Bayernwerk: Großspeicher und Rechenzentren rücken in den Fokus

Bayernwerk sieht steigenden Druck auf Netzkapazitäten und fordert klare Prioritäten für Industrie, Rechenzentren und Speicher

22.04.2026

Quelle: E & M powernews

In der zweiten Halbzeit verortet Egon Leo Westphal die Energiewende. Und die bringe neue Herausforderungen mit sich. Zum Beispiel was die Ordnung auf dem Spielfeld angeht.

Die Verantwortung unter den Playern im Energiesystem, so der Bayernwerk-Chef bei der Jahrespressekonferenz in der Regensburger Unternehmenszentrale, müsse neu geregelt werden − wer wann Zugang zu den Netzen bekommt also. Denn der Ansturm ist gerade gigantisch: 41 Rechenzentren wollen angeschlossen werden mit einem Leistungsbedarf von 6.000 MW, vorwiegend im Großraum München und in der Region Würzburg/Aschaffenburg. 

Dazu kommen Batteriespeicher. Nicht nur für den Heimbedarf, der auch schon riesengroß ist. Es geht vor allem um die Integration von Großspeichern „mit einem Leistungsumfang, der so nie kommen kann und wird“. Westphal: „Wir reden da von aktuell 80.000 MW, weit über das Zehnfache unserer Höchstlast – wo sollen die hin?“ Und: Solche Großspeicher sorgen nicht automatisch für eine Entlastung der Stromnetze. Sie können netzneutral, netzdienlich und netzbelastend eingesetzt werden, je nach Geschäftsmodell. Und alles, was die Netze belastet, so der Vorstandsvorsitzende, sei „schwierig“. Sprich, stehe bestimmt nicht an erster Stelle, wenn es darum geht, einen der wertvollen Netzzugänge zu bekommen. 

Netzkapazitäten als „Gold der Energiewende“

Und wer beim Run auf die Netzkapazitäten, die immer mehr zum „Gold der Energiewende“ würden, die Nase vorne haben soll, ist für Westphal und die Landespolitik auch schon ausgemacht: Industrie und Gewerbe, die ja Arbeitsplätze schaffen stehen an erster Stelle, auf Platz zwei die Rechenzentren und erst dann die Art von Speichern, die die Netze belasten. Das war so auch beim bayerischen Stromgipfel mit Ministerpräsident Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger abgestimmt worden. 

Es brauche jetzt neue und klare Spielregeln, eine neue Ordnung im Energiesystem, so Westphal. Diese Einschätzung werde auch vom Bund geteilt, einen Entwurf aus dem Wirtschaftsministerium zu einem Netzpaket, in dem der Relevanz von Steuerung und Synchronisierung des Anlagenzubaus Rechnung getragen wird, wertet er positiv. Vorstöße der Bundesnetzagentur gingen ebenfalls in die richtige Richtung. 

Die Zuschüsse für Einspeiser waren ein weiteres Thema der Veranstaltung in Regensburg. Es brauche systemimmanente Anreize, um dort neue Anlagen zu errichten, wo die Kapazitäten es ermöglichen. Anreize, bei denen die Allgemeinheit Vergütungen für nicht sinnvolle Stromeinspeisungen zahlen muss, seien nicht fair, findet Westphal. 

In der zweiten Hälfte der Energiewende neu aufs Spielfeld kommen sieht man beim Bayernwerk das bidirektionale Laden – also ein E-Auto, das bei Bedarf Strom ins Netz abgeben kann, um es zu stabilisieren. Auch das Laden von E-Lastern und flächendeckende Speicher für Photovoltaik-Heimanlagen zur Eigennutzung des Stroms würden an Bedeutung gewinnen. 

Weiteres zentrales Thema bei der Jahrespressekonferenz: Die Resilienz der Systeme, herausgefordert in der Vergangenheit durch Corona, Hochwasser, den Ukraine-Krieg und jüngst den Anschlag in Berlin. Die Dezentralität der Versorgung, da zeigt sich der Bayernwerk-Vorstand einig, ist schon mal die beste Voraussetzung für Resilienz. Der Flexumer steht hier im Mittelpunkt, also der, der Energie nicht nur konsumiert und produziert, sondern sie auch speichern, selbst nutzen und erzeugungsnah bereitstellen kann.

Zu viel Transparenz ist auch nicht gut

Personal- und Marktvorstand Albert Zettl verwies auf die Sicherheitsaspekte beim Thema Resilienz, die Zusammenarbeit mit den Behörden, aber auch auf problematische Veröffentlichungspflichten, die geändert werden müssten. „Eine so allumfassende Transparenz ist nicht mehr zeitgemäß.“ 

Dass die Netze weiter wachsen müssen, daran ließ Westphal am Ende keinen Zweifel. 2025 sind 2.330 MW PV-Leistung integriert worden, fast 24.000 MW erneuerbare Leistung fließen aktuell durch die Leitungen. Auch bei der Windenergie ist man in Regensburg mittlerweile zuversichtlich, dass die 1.000 Anlagen bis 2030 als Ziel der Landespolitik erreicht werden können.

War vor einigen Jahren noch die Rede davon, dass sich das Bayernwerk verdoppeln müsse, so ist das schon wieder überholt: Im Jahr 2030 werde man sich, verglichen mit 2020, verdreifachen. 12 Milliarden Euro will der Netzbetreiber von 2026 bis 2030 in die Energiewende stecken, allein dieses Jahr sollen es 2,2 Milliarden Euro sein, wie Finanzvorständin Daniela Groher ausführte. Bis 2045 rechnet das Bayernwerk mit einer Verdreifachung der regenerativen Erzeugungsleistung und einer Verdoppelung des Stromverbrauchs.

Autor: Günter Drewnitzky

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