließen.
Positive Effekte für Weidetiere
Aus Sicht des BNE zeigen die Ergebnisse, dass Grünland in Solarparks grundsätzlich als Weidefläche geeignet ist. Die Tiere profitierten laut Busch in zweifacher Hinsicht: Die Module böten Schutz vor Sonne und Witterung, während gleichzeitig eine vielfältige Vegetation wachse.
Der Verband empfiehlt deshalb, die Bewirtschaftung von Solarparkflächen stärker im landwirtschaftlichen Kontext zu betrachten. Die neue Datenlage zur Vegetationsqualität und zum Verhalten von Weidetieren spreche dafür, landwirtschaftliche Nutzung in solchen Anlagen auszubauen. Diese Form der Flächennutzung sollte nach Ansicht des BNE als Landwirtschaft anerkannt werden – zusätzlich zu Konzepten der Agri-Photovoltaik, bei denen landwirtschaftliche Produktion und Stromerzeugung technisch kombiniert werden.
Der jetzt veröffentlichte Bericht bündelt laut dem Verband mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen aus dem Projekt. Weitere Publikationen der beteiligten Forschenden seien in den kommenden Monaten geplant.
Die BNE-Studie zur Agri-PV steht als PDF zum Download bereit.
Autorin: Susanne Harmsen
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