Debatte um Netzentgelte für Speicher verschärft sich

Stadtwerke warnen vor Investitionsrisiken durch neue Speichernetzentgelte und fordern verlässliche Rahmenbedingungen

25.03.2026

Quelle: E & M powernews-

Der VKU kritisiert die Vorschläge der Bundesnetzagentur zu Speichernetzentgelten und fordert Bestandsschutz für Projekte, um Investitionen von Stadtwerken nicht zu gefährden.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) übt deutliche Kritik an den von der Bundesnetzagentur vorgelegten Orientierungspunkten für Speichernetzentgelte im sogenannten AgNeS-Prozess. Laut VKU zeichnen die Vorschläge ein komplexes System, das mit zusätzlichem Aufwand verbunden ist, ohne eine ausreichende Lenkungswirkung zu entfalten.

In seiner Stellungnahme bemängelt der Verband insbesondere den hohen Umsetzungsaufwand. Die Vorschläge der Behörde erforderten zusätzliche Prognosen, umfangreiche Anpassungen in der IT sowie komplizierte bilanzielle Abgrenzungen. Gleichzeitig sei der Nutzen begrenzt, da Speicher bereits heute überwiegend preis- und systemorientiert betrieben würden. Der VKU sieht daher keinen ausreichenden Mehrwert durch die geplanten Regelungen.

Vertrauensschutz erhalten

Besonders kritisch bewertet der Verband die Überlegungen der Bundesnetzagentur, die bestehende Netzentgeltbefreiung für Batteriespeicher nach § 118 Absatz 6 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) nachträglich einzuschränken. Aktuell gehen Unternehmen laut VKU davon aus, dass Speicher, die bis zum 4. August 2029 in Betrieb gehen, von Netzentgelten befreit sind und diese Regelung anschließend für 20 Jahre gilt. Eine vergleichbare Regelung gilt auch für Wasserstoffelektrolyseure. Der Deutsche Bundestag hatte den Anwendungsbereich der Regelung zuletzt um drei Jahre verlängert.

Eine rückwirkende Änderung würde nach Einschätzung des VKU tief in bestehende Geschäftsmodelle eingreifen. Der Verband warnt vor erheblichen wirtschaftlichen Risiken für bereits geplante oder laufende Projekte. Eine nicht repräsentative Umfrage unter Mitgliedsunternehmen habe gezeigt, dass Projekte mit einer Leistung von rund 1.800 MW gefährdet sein könnten. Dies stehe im Widerspruch zu den politischen Ausbauzielen für Speichertechnologien. Der VKU betont die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen für kommunale Unternehmen.

Viele Speicher- und Wasserstoffprojekte werden laut Verband von Stadtwerken und kommunalen Energieversorgern geplant oder bereits umgesetzt. Für diese Akteure seien langfristig stabile Investitionsbedingungen entscheidend, um Projekte finanzieren und betreiben zu können. Vor diesem Hintergrund fordert der VKU ein transparentes und planbares Netzentgeltsystem. Dieses solle die Finanzierung der Netzinfrastruktur sichern, gleichzeitig aber den systemdienlichen Betrieb von Speichern unterstützen und die Wirtschaftlichkeit der Projekte nicht beeinträchtigen.

Alternatives Modell

Als Alternative zu den Vorschlägen der Bundesnetzagentur hat der Verband ein eigenes Modell vorgelegt. Dieses sieht Kapazitätspreise für Speicher oberhalb der Niederspannung vor, die sich an der vertraglich vereinbarten Anschlusskapazität orientieren. Bei netzdienlicher Fahrweise könnten diese Entgelte deutlich reduziert werden. Speicher in Privathaushalten sowie bei kleinen Betrieben, die an die Niederspannung angeschlossen sind, wären von diesem Modell nicht betroffen.

Einen zusätzlichen Arbeitspreis für Speicher lehnt der VKU ab. Für Wasserstoffelektrolyseure fordert der Verband eine Gleichbehandlung mit Speichern. Laut VKU soll das vorgeschlagene Modell sowohl die Systemintegration von Speichern fördern als auch die Investitionssicherheit für die beteiligten Unternehmen gewährleisten.

Die VKU-Stellungnahme zu den Speichernetzentgelten im AgNes-Prozess steht als PDF zum Download bereit.

Autor: Susanne Harmsen

Bayern Innovativ Newsservice

Sie möchten regelmäßige Updates zu den Branchen, Technologie- und Themenfeldern von Bayern Innovativ erhalten? Bei unserem Newsservice sind Sie genau richtig!

Jetzt kostenlos anmelden

iStock©skynny_924814322,