Niederlande setzen auf Offshore-Speicher
Webinar der Deutschen Carbon Management Initiative beleuchtet Offshore-CCS-Projekte Porthos und Aramis – frühe Stakeholder-Einbindung gilt als Schlüssel zum Projekterfolg
25.02.2026
Quelle: E & M powernews
Die Deutsche Carbon Management Initiative stellte in einem Webinar die CCS-Projekte Porthos und Aramis in den Niederlanden vor. Demnach schafft frühe Beteiligung mehr Akzeptanz.
Die geologische Speicherung von Kohlendioxid unter dem Meeresboden gilt in der Energie- und Industriepolitik als Baustein für ein funktionierendes Carbon Management. Doch technische Fragen allein entscheiden nicht über den Projekterfolg. Im Rahmen eines Webinars rückte die Deutsche Carbon Management Initiative (DCMI) die gesellschaftliche Akzeptanz in den Mittelpunkt und präsentierte Praxisbeispiele aus den Niederlanden.
Jeanette Quak, Stakeholder-Managerin beim Projekt Porthos, schilderte, wie das Vorhaben vor der niederländischen Küste organisiert ist. Porthos ist ein Joint Venture von EBN, Gasunie und dem Hafenbetrieb Rotterdam. Die Projektgesellschaft baut eine Infrastruktur für Transport und Speicherung von CO2 auf. Industrielle Kunden wie Air Liquide, Air Products, ExxonMobil und Shell scheiden das CO2 ab und speisen es in das System ein.
Projekt Porthos
Das abgeschiedene CO2 gelangt zunächst über ein unterirdisches Sammelrohrleitungssystem zu bestehenden Pipelineabschnitten in den Industriegebieten Maasvlakte, Europoort und Botlek. Anschließend verdichten Kompressorstationen das Gas auf den für Transport und Injektion erforderlichen Druck. Eine Offshore-Pipeline führt das CO2 rund 20 Kilometer vor die Küste zur ehemaligen Gasplattform P18-A. Dort injiziert das Projektteam das CO2 in mehr als drei Kilometer Tiefe in erschöpfte Gasfelder unter der Nordsee.
Das poröse Sandsteinreservoir eignet sich für eine dauerhafte geologische Speicherung. Das Gesamtvolumen beziffern die Projektverantwortlichen von Porthos auf 37 Megatonnen. Pro Jahr sollen bis zu 2,5 Megatonnen über einen Zeitraum von 15 Jahren eingespeichert werden.Der Baubeginn erfolgte im ersten Quartal 2024, die Inbetriebnahme ist für 2026 geplant. Quak betonte im Webinar, dass das Projektteam frühzeitig das Gespräch mit zahlreichen Akteuren gesucht habe.
Neben der Region Südholland und der Stadt Rotterdam zählten dazu Nachbargemeinden, Hafenpolizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Industrieunternehmen, Fischer, die Schifffahrt sowie Umweltorganisationen und Anwohner. Ziel sei es gewesen, Pläne transparent zu machen und Belange frühzeitig aufzunehmen. Zusätzliche Gutachten oder Klagen könnten Vorhaben sonst erheblich verzögern.
Die Sensibilität für das Thema ist in den Niederlanden gewachsen. Erste CCS-Projekte an Land scheiterten laut den Referenten an Protesten von Anwohnern. Diese befürchteten Gasaustritte und Wertverluste ihrer Immobilien. Zudem hatten Erdbeben infolge der Gasförderung in anderen Regionen zu Gebäudeschäden geführt. Nach Einschätzung der Projektvertreter gilt eine CO2-Speicherung an Land deshalb derzeit als politisch kaum durchsetzbar.
Projekt Aramis
Auch das Projekt Aramis setzt auf Offshore-Speicherung. Joep Sweyen, Public Affairs Lead des Vorhabens, erklärte, Aramis werde als Open-Access-Infrastruktur konzipiert. Die Partnerschaft umfasst EBN, Gasunie, Total Energies und Shell. Das Projekt sieht eine rund 200 Kilometer lange Offshore-Pipeline mit einer Kapazität von 22 Megatonnen pro Jahr in dichter Phase vor. Die Speicherung soll ebenfalls in erschöpften Gasfeldern erfolgen, unter anderem von Shell, Total Energies und Eni.
Aramis unterscheidet sich in mehreren Punkten von Porthos. Während Porthos stark auf den Industriecluster Rotterdam ausgerichtet ist und eine 20 Kilometer lange Offshore-Anbindung nutzt, verfolgt Aramis eine stärker grenzüberschreitende Perspektive. Das System soll Verbindungen zu mehreren europäischen Clustern ermöglichen, darunter dem Delta-Rhein- und dem Delta-Schelde-Korridor. Für den Delta-Rhein-Korridor entwickeln Gasunie in den Niederlanden und OGE in Deutschland entsprechende Infrastrukturen für Wasserstoff und CO2. Die Inbetriebnahme ist für 2032 oder 2033 vorgesehen.
Sweyen verwies darauf, dass auch die soeben neu gewählte niederländische Regierung die Projekte unterstütze. Für 2025 kündigte sie zusätzliche Hilfen an. Emittenten erhielten in den Jahren 2022 bis 2024 Förderzusagen aus dem SDE++-Programm. Für 2026 ist ein Budget von acht Milliarden Euro vorgesehen, weitere Mittel sind für 2027 bis 2032 angekündigt. Endgültige Genehmigungen wurden 2025 erteilt, sind jedoch nach Angaben der Projektverantwortlichen noch nicht unwiderruflich. Finale Investitionsentscheidungen strebt Aramis für 2026 bis 2027 an, mit einem geplanten Betriebsstart bis 2030.
Beide Projekte profitieren laut den Referenten von einer zunehmenden politischen Einbettung auf EU-Ebene. Anpassungen an europäische Initiativen wie den Net-Zero Industry Act und grenzüberschreitende Förderinstrumente stärken die Planungssicherheit. Aramis erhielt zudem EU-Fördermittel für die CO2-Infrastruktur.
Autorin: Susanne Harmsen
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